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    Hunderte protestieren gegen Christenverfolgung

    München (DT/KIN) Am Sonntag haben mehrere hundert Menschen auf dem Augsburger Rathausplatz ihre Solidarität mit verfolgten Christen weltweit bekundet. Die Veranstaltung fand bereits zum achten Mal statt. Der deutsche Zweig des weltweiten päpstlichen Hilfswerks „Kirche in Not“ ist von Anfang an Mitveranstalter. Die Kundgebung wird von einem breiten ökumenischen Bündnis getragen, dem unter anderem die Diözese Augsburg, die syrisch-orthodoxe Kirche Augsburg und die Evangelische Allianz angehören.

    Karin Maria Fenbert, Geschäftsführerin von „Kirche in Not“ Deutschland mit Pater Jacques Mourad. Foto: KIN

    München (DT/KIN) Am Sonntag haben mehrere hundert Menschen auf dem Augsburger Rathausplatz ihre Solidarität mit verfolgten Christen weltweit bekundet. Die Veranstaltung fand bereits zum achten Mal statt. Der deutsche Zweig des weltweiten päpstlichen Hilfswerks „Kirche in Not“ ist von Anfang an Mitveranstalter. Die Kundgebung wird von einem breiten ökumenischen Bündnis getragen, dem unter anderem die Diözese Augsburg, die syrisch-orthodoxe Kirche Augsburg und die Evangelische Allianz angehören.

    Zu Beginn des Solidaritätstags hatte „Kirche in Not“ in das Haus St. Ulrich eingeladen. Vor rund 120 Freunden und Wohltätern des Hilfswerks berichtete der syrische Ordensmann Jacques Mourad über seine Entführung und Gefangenschaft durch die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS). Sein Schicksal hatte durch die Rede des Schriftstellers Navid Kermani bei der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels im Oktober 2015 deutschlandweite Bekanntheit erlangt. „Durch meine Arbeit für Flüchtlinge und als Prior meines Klosters stand ich schon lange im Visier der Extremisten“, berichtete Mourad. Er stand der Klostergemeinschaft Mar Elian nahe der Stadt Karjatain vor. Der Wallfahrtsort wird von Christen wie Muslimen geschätzt. „Aber der IS sagt, wir begehen Gotteslästerung, weil wir die Heiligen verehren“, so Mourad. Im Mai 2015 war er zusammen mit einem Anwärter seines Klosters in die Wüste verschleppt worden. „Ich habe intensiv den Rosenkranz gebetet und mein Leben der Gottesmutter Maria geweiht. Da hörte ich in meinem Innern eine Stimme: ,Du wirst frei sein‘“, so Mourad. Nach acht Tagen sei es dann zur Begegnung mit einem Anführer des IS gekommen. Dieser habe ihn ungewöhnlich höflich behandelt. Grund ist wohl der humanitäre Einsatz von Pater Mourad für Christen und Muslime gleichermaßen gewesen. Aber er erfuhr auch Gewalt und wurde mehrere Monate in einem kleinen Badezimmer gefangen gehalten. Sein Kloster Mar Elian wurde in dieser Zeit zu einem großen Teil zerstört. Im Oktober 2015 gelang Mourad die Flucht. Seither hält er sich in Europa auf, wo er in engem Kontakt mit vielen christlichen Flüchtlingen, aber auch mit seiner Heimat steht. „Dank ,Kirche in Not‘ können wir den Menschen dort Lebensmittelpakete und medizinische Hilfe zukommen lassen“, betonte der Ordensmann. Nach der Befreiung von Karjatain vom IS im Frühjahr 2016 habe man zudem gut 150 Häuser wieder aufbauen können. Für die deutsche Bevölkerung hatte Pater Jacques eine deutliche Botschaft. Er wisse, dass viele Menschen den Flüchtlingsstrom mit Sorge und Angst sähen. „Aber Angst blockiert das Herz und den Verstand.“ Die überwiegende Mehrheit der syrischen Flüchtlinge würden hier jene Freiheit suchen, die sie in ihrer Heimat nicht finden könnten. Europas Christen seien jetzt aufgerufen, auch gegenüber Muslimen Zeugnis abzulegen. Bei der Kundgebung auf dem Rathausplatz forderte Pater Jacques Mourad Politik und Öffentlichkeit auf, sich für ein Ende des Krieges in Syrien einzusetzen, der seit mehr als fünf Jahren andauert. „Krieg ist keine Lösung. Gewalt erzeugt nur weitere Gewalt.“ Mourad dankte nochmals für die enorme Aufnahmebereitschaft der deutschen Bevölkerung. „Ihre Solidarität mit den Flüchtlingen wird in die Geschichtsbücher eingehen.“

    Hauptredner der Kundgebung war Bundestagsvizepräsident Johannes Singhammer. Er forderte, Verletzungen der Religionsfreiheit klar und unmissverständlich beim Namen zu nennen. Dies gelte im Dialog mit den ausländischen Partnern, aber auch im Inland. Besonders besorgt sei er über Meldungen, dass Christen in Flüchtlingsheimen diskriminiert würden. „Wer in Deutschland Christen oder andere Religionsgemeinschaften verfolgt, darf kein Asylrecht erhalten.“ Bei einem Schweigemarsch zum Augsburger Dom trugen viele Teilnehmer Schilder von „Kirche in Not“ mit der Aufschrift „Ich bin Christ“ mit sich.