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    Güte ist keine Schwäche

    Liebe Freunde des Bethanien-Zentrums,

    „Das Gute ist Lohn seiner selbst.“ Foto: dpa

    Liebe Freunde des Bethanien-Zentrums,

    ich danke euch von Herzen für euren frohen Empfang! Und vor allem danke ich euch für die Aufnahme, die hier täglich vielen Kindern und Jugendlichen gewährt wird, die Fürsorge und Zuneigung brauchen, eine unbeschwerte Umgebung und Menschen, die Freunde und wirkliche Erzieher sind, ein Vorbild für das Leben und eine Unterstützung.

    An Orten wie diesem werden wir alle im Glauben gestärkt, wird uns allen geholfen zu glauben, denn wir sehen, wie der Glaube zu konkreter Liebe wird. Wir sehen, wie er Licht und Hoffnung in Situationen schwerer Mühsal bringt; wir sehen, wie er im Herzen von Menschen neu entflammt, die vom Geist Jesu berührt wurden, der gesagt hat: „Wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf“ (Mk 9,37). Dieser Glaube, der in der Liebe wirksam ist, versetzt die Berge der Gleichgültigkeit, des Unglaubens und der Apathie und öffnet Herz und Hände, um Gutes zu tun und es zu verbreiten. Durch demütige und einfache Gesten des Dienstes an den Kleinen wird die Gute Nachricht weitergegeben, dass Jesus auferstanden ist und in unserer Mitte lebt.

    Dieses Zentrum bezeugt außerdem, dass ein friedliches und brüderliches Zusammenleben zwischen Menschen, die unterschiedlichen Ethnien und religiösen Bekenntnissen angehören, möglich ist. Hier behindern die Unterschiede nicht die Harmonie, die Freude und den Frieden, ja, sie werden zu einer Gelegenheit, einander besser zu kennen und tiefer zu verstehen. Die verschiedenen religiösen Erfahrungen öffnen sich für die achtungsvolle und wirksame Liebe zum Nächsten; jede religiöse Gemeinschaft drückt sich mit Liebe und nicht mit Gewalt aus und schämt sich der Güte nicht! Wer die Güte in sich wachsen lässt, dem schenkt sie ein ruhiges Gewissen und eine tiefe Freude, auch inmitten von Schwierigkeiten und Unverständnis. Sogar angesichts erlittener Beleidigungen ist die Güte keine Schwäche, sondern eine wirkliche Kraft, die fähig ist, auf Vergeltung zu verzichten.

    Das Gute ist Lohn seiner selbst und bringt uns Gott, dem höchsten Gut, näher. Es lässt uns denken wie er, es lässt uns die Wirklichkeit unseres Lebens im Licht seines Planes der Liebe für einen jeden von uns sehen, es lässt uns die kleinen Freuden des Alltags kosten und trägt uns in den Schwierigkeiten und Prüfungen. Das Gute belohnt uns unendlich mehr als das Geld, das hingegen enttäuscht, denn wir sind geschaffen, um die Liebe Gottes anzunehmen und unsererseits weiterzuschenken, und nicht, um alles auf der Grundlage des Geldes oder der Macht zu beurteilen – eine Gefahr, die uns alle umbringt.

    Liebe Freunde, eure Direktorin hat bei ihrer Begrüßung die Etappen erwähnt, die eure Vereinigung durchschritten hat, und die Werke, die aus der Intuition der Gründerin, Frau Antonietta Vitale, hervorgegangen sind – ihr gilt mein herzlicher Gruß und mein Dank für ihren Empfang. Außerdem hat sie die Hilfe der Wohltäter sowie die Fortschritte der verschiedenen Initiativen hervorgehoben. Sie hat viele liebevoll aufgenommene und versorgte Kinder zitiert. Mirjan hat dagegen seine persönliche Erfahrung erzählt, die Verwunderung und die Dankbarkeit für eine Begegnung, die sein Leben verwandelt und ihm neue Horizonte eröffnet hat, indem sie ihn neue Freunde finden ließ und einen noch größeren und besseren Freund als die anderen: Jesus. Er hat in Bezug auf die Freiwilligen, die hier ihren Dienst tun, etwas sehr Bedeutsames gesagt:„Seit fünfzehn Jahren opfern sie sich freudig auf aus Liebe zu Jesus und aus Liebe zu uns.“ Das ist ein Satz, der offenbart, wie das Sich-Verschenken aus Liebe zu Jesus Freude und Hoffnung weckt und wie der Dienst an den Mitmenschen sich in eine Teilhabe an der Herrschaft Gottes verwandelt. Diese Worte von Mirjan-Paolo können einem großen Teil unserer Welt widersinnig erscheinen – Menschen, die sich schwer tun, sie zu verstehen, und in irdischen Reichtümern, im Besitz und im Vergnügen als Selbstzweck mühevoll den Schlüssel zum Verständnis des eigenen Lebens suchen, stattdessen aber Entfremdung und Betäubung finden.

    Das Geheimnis eines gelungenen Lebens ist dagegen, zu lieben und sich aus Liebe hinzugeben. Dann findet man die Kraft, sich „freudig aufzuopfern“, und der Einsatz, der am meisten einfordert, wird zur Quelle einer größeren Freude. Dann machen endgültige Lebensentscheidungen keine Angst mehr, sondern erscheinen in ihrem wahren Licht, als eine Weise, die eigene Freiheit vollkommen zu verwirklichen.

    Jesus, der Herr, und seine Mutter, die Jungfrau Maria, mögen eure Vereinigung, dieses Bethanien-Zentrum und die anderen Zentren segnen, welche die Nächstenliebe hat entstehen und die Vorsehung hat wachsen lassen. Sie mögen alle Freiwilligen, die Wohltäter und alle aufgenommenen Kinder und Jugendlichen segnen. Euer Patron, der heilige Antonius von Padua, begleite euch auf eurem Weg. Fahrt zuversichtlich fort, in den Armen und den Verlassenen Jesus, dem Herrn, zu dienen und ihn zu bitten, dass die Herzen und Gedanken aller sich dem Guten und der tätigen Nächstenliebe öffnen, die eine Quelle wahrer, echter Freude ist. Ich bitte euch, für mich zu beten, und segne euch von Herzen.