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    Im Blickpunkt: Ein aktuelles Adoptionsmodell

    Erst allmählich wird den Menschen bewusst, dass vielerorts ein Schatz der Kirche lautlos verschwindet: das Privileg, von Ordensfrauen. Von Regina Einig

    In der innerkatholischen Ämterdebatte und dem schier endlosen Getöse um die Rolle der Frau geht häufig unter, dass sich im kirchlichen Leben für eine Gruppe von Katholikinnen rasch etwas ändern sollte: Es sind die hochbetagten, kontemplativ lebenden Nonnen.

    Anders als apostolisch tätigen Schwestern fehlt diesen Ordensfrauen oft der institutionelle Rückhalt durch Stiftungen und Fördervereine sowie durch praktische Arbeit gewachsene Netzwerke in der Lokalpolitik und Stadtverwaltung. Viele Gläubige begegnen ihnen mit einer Konsumentenhaltung, die durchaus abschreckend wirken kann. Geduldig haben viele beschaulich lebende Ordensfrauen ihr ganzes Leben hindurch die Probleme und Gebetsanliegen der Menschen angehört und der Kirche durch alle Turbulenzen der Zeit in Gebet und Stille gedient. Man erwartet von ihnen Selbstlosigkeit und Opferbereitschaft ohne Grenzen bis zum letzten Atemzug. Die Überalterung stellt viele Gemeinschaften mit löcheriger Altersvorsorge, die meistens in unzweckmäßigen, überdimensionalen und denkmalgeschützten Gebäuden, allerdings vor Schwierigkeiten, die sie nicht selbstständig meistern können. Paradoxerweise stehen die teilweise existenziellen Nöte der Nonnen überhaupt nicht auf der Agenda der Reformkatholikinnen, die lautstark eine frauenfreundlichere Kirche fordern. Dabei drängt die Zeit.

    Vorbildlich geht nun das Erzbistum Toledo in die Offensive: Am Dreifaltigkeitsfest hat Erzbischof Braulio Rodríguez ein Partnerschaftsprojekt ins Leben gerufen, an dem sich alle Pfarreien beteiligen sollen. Wenn sich jede Pfarrei mit einem der 37 kontemplativen Klöster des Erzbistums nach dem Modell einer Städtepartnerschaft verschwistert, entsteht eine Situation, in der beide Seiten nur gewinnen können. Die materielle Unterstützung stellt dabei den kleinsten Nutzwert dar. Höher zu bewerten ist die historische Chance, kontemplatives Leben in der Ortskirche kennenzulernen.

    In Zeiten einbrechender geistlicher Berufungen wird vielen Menschen erst allmählich bewusst, dass vielerorts ein Schatz der Kirche lautlos verschwindet: das Privileg, von Ordensfrauen im Gebet begleitet zu werden und das seltene Zeugnis lebenslanger Treue zu erleben. Für jüngere Menschen bedeutet oft schon die Beständigkeit, mit der viele alte Ordensfrauen ihrem oft in jungen Jahren geleisteten Gelübde gefolgt sind, ein echtes Aha-Erlebnis. Und nicht wenige werden Vorurteile über das klösterliche Leben ablegen, wenn sie die geistige Weite und Weisheit erleben, mit der kontemplative Ordensfrauen geistliche Mutterschaft in Zeiten schräger weiblicher Ideale vorleben.

    Von Regina Einig

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