• aktualisiert:

    Herausragende Verdienste gewürdigt

    Paderborn (DT/mw/thf) „Man könnte kaum einen würdigeren Mann finden. (...) Ich gratuliere Erzbischof Twal zu dieser Auszeichnung und auch denen, die diese Entscheidung zur Verleihung getroffen haben.“ Das betonte Avi Primor, von 1993 bis 1999 Botschafter Israels in der Bundesrepublik Deutschland, bei seiner Laudatio für den neuen Ehrendoktor der Theologischen Fakultät Paderborn. Diese hat am Montag dem Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Erzbischof Fouad Twal, die theologische Ehrendoktorwürde verliehen. Die Theologische Fakultät Paderborn würdigte damit die herausragenden kirchlichen Verdienste Erzbischof Twals, der sich mit großem Engagement für Versöhnung und Frieden in Jerusalem und im Nahen Osten einsetzt und Dialog zwischen den Religionen und Völkern fördert.

    Erzbischof Becker mit Patriarch Twal, dem Rektor der theologischen Fakultät Paderborn, Professor Berthold Wald, und der ... Foto: KNA

    Paderborn (DT/mw/thf) „Man könnte kaum einen würdigeren Mann finden. (...) Ich gratuliere Erzbischof Twal zu dieser Auszeichnung und auch denen, die diese Entscheidung zur Verleihung getroffen haben.“ Das betonte Avi Primor, von 1993 bis 1999 Botschafter Israels in der Bundesrepublik Deutschland, bei seiner Laudatio für den neuen Ehrendoktor der Theologischen Fakultät Paderborn. Diese hat am Montag dem Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Erzbischof Fouad Twal, die theologische Ehrendoktorwürde verliehen. Die Theologische Fakultät Paderborn würdigte damit die herausragenden kirchlichen Verdienste Erzbischof Twals, der sich mit großem Engagement für Versöhnung und Frieden in Jerusalem und im Nahen Osten einsetzt und Dialog zwischen den Religionen und Völkern fördert.

    Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker hob in seiner Predigt während eines Pontifikalamtes in der Universitäts- und Marktkirche die Bedeutung der Heiligen Stadt für alle Christen hervor. „Der Anlass richtet unseren Blick fast automatisch auf Jerusalem, das allen drei großen Weltreligionen heilig ist und im Zentrum unserer Aufmerksamkeit steht.“ Mit Psalm 122, dem großen Wallfahrtslied Davids, schloss sich der Erzbischof der Gebetsbitte des Psalmisten um Wohlergehen und Frieden für Jerusalem an, den dieses so dringend nötig habe. „Gemeinsam wollen wir also im Geiste zum Berg Zion pilgern, um Frieden zu erbitten für diese Stadt – den Frieden, den Jesus uns aufgetragen hat.“ Die Verleihung der Ehrendoktorwürde an Mitbruder Twal habe mit der Feier der Eucharistie begonnen, so Erzbischof Becker, um den Blick auch auf die universalkirchliche geistliche Dimension Jerusalems zu richten. Denn die „Hauptstadt des Christlichen Glaubens ist nicht nur Schauplatz von Gewalt, sondern insbesondere die Stadt des Gebets, des Dialoges und der Liebe“.

    Der Rektor der theologischen Fakultät Paderborn, Professor Berthold Wald, konnte zu Beginn des sich anschließenden Festaktes der Ehrenpromotion im Auditorium Maximum der Theologischen Fakultät Paderborn zahlreiche Gäste aus Kirche, Kultur, Wissenschaft und Politik begrüßen. Darunter befand sich auch eine große Abordnung des Ordens der Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem. Die Grabesritter fühlen sich Erzbischof Twal in besonderer Weise verbunden und unterstützen dessen vielfältige Aufgaben und zahlreiche Bildungsprojekte in Jordanien, Israel und Palästina.

    In seinem Grußwort erinnerte der Magnus Cancellarius der Theologischen Fakultät, Erzbischof Hans-Josef Becker, an die Pilgerfahrt der Deutschen Bischöfe in das Heilige Land im Jahre 2007. Damals war es bereits zu Begegnungen mit Erzbischof Twal und dem ehemaligen Botschafter Israels in Deutschland gekommen. An diesem Tag sei es ihm eine besondere Freude, beide gemeinsam anlässlich der Ehrenpromotion in Paderborn zu begrüßen.

    Avi Primor, heute Präsident der Israelischen Gesellschaft für Außenpolitik, die Laudation auf den neuen Ehrendoktor. Das sei schon außergewöhnlich, betonte Rektor Wald, wenn ein in Tel Aviv aufgewachsener Jude die Verdienste eines christlichen Arabers würdige. Mit großer Anerkennung und Respekt hob Primor der sich selbst seit langem für den Frieden im Nahen Osten einsetzt, die Leistung des Patriarchen hervor, die „unter den Umständen von Krieg und Besatzung“ keineswegs einfach seien. Fouad Twal kämpfe nicht allein für die Christen, sondern er suche auf dem Weg des Dialogs eine gerechte Lösung für Muslime, Christen und Juden, „sodass alle gleichberechtigt und in Würde leben können“. Denn „wer nicht in Würde leben kann, der kann auch nicht Frieden stiften und in Frieden leben“.

    Primor machte deutlich, dass Twals Engagement den Teufelskreis von Vorurteil, Ignoranz, Argwohn, Angst und Hass durchbreche. Das geschehe, indem er Brücken bauen helfe, um die gegenseitige Ignoranz der Menschen abzubauen. „Sich für die Würde einzusetzen heißt konkret, auch das Bildungssystem, die Wirtschaft und das Gesundheitssystem zu fördern. In den von Lateinischen Patriarchat getragenen Schulen lernen Juden, Muslime und Christen nebeneinander; das wäre in meiner Jugend undenkbar gewesen“, so Avi Primor. Mit gleicher Intensität setze Fouad Twal auch auf Möglichkeiten zum Dialog auf der Ebene der Regierungen, um konkrete Verbesserungen der Lebenssituation vieler Menschen zu erreichen.

    In seinem Festvortrag mit dem Titel „Die Christen des Heiligen Landes. Kirche von Golgotha und Brücke zum Frieden“ erläuterte Twal in deutscher Sprache die Situation in Jerusalem und im Nahen Osten, die Projekte und Perspektiven, aber auch „Stolpersteine“ für die Christen in seinem Verantwortungsgebiet. Am Beginn jedoch brachte Fouad Twal noch einmal seinen Dank für dies Auszeichnung zum Ausdruck und widmete sie „allen Menschen guten Willens im Nahen Osten“, die mitwirkten am Brückenbau zu Versöhnung und Frieden.

    Brücken zu bauen heiße für ihn und seine Gläubigen, die im Gesamt der Religionen vor Ort eine kleine Minderheit seien, nach vielen Ufern hin Verbindungen zu schaffen. „Wer Brücken baut, der muss die Beschaffenheit beider Seiten kennen. Es braucht dazu auch die Fähigkeit zu Redlichkeit und Wahrhaftigkeit, damit die jeweiligen Bedürfnisse erkannt und respektiert werden können.“ Erzbischof Twal erinnerte dabei an den Besuch des Heiligen Vaters, Papst Benedikts XVI., bei Schimon Perez, dem Staatspräsidenten Israels. Der Papst habe davon gesprochen, dass Sicherheit eine Sache des Vertrauens sei, das selbst wiederum „genährt wird durch Gerechtigkeit und eine Umkehr des Herzens“. Eine solche Umkehr der Herzens brauche es insbesondere auch angesichts politischer Fragen – etwa die der „der Mauer“, die Familien spaltet und nicht zulässt, dass neue Familien entstehen“.

    Twal unterstrich die Rolle der Pilger, die für das Heilige Land von großer Wichtigkeit seien: „Jerusalem ist die Heimat aller Pilger.“ Jeder Pilger, der die heiligen Stätten besuche, sei ein „lebendiges Zeichen dafür, dass Israel ein Land des Friedens und des Gebetes“ ist.