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    Hoffnung auf einen Ausgleich mit dem Staat

    Prag (DT/KNA) Es ist alles andere als eine Überraschung, dass Papst Benedikt XVI. Dominik Duka, bislang Bischof von Hradec Kralove (Königgrätz), zum neuen Prager Erzbischof ernannt hat. Es gibt wohl kaum einen geeigneteren Kirchenmann in Tschechien, um die schwierigen Beziehungen zwischen Prag und dem Vatikan zu verbessern. Der 66-jährige Duka, den Papst Johannes Paul II. 1998 zum Bischof ernannte, gilt als „der Politiker“ unter den tschechischen katholischen Würdenträgern. Als er unter den Kommunisten 1981 wegen seiner Tätigkeit im Dominikanerorden zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde, hatte er einen prominenten Mithäftling: den Dissidenten und späteren Präsidenten Vaclav Havel, mit dem er sich oft unterhielt. Seit mehreren Jahren besucht er immer vor Weihnachten den jetzigen tschechischen Staatspräsidenten Vaclav Klaus. Offenbar gibt es zwischen dem wirtschaftsliberalen Staatsmann und dem Bischof aus dem Predigerorden einen gewissen Grundkonsens in Wertefragen. Duka weist wie sein Vorgänger Vlk die These zurück, dass Tschechien das atheistischste Land Europas sei. „Die Tschechen glauben an etwas“, sagt er, wenngleich auch er einräumen muss, dass es nicht unbedingt Gott ist, dem sie zugeneigt sind. Duka sieht wie Vlk, dass die tschechische katholische Kirche nach der „Wende“ die Chance verpasst hat, vornehmlich die junge Generation an sich zu binden. Ob Duka, der nach dem Ende des Kommunismus zum Präsidenten der Ordensoberen-Konferenz seines Landes gewählt wurde, das in seinem neuen Amt zu ändern vermag, muss sich erweisen. Was ihm kirchliche Kreise auf jeden Fall zutrauen, sind Fortschritte im Verhältnis zwischen Staat und Kirche. Sie sollten, so weit dürfte der Konsens reichen, auf eine Ebene der entspannten Normalität gehoben werden, wie sie sonst in der EU üblich ist. Das betrifft etwa den eineinhalb Jahrzehnte währenden Streit um die böhmische Kathedrale, den Prager Veitsdom. Dukas Vorgänger Vlk hatte sich vergeblich darum bemüht, den schönsten und bedeutendsten Kirchenbau Tschechiens ins Eigentum der Kirche zurückzuholen. Das letzte Gerichtsurteil in der Sache sprach die Kathedrale erneut dem Staat zu und bestätigte damit quasi den Raub des Doms durch die Kommunisten. Auch über den Veitsdom hinaus leidet das Verhältnis Staat-Kirche unter ungelösten Eigentumsfragen. Ein Kompromiss, der der Kirche die Rückgabe und eine hohe Entschädigung für nicht rückzuübertragende Bauten vorsieht, liegt im Parlament auf Eis und würde derzeit wohl auch nicht die erforderliche Zustimmung durch Präsident Vaclav Klaus bekommen. Doch das muss nicht so bleiben. Als der Papst im vergangenen Herbst Tschechien besuchte, traf er auf einen ungewöhnlich aufgeschlossenen Klaus, der Benedikt XVI. wiederholt als einen großen Mann würdigte, der Zeichen zu setzen vermöge. Da bahnte sich ein neuer Geist zwischen Prag und dem Vatikan an. Am Rande des Papstbesuches wurde seinerzeit vereinbart, dass die Kirche angesichts der derzeitigen Finanzkrise nicht sofort auf die Umsetzung des Ausgleichs mit dem Staat besteht, sondern bessere Zeiten abzuwarten bereit ist. Diese besseren Zeiten könnten auf Kirchenseite mit Dukas Ernennung zum Prager Erzbischof eingeläutet werden. Dieser gibt sich ungeachtet aller Schwierigkeiten mit dem Staat gelassen: „Bislang ist die Zeit nicht gekommen, dass Kirche und Gesellschaft einander Schuld vergeben können und nach vorne blicken. Aber diese Zeit wird kommen und damit auch die Lösung der bisher noch offenen Probleme.“

    Prag (DT/KNA) Es ist alles andere als eine Überraschung, dass Papst Benedikt XVI. Dominik Duka, bislang Bischof von Hradec Kralove (Königgrätz), zum neuen Prager Erzbischof ernannt hat. Es gibt wohl kaum einen geeigneteren Kirchenmann in Tschechien, um die schwierigen Beziehungen zwischen Prag und dem Vatikan zu verbessern. Der 66-jährige Duka, den Papst Johannes Paul II. 1998 zum Bischof ernannte, gilt als „der Politiker“ unter den tschechischen katholischen Würdenträgern. Als er unter den Kommunisten 1981 wegen seiner Tätigkeit im Dominikanerorden zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde, hatte er einen prominenten Mithäftling: den Dissidenten und späteren Präsidenten Vaclav Havel, mit dem er sich oft unterhielt. Seit mehreren Jahren besucht er immer vor Weihnachten den jetzigen tschechischen Staatspräsidenten Vaclav Klaus. Offenbar gibt es zwischen dem wirtschaftsliberalen Staatsmann und dem Bischof aus dem Predigerorden einen gewissen Grundkonsens in Wertefragen. Duka weist wie sein Vorgänger Vlk die These zurück, dass Tschechien das atheistischste Land Europas sei. „Die Tschechen glauben an etwas“, sagt er, wenngleich auch er einräumen muss, dass es nicht unbedingt Gott ist, dem sie zugeneigt sind. Duka sieht wie Vlk, dass die tschechische katholische Kirche nach der „Wende“ die Chance verpasst hat, vornehmlich die junge Generation an sich zu binden. Ob Duka, der nach dem Ende des Kommunismus zum Präsidenten der Ordensoberen-Konferenz seines Landes gewählt wurde, das in seinem neuen Amt zu ändern vermag, muss sich erweisen. Was ihm kirchliche Kreise auf jeden Fall zutrauen, sind Fortschritte im Verhältnis zwischen Staat und Kirche. Sie sollten, so weit dürfte der Konsens reichen, auf eine Ebene der entspannten Normalität gehoben werden, wie sie sonst in der EU üblich ist. Das betrifft etwa den eineinhalb Jahrzehnte währenden Streit um die böhmische Kathedrale, den Prager Veitsdom. Dukas Vorgänger Vlk hatte sich vergeblich darum bemüht, den schönsten und bedeutendsten Kirchenbau Tschechiens ins Eigentum der Kirche zurückzuholen. Das letzte Gerichtsurteil in der Sache sprach die Kathedrale erneut dem Staat zu und bestätigte damit quasi den Raub des Doms durch die Kommunisten. Auch über den Veitsdom hinaus leidet das Verhältnis Staat-Kirche unter ungelösten Eigentumsfragen. Ein Kompromiss, der der Kirche die Rückgabe und eine hohe Entschädigung für nicht rückzuübertragende Bauten vorsieht, liegt im Parlament auf Eis und würde derzeit wohl auch nicht die erforderliche Zustimmung durch Präsident Vaclav Klaus bekommen. Doch das muss nicht so bleiben. Als der Papst im vergangenen Herbst Tschechien besuchte, traf er auf einen ungewöhnlich aufgeschlossenen Klaus, der Benedikt XVI. wiederholt als einen großen Mann würdigte, der Zeichen zu setzen vermöge. Da bahnte sich ein neuer Geist zwischen Prag und dem Vatikan an. Am Rande des Papstbesuches wurde seinerzeit vereinbart, dass die Kirche angesichts der derzeitigen Finanzkrise nicht sofort auf die Umsetzung des Ausgleichs mit dem Staat besteht, sondern bessere Zeiten abzuwarten bereit ist. Diese besseren Zeiten könnten auf Kirchenseite mit Dukas Ernennung zum Prager Erzbischof eingeläutet werden. Dieser gibt sich ungeachtet aller Schwierigkeiten mit dem Staat gelassen: „Bislang ist die Zeit nicht gekommen, dass Kirche und Gesellschaft einander Schuld vergeben können und nach vorne blicken. Aber diese Zeit wird kommen und damit auch die Lösung der bisher noch offenen Probleme.“

    Von Hans-Jörg Schmidt