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    Himmelsstürmer in Turnschuhen

    Sao Paulo (DT/KNA) Brasiliens Multimedienpriester Marcelo Rossi hat seine Megakirche der „Mutter Gottes“ (Mae de Deus) mit einer triumphalen Messe eröffnet. Zwar ist der Bau noch gar nicht abgeschlossen, wie Bauwagen, Materialstapel, unverputzte Wände und provisorische Eingänge bezeugten. Trotzdem waren am Freitag aus ganz Brasilien Gläubige angereist, um das neue Symbol der von Rossi ins Leben gerufenen charismatischen Erneuerungsbewegung der katholischen Kirche zu bestaunen. Bereits seit acht Jahren baut Rossi an der Kirche, finanziert durch die Einnahmen aus seinen CDs, DVDs, Filmen und Büchern, die in Brasilien alle Verkaufsrekorde gebrochen haben.

    Marcelo Rossi in der neuen Marienkirche. Foto: KNA

    Sao Paulo (DT/KNA) Brasiliens Multimedienpriester Marcelo Rossi hat seine Megakirche der „Mutter Gottes“ (Mae de Deus) mit einer triumphalen Messe eröffnet. Zwar ist der Bau noch gar nicht abgeschlossen, wie Bauwagen, Materialstapel, unverputzte Wände und provisorische Eingänge bezeugten. Trotzdem waren am Freitag aus ganz Brasilien Gläubige angereist, um das neue Symbol der von Rossi ins Leben gerufenen charismatischen Erneuerungsbewegung der katholischen Kirche zu bestaunen. Bereits seit acht Jahren baut Rossi an der Kirche, finanziert durch die Einnahmen aus seinen CDs, DVDs, Filmen und Büchern, die in Brasilien alle Verkaufsrekorde gebrochen haben.

    Rossi selbst konnte den Moment scheinbar gar nicht erwarten. Schon vor dem offiziellen Beginn der auf 11 Uhr angesetzten Messe ließ er sich vom Blues-Rock-Sound seiner sich warmspielenden Band inspirieren und erklomm die als Altar bezeichnete Bühne. Im Stil eines sich in Zeitlupe bewegenden Mick Jagger dirigierte Rossi den Chor der begeisterten Zuhörer, die ihm die Arme entgegenstreckten und mit weißen Tüchern wedelten. Er braucht seine religiösen Pop-Hits lediglich anzusingen, den Rest erledigte das Publikum. „Er hat Charisma“, so eine vollkommen ausgepumpte Gläubige nach der Messe. „Und blaue Augen.“ Tatsächlich ist die Erscheinung des 45-Jährigen beeindruckend – nicht bloß seine in Brasilien seltenen blauen Augen.

    Der hünenhafte Priester ist zwei Meter groß und athletisch, obwohl er nach einem angeblichen Sportunfall vor zwei Jahren schwere körperliche Probleme hat. Er geht schleppend, hat einen Buckel bekommen, und seine Mimik wirkt seltsam zeitverzögert. Er sei beim Joggen gestürzt, heißt es. Rossi war stets ein Sportfanatiker, nahm in der Jugend sogar Anabolika zum Muskelaufbau. Auch zur Eröffnung seiner Kirche trägt er einen Jogginganzug und riesige Turnschuhe unter dem Priestergewand.

    Die offizielle Eröffnung der Kirche zu Allerseelen ist kein Zufall. Seit 13 Jahren veranstaltet Rossi an diesem Tag im Fernsehen übertragene Mega-Gottesdienste. In Brasilien kennen alle seine christlichen Popsongs, haben zu Millionen seine CDs und DVDs gekauft, auf denen sich die Elite aus dem Showbusiness gerne an seiner Seite zeigt. Zur Kircheneröffnung war mit Alexandre Pires einer der ganz großen Stars der lateinamerikanischen Musikszene gekommen. Auch die Politprominenz Sao Paulos machte ihm die Aufwartung. Brasiliens Wirtschaftslokomotive ist mehrheitlich immer noch katholisch geprägt, anders als Rio de Janeiro, wo die evangelikalen Pfingstkirchen bereits seit Jahren in der Mehrheit sind.

    Seit den 80er Jahren hat die katholische Kirche im einst „katholischsten Land der Welt“ viele Gläubige an die Pfingstler verloren. Diese locken mit interaktiven Kulten mit Teufelsaustreibungen, Karaoke-Stimmung und leicht verständlichen Anleitungen zu Wohlstand und sozialem Aufstieg. Dagegen sah die katholische Kirche erst einmal eingerostet und altbacken aus. In den Neunzigern war es dann Rossi, der für neuen Schwung sorgte. Mit schmissigen Popsongs und unterhaltsamen Kinofilmen transportierte er seine religiöse Botschaft der brüderlichen Liebe. „Vorher waren die Messen etwas eingestaubt, die Priester oft alt und ohne Dynamik“, urteilt ein Rossi-Fan. „Padre Marcelo hat da für viel neuen Schwung gesorgt.“

    Zuletzt brach er mit dem Buch „Agape“ (griechisch Liebesmahl) alle Rekorde. Die Erlöse seiner Veröffentlichungen, angeblich umgerechnet gut 15 Millionen Euro, lenkte Rossi in den vergangenen acht Jahren in den immer noch nicht beendeten Kirchenbau. Eines Tages sei für 100 000 Gläubige Platz, so Rossi. Aus Sicherheitsgründen hatte die Stadt die Kapazität am Freitag auf 20 000 begrenzt. Trotzdem pressten sich 50 000 Fans auf das Gelände, während tausende Zuspätgekommene die umliegenden Straßen lahmlegten. Wann die Kirche denn wohl fertig sei, fragte man Rossi. „Wenn Gott es will“, lautete seine Antwort.