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    „Ich bin dankbar für die Gemeinschaft mit dem Papst“

    Jerusalem (DT) Vor und hinter der prächtigen goldenen Ikonostase hantieren schwarzgewandete Popen und mit funkelnden Brustkreuzen geschmückte Prälaten. Immer wieder wird das Erbarmen Gottes im Kyrie Eleison angerufen. Weihrauch schwebt süß duftend durch den Raum. Doch die scheinbar einwandfrei orthodoxe Umgebung täuscht: Es ist ein katholisches Gotteshaus, in dem Erzbischof Joseph-Jules Zerey gerade die Liturgie feiert. Der gebürtige Ägypter residiert nahe des Jaffa-Tores in Jerusalems Altstadt als Vikar seines Patriarchen für das Heilige Land. Gregor III. Laham heißt der Patriarch, hat seinen Amtssitz in Damaskus und steht der melkitischen oder griechisch-katholischen Kirche des „Patriarchats von Antiochien und dem ganzen Orient, von Alexandrien und Jerusalem“ vor.

    Die größte Kirche Israels: Melkitische Geistliche und Laien vor der St-Elias-Kathedrale in Haifas. Foto: Maksan

    Jerusalem (DT) Vor und hinter der prächtigen goldenen Ikonostase hantieren schwarzgewandete Popen und mit funkelnden Brustkreuzen geschmückte Prälaten. Immer wieder wird das Erbarmen Gottes im Kyrie Eleison angerufen. Weihrauch schwebt süß duftend durch den Raum. Doch die scheinbar einwandfrei orthodoxe Umgebung täuscht: Es ist ein katholisches Gotteshaus, in dem Erzbischof Joseph-Jules Zerey gerade die Liturgie feiert. Der gebürtige Ägypter residiert nahe des Jaffa-Tores in Jerusalems Altstadt als Vikar seines Patriarchen für das Heilige Land. Gregor III. Laham heißt der Patriarch, hat seinen Amtssitz in Damaskus und steht der melkitischen oder griechisch-katholischen Kirche des „Patriarchats von Antiochien und dem ganzen Orient, von Alexandrien und Jerusalem“ vor.

    Die melkitische Kirche ist die mit Rom in Gemeinschaft stehende arabisch-sprachige Kirche des byzantinischen Ritus. Große melkitische Gemeinden gibt es vor allem in Syrien und dem Libanon, aber auch in Ägypten, Jordanien sowie Israel und Palästina. In Israel ist die Kirche gar die größte des Landes. Zusammen mit der weltweiten melkitischen Diaspora vor allem in Südamerika und Australien gehören weit über 1, 6 Millionen Christen dieser Kirche an. Seine Kirche sieht Erzbischof Zerey als katholischen Sonderfall. „Wir sind ganz katholisch und froh, in Gemeinschaft mit Rom stehen zu können. Ich bin froh, dass unsere Bischöfe im 18. Jahrhundert diesen Weg gegangen sind. Der Papst ist das sichtbare Zentrum der Einheit. Gleichzeitig sind wir aber auch ganz orthodox. Unsere Liturgie und Spiritualität verbindet uns mit unseren orthodoxen Brüdern. Wir verlieren unsere Identität nicht.“

    Für nahöstliche Verhältnisse ist die griechisch-katholische Kirche nicht alt. Erst im 18. Jahrhundert kam es zur Gemeinschaft mit Rom. Vorausgegangen waren Streitigkeiten innerhalb des griechisch-orthodoxen Patriarchats von Antiochien über das Verhältnis zum Römischen Stuhl. Schon im 17. Jahrhundert wirkten westliche Ordensleute wie Kapuziner, Karmeliten und Jesuiten im Gebiet des Patriarchats. Und schon seit der Kreuzfahrerzeit hatte es zwischen den Kreuzrittern und den Christen des griechischen Patriarchats von Antiochien teilweise gute Beziehungen gegeben. Hintergrund der romfreundlichen Tendenzen war die Ablehnung der Dominanz, die die Griechen im Osmanischen Reich über die arabischen Christen hatten. Alle dem Sultan unterstehenden Christen waren im Rahmen des Milletsystems als Volksgruppe unter der Autorität des griechischen Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel zusammengefasst. Durch die Hinwendung nach Rom erhofften sich manche unter ihnen größere Freiheiten. 1724 wählten die Unionsbefürworter Kyrillos VI. zum Patriarchen. Gegner der Union hielten dagegen und wählten einen Gegenkandidaten. Die Spaltung war da. Konstantinopel, Sultan und Patriarch gleichermaßen, erkannte letzteren an. Kyrill musste ins Exil gehen. 1729 gewährte ihm Papst Benedikt XIII. mit dem Pallium die Kirchengemeinschaft.

    Der Jerusalemer Ostkirchenexperte Nikodemus Schnabel unterstreicht die Besonderheit dieser Verbindung nach Rom: „Es ist wohl schwierig, bei der melkitischen griechisch-katholischen Kirche von einer unierten Kirche im klassischen Sinn zu sprechen, da es ja nie eine ausgehandelte Kirchenunion, vergleichbar der Union von Užhorod, Brest oder Siebenbürgen, gegeben hat. Vielmehr ging der Aufnahme der vollen Communio mit Rom ein Schisma innerhalb des Griechischen Patriarchats von Antiochien voran: Eine Seite versicherte sich daraufhin der Unterstützung durch Konstantinopel, während sich die andere Seite durch Rom legitimieren ließ.“ Die Patriarchen der griechisch-katholischen Kirche sehen sich deshalb als rechtmäßige Nachfolger ihrer Vorgänger vor der Zeit der Gemeinschaft mit Rom und setzen die Namenszählung fort.

    Während das Verhältnis zum griechisch-orthodoxen Schwester-Patriarchat von Antiochien gut ist, sind die Beziehungen zum griechisch-orthodoxen Patriarchat von Jerusalem derweil bestenfalls höflich zu nennen. Man gratuliert sich zu den Festen. Echte theologische oder spirituelle Ökumene gibt es aber nicht. „Ich dürste nach der Einheit unserer Kirchen“, sagt Erzbischof Zerey, „die Trennung ist nicht normal und gegen den Willen unseres Herrn.“

    Im Heiligen Land ist die melkitische Kirche besonders in Galiläa stark. Zu den etwa dreißig Pfarreien gehören um die 50 000 Gläubige. Ein Erzbischof in Haifa ist für sie zuständig. Aber auch in den palästinensischen Gebieten, Ost-Jerusalem eingeschlossen, sind die Melkiten vertreten – wenn auch nur in geringer Zahl. „Ich stehe etwa 3 200 Gläubigen vor“, sagt Erzbischof Zerey. Zur Patriarchaldiözese gehören acht Pfarreien, darunter eine in Tel Aviv-Jaffa in Israel. Der Rest liegt in Palästina. Damit gehört nur ein kleiner Teil der etwa 50 000 Christen Palästinas zur melkitischen Kirche.

    Wichtigster Ausdruck ihrer Präsenz sind neben dem Patriarchatssitz in Ost-Jerusalem zwei Schulen in Ramallah und Beit Sahur, dem Ort der Hirtenfelder bei Bethlehem. „Wir leiden natürlich unter der politischen Lage hier im Heiligen Land“, klagt Erzbischof Zerey. „Unsere Leute können die Kirche kaum unterstützen, weil sie selber nichts haben. Wir sind deshalb auf Spenden aus dem Ausland angewiesen. Gegenwärtig ist unser Gästehaus hier in Jerusalem wegen des Gazakriegs leer. Diese Einnahmen fehlen uns für unsere Pastoral.“ Besonders stark, so Erzbischof Zerey weiter, leidet derweil die melkitische Kirche im Nachbarland Syrien. Der seit über drei Jahren dauernde Krieg habe dazu geführt, dass viele melkitische Gotteshäuser zerstört und tausende Gläubige geflüchtet seien.