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    Gott selbst kommt als erster, um uns zu besuchen

    Liebe Brüder und Schwestern!

    Liebe Brüder und Schwestern!

    Am heutigen vierten Adventssonntag, der kurz vor dem Geburtsfest des Herrn liegt, berichtet das Evangelium über den Besuch Marias bei ihrer Verwandten Elisabet. Diese Episode bedeutet nicht nur eine einfache Höflichkeitsgeste, sondern stellt auch mit großer Schlichtheit die Begegnung von Altem und Neuem Testament dar. Die beiden Frauen, die beide guter Hoffnung sind, verkörpern die Erwartung und den Erwarteten. Die ältere Elisabet symbolisiert Israel, das den Messias erwartet, während die junge Maria die Erfüllung dieser Erwartung in sich trägt, zum Wohl der ganzen Menschheit. In beiden Frauen begegnen und erkennen einander vor allem die Früchte ihres Leibes: Johannes und Christus.

    Der christliche Dichter Prudentius kommentiert: „Das Kind in dem betagten Leib grüßt durch den Mund seiner Mutter den Herrn, den Sohn der Jungfrau“ (Apotheosis, 590: PL 59, 970). Das freudige Hüpfen Johannes im Leib Elisabets ist Zeichen für die Erfüllung der Erwartung: Gott wird zu seinem Volk kommen. Bei der Verkündigung hatte der Erzengel Gabriel zu Maria über die Schwangerschaft Elisabets gesprochen (vgl. Lk 1, 36), als Beweis der Macht Gottes: die Unfruchtbarkeit hatte sich trotz des vorgerückten Alters in Fruchtbarkeit verwandelt.

    Als Elisabet Maria empfängt, erkennt sie, dass sich die Verheißung Gottes an die Menschheit erfüllt, und ruft aus: „Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?“ (Lk 1, 42–43). Der Ausdruck „gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen“ wird im Alten Testament auf Jaël (Ri 5, 24) und auf Judith (Jdt 13, 18) bezogen, zwei kriegerische Frauen, die sich dafür einsetzen, Israel zu retten. Nun hingegen ist er an Maria gerichtet, eine friedliche junge Frau, die den Erlöser der Welt hervorbringen wird. So erinnert auch die Tatsache, dass Johannes vor Freude hüpft (vgl. Lk 1, 44), an den Tanz Davids, als er den Einzug der Bundeslade nach Jerusalem begleitete (vgl. 1 Chr 15, 29). Die Lade, die die Gesetzestafeln, Manna und den Stab Aarons enthielt (vgl. Hebr 9, 4), war das Zeichen der Gegenwart Gottes in seinem Volk. Der noch ungeborene Johannes hüpft vor Freude vor Maria, der Lade des Neuen Bundes, die Jesus, den menschgewordenen Sohn Gottes, in ihrem Leib trägt.

    Die Szene des Besuchs bringt auch die Schönheit der Aufnahme zum Ausdruck: wo es gegenseitige Aufnahme und Zuhören gibt, wo einer dem anderen Raum gibt, da ist Gott und die Freude, die von Ihm ausgeht. Machen wir es Maria in der Weihnachtszeit nach, indem wir diejenigen besuchen, die in Schwierigkeiten sind, vor allem die Kranken, die Gefängnisinsassen, die alten Menschen und die Kinder. Und machen wir es Elisabet nach, die den Gast wie Gott selbst empfängt: ohne nach Ihm zu verlangen, werden wir den Herrn niemals erkennen, ohne Ihn zu erwarten, werden wir Ihm nicht begegnen, ohne Ihn zu suchen, werden wir Ihn nicht finden. Mit derselben Freude, mit der Maria zu Elisabet eilt (vgl. Lk 1, 39), wollen auch wir dem Herrn, der kommt, entgegengehen. Beten wir, dass alle Menschen Gott suchen mögen und entdecken, dass Gott selbst als erster kommt, uns zu besuchen. Maria, der Lade des Neuen und Ewigen Bundes, vertrauen wir unser Herz an, damit sie es würdig mache, das Kommen Gottes im Geheimnis seiner Geburt anzunehmen.

    Die Besucher aus dem deutschen Sprachraum begrüßte der Papst mit den Worten:

    Gerne heiße ich die Pilger und Gäste deutscher Sprache willkommen. „Der Herr ist nahe“, beten wir in diesen Tagen vor Weihnachten. Schon leuchtet der Glanz der Heiligen Nacht auf, und wir dürfen gewiss sein: Gott kommt in die Welt, er wird einer von uns, um uns Menschen Frieden und Heil zu bringen. Wie Maria wollen wir Gottes Wort und Willen gläubig annehmen, damit der Herr auch in uns und bei uns wohnen kann. Als Brüder und Schwestern Christi möchten wir unseren Mitmenschen seine Liebe und Gegenwart weiterschenken, besonders den Kranken, den Notleidenden und Bedürftigen. Allen wünsche ich ein frohes und gnadenreiches Weihnachtsfest.

    Übersetzung aus dem Italienischen

    von Claudia Reimüller