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    Homo-Seilschaft im Vatikan zerschlagen

    Rom (DT) Es ist eine Nachricht, bei der jetzt mancher im Vatikan schmerzlich zusammenzuckte: Wieder meldet sich „papa emerito“ zu Wort und diesmal geht Benedikt XVI. so richtig in die Vollen.

    Die Spekulationen um seinen Rücktritt sind nie ganz verstummt. Nun schafft Benedikt XVI. mit einem neuen Interviewband K... Foto: KNA

    Rom (DT) Es ist eine Nachricht, bei der jetzt mancher im Vatikan schmerzlich zusammenzuckte: Wieder meldet sich „papa emerito“ zu Wort und diesmal geht Benedikt XVI. so richtig in die Vollen: Am 9. September erscheint im Münchner Verlag Droemer/Knaur ein weiteres Gesprächsbuch mit dem Autor Peter Seewald, in dem der deutsche Papst nochmals Einblicke in sein Leben, sein Pontifikat, seinen Rücktritt vom Petrusamt, die Zeit danach und seine Reaktionen auf die Wahl des Nachfolgers gibt. Das 288 Seiten starke Buch, das den Titel „Letzte Gespräche“ trägt, wird von Droemer/Knaur jetzt schon eifrig beworben – mit dem durchaus zutreffenden Slogan: „Erstmals in der Geschichte des Christentums: Ein Papst zieht die Bilanz seiner Amtszeit“. Das hat es bisher noch nie gegeben.

    Während sich die Nachricht in Italien über einen Blog-Eintrag des Altvaters der „vaticanisti“, des ehemaligen Vatikanberichterstatters Luigi Accattoli vom „Corriere della Sera“, verbreitete, wurde auch ein Interview bekannt, das Papst Franziskus jetzt der argentinischen Zeitung „La Nación“ gegeben hat, in dem er wiederum über seinen Vorgänger sprach. Papst Benedikt, so Franziskus, „ist ein Revolutionär gewesen“ – und fügt erläuternd hinzu: „In der Versammlung mit den Kardinälen, kurz vor dem Konklave 2013, hat er uns gesagt, dass einer von uns der nächste Papst sein und er dessen Namen nicht kennen würde. Seine Großzügigkeit war unvergleichlich. Sein Rücktritt machte alle Probleme der Kirche offenkundig. Sein Rücktritt hatte nichts mit persönlichen Fragen zu tun. Es war ein Regierungs-Akt. Es war sein letzter Regierungsakt.“ Soweit Papst Franziskus.

    Doch der emeritierte Benedikt sollte noch „andere Akte“ setzen, wie jetzt das neue Interview-Buch. Das Interesse am Thema „zwei Päpste im Vatikan“ ist ungebrochen hoch. Was sagt der eine über den anderen, wie begegnen sie sich, hat die nun in die moderne Zeit eingeführte Möglichkeit des Papst-Rücktritts das Petrusamt verändert? Das Interesse mag deswegen so hoch sein, weil es das Phänomen „zwei Päpste im Vatikan“ so noch nie gegeben hat, wie man es zuletzt wieder beim offiziellen Festakt zum 65-jährigen Priesterjubiläum den emeritierten Papst erleben konnte. Zum anderen vielleicht auch deshalb, weil sich immer noch Spekulationen halten, im Fall des Rücktritts von Benedikt XVI. gebe es Hintergründe, die nie bekannt wurden. Auch diese Sensationslust wird den Werberummel um Peter Seewalds neuestes Buch potenzieren.

    Der Autor Seewald hat 1996 und 2000 zwei Interview-Bücher mit Kardinal Joseph Ratzinger – „Salz der Erde“ und „Gott und die Welt“ – sowie 2010 mit Benedikt XVI. ein weiteres, „Licht der Welt“, veröffentlicht. Die „letzten Gespräche“ hat er mit dem deutschen Papst vor und nach dessen Rücktritt geführt, wohl auch mit Blick auf die große Ratzinger-Biografie, an der Seewald arbeitet. Das aus diesen Gesprächen hervorgegangene weitere Interview-Buch erscheint in mehreren Sprachen. Ohne seine genaue Quelle zu nennen, schrieb jetzt der italienische Journalist Accattoli, der emeritierte Papst spreche darin auch von einem Homosexuellen-Netzwerk im Vatikan. Demnach habe Benedikt XVI. während seiner Amtszeit von einer „Schwulen-Lobby“ von vier bis fünf Personen erfahren. Er habe die Seilschaft nach eigenen Angaben zerschlagen.

    Der Verlag Droemer/Knaur hatte in seiner Buchankündigung vom vergangenen Donnerstag mitgeteilt, der emeritierte Papst äußere sich detailliert über die Hintergründe seines Rücktritts, die Schwerpunkte seines Pontifikats, über seinen Nachfolger Franziskus und kontroverse Themen seiner Amtszeit wie Vatileaks oder die Reformen in der Kurie. Accattoli ergänzt dazu, Benedikt XVI. schildere beispielsweise seine Bemühungen, die Vatikanbank neu zu ordnen und Geldwäsche zu unterbinden, aber auch Widerstände angesichts seiner Versuche, gegen den „Schmutz in der Kirche“ vorzugehen. Dabei räume Benedikt XVI. im Rückblick auch mangelnde Resolutheit beim Regieren ein.

    Laut Accattoli verwahre Benedikt XVI. sich gegen die Darstellung, er sei als Papst zu akademisch gewesen und habe sich zu sehr auf die Wissenschaft und das Schreiben konzentriert. Auch weise er zurück, in der Liturgie restaurativ gewirkt zu haben. Dass er seinen Amtsverzicht bei einem Kardinalstreffen am 11. Februar 2013 auf Latein ankündigte, soll Benedikt XVI. damit begründen, er habe Angst gehabt, im Italienischen einen Fehler zu machen. Der emeritierte Papst spreche auch von den Zweifeln, die er mit Blick auf die Auswirkungen seines Schritts für das künftige Papstamt gehabt habe. Erneut leugne Benedikt XVI., auf Druck zurückgetreten zu sein.