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    Ideologiegetrieben und wirklichkeitsfremd

    Es ist schon mehr als erstaunlich, ja, es verärgert zu sehen, mit welcher Beharrlichkeit bestimmte Medien beim Thema Ehe und Familie schlicht lügen oder mit dem Brustton der Überzeugung Falschmeldungen verbreiten. Das Handelsblatt etwa beklagte jüngst eine überzogene Förderung für Familien und nannte dabei das Erziehungsgeld. Nur, dieses Erziehungsgeld wurde schon vor vier Jahren abgeschafft. Immer wieder wird auch in Funk, Presse und Fernsehen der Betrag von 184 Milliarden Euro an Transferleistungen genannt, mit denen die Familie angeblich pro Jahr gefördert werde. Nur, dieser Betrag schnurrt auf knappe 40 Milliarden zusammen, weil die Familien ihn selbst finanzieren – was selbst der frühere Finanzminister Steinbrück kleinlaut einräumte.

    Medienalltag: Das prominenteste Paar des Landes präsentiert sich den Journalisten mit der unausgesprochenen Botschaft „g... Foto: dpa

    Es ist schon mehr als erstaunlich, ja, es verärgert zu sehen, mit welcher Beharrlichkeit bestimmte Medien beim Thema Ehe und Familie schlicht lügen oder mit dem Brustton der Überzeugung Falschmeldungen verbreiten. Das Handelsblatt etwa beklagte jüngst eine überzogene Förderung für Familien und nannte dabei das Erziehungsgeld. Nur, dieses Erziehungsgeld wurde schon vor vier Jahren abgeschafft. Immer wieder wird auch in Funk, Presse und Fernsehen der Betrag von 184 Milliarden Euro an Transferleistungen genannt, mit denen die Familie angeblich pro Jahr gefördert werde. Nur, dieser Betrag schnurrt auf knappe 40 Milliarden zusammen, weil die Familien ihn selbst finanzieren – was selbst der frühere Finanzminister Steinbrück kleinlaut einräumte.

    Ein Dauerbrenner der medialen Empörungsindustrie in Sachen Familie ist das Betreuungsgeld, meist polemisch „Herdprämie“ genannt. Hier verlieren die Kontrolleure der veröffentlichten Meinung gern selber die Kontrolle und ergehen sich entweder in arrogant-herablassenden Bemerkungen über die (CSU-)Politiker oder ideologisch verbohrter Erklärungen. Das war auch in den letzten Wochen wieder der Fall und dabei ist eine neue Masche der Medienmacher zu beobachten, auf die jetzt der Familienforscher Stefan Fuchs in einem Kommentar auf der Online-Seite des Instituts für Demographie, Allgemeinwohl und Familie aufmerksam macht: Immer häufiger meldeten sich Ökonomen zu Familienthemen zu Wort, obwohl ihre wissenschaftliche Kompetenz gerade in diesem Bereich zweifelhaft ist und sich nur an Arbeitsmarktkriterien orientiert. Das Betreuungsgeld könne, so die Ökonomen, Eltern dazu anregen, „ihren Kindern öffentliche Betreuung vorzuenthalten“. Betreuung in Kindertagesstätten sei besser als Familienerziehung. Fuchs weist auf entwicklungspsychologische Erkenntnisse hin, die zeigten, dass Fremdbetreuung im Kleinkindalter riskant ist. Dies spürten auch Eltern, die aus eigener Erfahrung die Defizite öffentlicher Kindertagesbetreuung (zu große Gruppen, wechselnde Erzieherinnen et cetera) kennen. Auch deshalb wollten nach wie vor viele Eltern ihre kleinen Kinder in der Familie erziehen. „Dass dafür vor allem Mütter zeitweise auf eine Erwerbstätigkeit verzichten, missfällt den zu Rat und Lektionen drängenden Ökonomen: Ihr Planziel ist Vollzeiterwerbstätigkeit beider Geschlechter; Eltern, die ihre Kinder zu Hause erziehen wollen, passen nicht in ihre Weltanschauung.“

    Auch der Verband der Familienfrauen und -männer weist auf die Verquickung zwischen Medien und Wirtschaft hin: „Um zu vertuschen, dass Wirtschaftsinteressen rücksichtslos auf Kosten von Kindern und Eltern durchgesetzt werden sollen, wird versucht, die öffentliche Meinung zu manipulieren und rundheraus behauptet, dass Krippenbetreuung der Betreuung durch die Eltern überlegen sei, obwohl dafür keinerlei seriöse wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen. Soweit es dazu überhaupt Langzeituntersuchungen gibt, zeigen sie erhöhte Risiken für die soziale Entwicklung bei früher Krippenbetreuung.“

    Das Ideal: Alleinerziehende und Patchwork-Familien

    Gerade das letzte Beispiel legt einen grundlegenden Webfehler im Verhältnis der Medien zur Familie bloß: Die Weltanschauung und das Menschenbild, mithin auch das Familienbild vieler Journalisten, ist interessengesteuert und geht nicht konform mit der Lebensform der Mehrheit der Bevölkerung. Es lässt sich mittlerweile auch schon empirisch nachweisen, dass das von den Meinungsoligarchen und der Politik propagierte Familienbild nicht mit dem Familienbild übereinstimmt, das in den Köpfen und Herzen der Bevölkerung lebt. Während die Medien überwiegend von Auflösung der Ehe und Familie reden und vor allem Alleinerziehende und Patchwork-Familien als nachahmenswerte Modelle präsentieren, sagt der Microzensus etwas anderes. Demnach leben acht von zehn Paaren in Ehe und drei von vier Kindern unter 18 Jahren bei ihren beiden leiblichen Eltern.

    Ein weiteres Beispiel: Das Institut für Demoskopie Allensbach hat im Auftrag des „Forum Familie stark machen“ schon im Generationenbarometer 2006 die Einschätzung über den Zusammenhalt in den Familien in Deutschland ermittelt. Demnach halten 84 Prozent der Bevölkerung den Zusammenhalt in ihren Familien für sehr stark bis stark und nur zehn Prozent für gering. Da muss man sich doch fragen, ob die Medien mit ihrem konfliktiven, problembeladenen und beziehungsunsicheren Familienbild nicht eine andere Familienwelt abbilden als die, in der die meisten Menschen zuhause sind. Aber vermutlich gehören die meisten Medienleute eher zu der von ihnen veröffentlichten Welt, die allerdings für die meisten Politiker maßgebend ist, weil auch sie sich eher darin wiederfinden als in der als „heile Welt“ verbrämten Familienkonstellation der Mehrheit. Aber gerade für die Politik wären die empirischen Daten eine Fundgrube. Die familienpolitisch relevanten Gesetze sähen anders aus, wenn man sie für die Mehrheit gestaltete, statt Modelle wie das doppelt verdienende Akademikerpaar zu bevorzugen. Man hätte etwa die Eigenheimzulage nicht abgeschafft, bei der Erhöhung der Mehrwertsteuer die Familienkomponente verstärkt, das Kindergeld nicht um zwei Jahre gekürzt und das Elterngeld nicht am Erwerbseinkommen, sondern am Bedarf je nach Kinderzahl orientiert.

    Es ist schon seltsam: Diese Regierung und das dazugehörige medial-politische Establishment vermitteln den Eindruck des Eigenmächtigen und der Selbstermächtiger. Sie möchten Familie und Erziehung am liebsten als Betriebseinheit definieren, so wie Marx und Engels das übrigens schon taten als sie forderten: Erziehung und Fabrikation zusammen. Heute heißt das, Familie und Beruf vereinbaren, und man meint damit Betreuung der Kinder in Staatshand. Die Kirche hat auch bei manchen Gelegenheiten Kritik an dieser Manipulation der Wirklichkeit geübt. Papst Benedikt XVI. etwa warf schon im Juni 2007 den Massenmedien vor, „systematisch die traditionellen Werte von Ehe und Familie anzugreifen“. Neben den Medien seien auch wirtschaftliche Faktoren verantwortlich für die heutige Krise von Ehe und Familie sowie für die sinkenden Geburtenraten.

    Man kann heute die These aufstellen, dass die meisten Medien bei zwei Themen besonders stark manipulieren und ideologiegetrieben berichten. Diese zwei Themenbereiche sind die katholische Kirche und die Familie. Bei beiden Bereichen geht es letztlich um die Liebe. Hier lassen die Schleusen der Ideologie und der Ignoranz nur durch, was dem Mainstream des medial-politischen Establishments gefällt. Alles andere wird, vorwiegend in Talkshows, mit ebenso dummen wie inhaltslosen Schlagworten bedacht wie „Familienbild von gestern“, traditionell und überholt, nicht mehr zeitgemäß, et cetera. Man wundert sich. Es gilt auch bei sogenannten Intellektuellen im Bereich des Wissens der Maßstab des Zeitlichen (gestern – heute – morgen) und der Abstimmung (Mehrheit – Minderheit) und nicht mehr das Kriterium des Wirklichen (richtig – falsch) oder der Logik.

    Woher kommt die Diskrepanz der Familienbilder in der veröffentlichten Meinung, also beim politisch-medialen Establishment einerseits und der öffentlichen Meinung, also in der Bevölkerung andererseits? Ein Datum mag bis zu einem gewissen Grad generellen Aufschluss geben: Etwa 70 Prozent der Journalisten sind kinderlos. Sie haben folglich kaum oder keine persönlich-unmittelbare Lebensbeziehung zur Welt von Kindern. Plausibel erscheint auch der Grund, dass die Scheidungs- und Trennungsrate unter Journalisten überdurchschnittlich hoch ist, diese Journalisten also das Thema Ehe und Familie eher verdrängen. Auch die Karriereaussichten mögen eine Rolle spielen, der Experte in der Thematik Familie wird höchst selten Chefredakteur. Allein diese drei Gründe reichen schon, um die Fremdheit dieses Berufs mit dem Thema Familie und das daraus resultierende (konfliktive und kinderarme) Familienbild zu erklären.

    Diffuses Selbstverständnis eines Berufsstandes

    Auffallend ist auch, dass die meisten Kollegen, die sich mit dieser Materie befassen, aus eigener Betroffenheit darauf gestoßen sind. Der Autor selbst ist zunächst über die Demografie als geopolitischer Faktor und dann durch die Schwierigkeiten, die eine Familie mit zehn Kindern in dieser Republik erfährt, zum Einäugigen in seiner familienblinden Zunft geworden.

    Aber diese eher psychologischen, soziologischen und professionellen Gründe sind keine erschöpfende Erklärung. Die Familienvergessenheit liegt auch am diffusen Selbstverständnis des Berufsstandes. Immer noch definieren sich politisch zwei Drittel der Journalisten als links von der Mitte. Hinzu kommt die Vermarktung der Information; sie durchdringt immer häufiger den medialen Produktionsablauf. Die nervöse Berliner Luft mit ihrer Selbstreferentialität und das rote Licht der Fernsehkameras haben zudem eine „journalistische Pseudoelite“ hervorgebracht (Professor Weischenberg), deren vornehmstes Merkmal die Sichtbarkeit im Fernsehen ist. Die angeblichen, gelegentlich auch tatsächlichen Alphatiere des Medienberufs setzen in Berlin zusammen mit den Wortführern aus der Politik die Akzente in der Familienpolitik. Zu ihnen schreibt Tissy Bruns: „Die Alpha-Journalisten sind öffentliche Akteure, die keine vierte Gewalt über sich haben und keiner Wiederwahl ins Auge sehen müssen. Deshalb müssen sie Gegenstand öffentlicher Kritik werden.“

    Und schließlich wird auch Papst Benedikt wie sein Vorgänger Johannes Paul II. nicht müde, auf diese zentrale Frage für die Zukunft der Menschheit hinzuweisen. Sowohl unter kulturellem als auch unter politischem und legislativem Gesichtspunkt müssten Ehe und Familie mehr Aufmerksamkeit zuteil werden. Die Bischöfe könnten sich nicht nur auf Glaubenssätze und Tradition, sondern, gerade auch im Bereich der Ehe und Familie, auf wissenschaftliche Befunde berufen.

    Linda J. Waite und Maggie Gallagher vom Forschungszentrum Eltern, Kinder und Arbeit der Universität Chicago zum Beispiel haben aus jahrzehntelanger Eheforschung folgendes Fazit gezogen: Eheleute leben im Vergleich mit unverheiratet Zusammenlebenden länger, sind deutlich zufriedener, erfreuen sich einer besseren Gesundheit, haben ein höheres Einkommen, sind erfolgreicher und beruflich motivierter, engagieren sich eher und ausdauernder, leben weniger aufwendig (was die Vermögensbildung begünstigt), sind teamfähiger, das Immunsystem ist stärker, Depressionen seltener. Diese Ergebnisse sind in Deutschland wenig bekannt, offensichtlich verhindern ideologische Barrieren in Politik und Publizistik ihre Verbreitung. Sie passen einfach nicht in die rot-grüne oder auch liberalistische Retorte. Der Medienkonsument ist gut beraten, besonders misstrauisch zu sein, wenn in den Medien, insbesondere im Fernsehen, von Kirche oder Familie die Rede ist.