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    Heilige der Lebensrechtsbewegung

    In einer Woche findet in Berlin der „Marsch für das Leben“ statt. Aus diesem Grund stellt die Tagespost heute zwei Heilige der Lebensschutzbewegung vor: Gianna Beretta Molla, derer die Kirche am 28. April gedenkt und Raimund Nonnatus, dessen Festtag der 31. August ist.

    Die heilige Gianna Beretta Molla mit ihren Kindern. Foto: In

    In einer Woche findet in Berlin der „Marsch für das Leben“ statt. Aus diesem Grund stellt die Tagespost heute zwei Heilige der Lebensschutzbewegung vor: Gianna Beretta Molla, derer die Kirche am 28. April gedenkt und Raimund Nonnatus, dessen Festtag der 31. August ist.

    Man könnte von Gianna Beretta Molla sagen, dass sie der Vorstellung der „Frau von heute“ voll und ganz entspricht: Sie war verheiratet, hatte Kinder und war zugleich berufstätig. Daneben fand sie noch Muße für eine Vielzahl von Freizeitaktivitäten: sie fuhr Ski, kletterte in den Bergen, malte und spielte Klavier. Zudem engagierte sie sich in der Katholischen Aktion und der Vinzenz-Konferenz. Als sie zum vierten Mal schwanger wurde, opferte sie dieses ausgefüllte Leben für ihr ungeborenes Kind.

    Gianna kam am 4. Oktober 1922 in Magenta bei Mailand als zehntes von dreizehn Kindern zur Welt und wuchs in einer sehr religiösen Familie auf. Seit ihrer Erstkommunion mit fünf Jahren besuchte sie täglich die heilige Messe und betete den Rosenkranz. Eine ihrer Schwestern nahm den Schleier, zwei Brüder wurden Priester, doch sie selbst betrachtete Ehe und Familie als ihre Berufung. Und die Medizin. Dieses Fach studierte sie in Mailand und in Pavia, wo sie 1949 promovierte. 1952 schloss sie ihre fachärztliche Ausbildung zur Kinderärztin ab.

    Mit einem ihrer Brüder betrieb sie eine Arztpraxis, in der sie sich besonders um Mütter, Kinder, arme und alte Menschen kümmerte und mit dem Motorrad Hausbesuche machte. Immer noch weiter eifrig darum bemüht, durch Vorträge und Organisation von Einkehrtagen den Glauben in ihrem Umfeld weiter zu verbreiten, überlegte sie schon, einem weiteren Bruder, der als Missionar in Brasilien wirkte, in den Urwald zu folgen. Dort wollte sie als Ärztin mithelfen.

    Doch durch die Begegnung mit dem Ingenieur Pietro Molla, den sie schließlich im September 1955 heiratete, wurde ihr ihre wahre Berufung bewusst: die Gründung einer christlichen Familie. Obwohl Pietro sie bat, nach der Hochzeit ihren Arztberuf aufzugeben, arbeitete sie weiter. Ihre drei Kinder Pierluigi, Maria Zita und Laura kamen in kurzen Abständen auf die Welt. Als Gianna nach mehreren Fehlgeburten 1961 erneut schwanger war, und der Arzt ihr eröffnete, dass sie einen Tumor an der Gebärmutter habe, schlug man ihr die Entfernung des Organs vor, um ihr eigenes Leben zu retten. Gianna entschied sich anders: „Wenn Sie zwischen mir und meinem Kind zu wählen hätten: Entscheiden Sie sich für mein Kind. Ich bestehe darauf: Retten Sie das Kind.“ Am Karfreitag kam sie in die Klinik und schenkte einem gesunden Mädchen das Leben. Am darauffolgenden Samstag bekam Gianna eine Bauchfellentzündung, an deren Folgen sie eine Woche später, am 28. April 1962, im Alter von 39 Jahren, in ihrem eigenen Haus verstarb.

    38 Jahre später weigerte sich Elisabete Arcolino Comparini trotz ärztlichem Rat, eine Abtreibung vornehmen zu lassen. Im dritten Schwangerschaftsmonat hatte sie ihr gesamtes Fruchtwasser verloren, und es schien für ihr ungeborenes Kind keine Hoffnung mehr zu geben. Elisabete bat um die Fürsprache Giannas und brachte schließlich eine gesunde Tochter zur Welt, der sie den Namen Gianna Maria gab. Dies wurde als Wunder für Gianna Beretta Mollas Heiligsprechung anerkannt, die am 16. Mai 2004 durch Papst Johannes Paul II. erfolgte. Derselbe Papst hatte sie am 24. April 1994 seliggesprochen. Ihre Tochter Gianna Emanuela, die wie ihre Mutter Ärztin wurde und das Zeugnis der heiligen Gianna auf Vorträgen in die Welt trägt, war mit ihren Geschwistern bei beiden feierlichen Zeremonien anwesend.

    Raimund Nonnatus ist der Schutzpatron der Neugeborenen, der Schwangeren und der Hebammen sowie der zu Unrecht Angeklagten. Zudem können seiner Fürsprache auch all die Kinder anvertraut werden, die noch nicht das Licht der Welt erblickt haben, sich also noch im Mutterleib befinden. „Nonnatus“ bedeutet „nicht geboren oder ungeboren“, denn eigentlich wäre Raimund fast mit seiner Mutter gemeinsam gestorben, die im siebenten Monat der Schwangerschaft schwer erkrankte. Da man dachte, dass auch das Kind tot sei, wollte man die Mutter schon beerdigen, doch der Vater bestand auf einem Kaiserschnitt und Raimund kam vollkommen gesund auf die Welt. Das trug sich um 1202 im katalanischen Portello zu.

    Raimund wurde 1222 in Barcelona zum Priester geweiht und trat anschließend in den Orden der „Seligen Jungfrau Maria vom Loskauf der Gefangenen“ ein – bei den Mercedariern. Diese Gemeinschaft war erst einige Jahre zuvor – 1218 – vom heiligen Petrus Nolascus und vom heiligen Raimund von Penafort aufgrund einer kirchlich anerkannten Marienerscheinung gegründet worden. Der Orden widmete sich der Auslösung christlicher Gefangener, die von – die Pilgerrouten in das Heilige Land bedrohenden – sarazenischen und maurischen Sklavenhändlern und Piraten als Sklaven nach Afrika verkauft worden waren. Neben den drei üblichen Ordensgelübden der Ehelosigkeit, der Armut und des Gehorsams legten die „Mercedarierritter“ ein viertes ab: Sie versprachen, ihr eigenes Leben erforderlichenfalls im Austausch für das der gefangenen Christen hinzugeben.

    So wurde Raimund Nonnatus nach Nordafrika in die Gegend des heutigen Algerien gesandt, um dort Christen loszukaufen. Als ihm das Geld ausging, bot er sich selbst als Geisel für die Gefangenen an. Und so wurde Raimund selbst in den Kerker geworfen, wo man ihn schlug und folterte. Sein Los verschlimmerte sich noch, als die Mauren herausfanden, dass er Muslime zum Christentum bekehrt und getauft hatte. Er wurde zum Tod durch Pfählen verurteilt. Doch Petrus Nolascus gelang es, ein hohes Lösegeld für seinen Mitbruder aufzutreiben und ihn nach acht Monaten Kerkerhaft zu befreien. Raimund bat darum, in Afrika bleiben zu dürfen, doch seine Oberen lehnten diese Bitte ab, und so gehorchte er und kehrte wieder nach Spanien zurück.

    1239 ernannte Papst Gregor IX. Raimund wegen seiner Verdienste in Algerien zum Kardinal und berief ihn nach Rom. Eine akute Erkrankung warf den Heiligen unweit von Barcelona aufs Krankenlager. Dort verstarb er am 31. August 1240.

    Gemeinsam mit Petrus Nolascus wurde er 1628 seliggesprochen. Papst Alexander VII. nahm beide im Jahr 1657 in das Verzeichnis der Heiligen auf.