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    Gewalt gegen Christen wächst

    Rom (DT/Fides) Die lange Reihe kirchlicher Mitarbeiter, die gewaltsam ums Leben kamen, zeugt von einer außerordentlichen Zunahme der Gewalt in dieser Epoche der Menschheitsgeschichte. Dergleichen hat es in der Geschichte der Christenheit noch nicht gegeben: Heute findet nämlich offenbar eine weltweite Verfolgung statt.

    Verzweifelt: Angehörige der christlichen Minderheit Pakistans protestieren gegen die Ermordung eines christlichen Paares... Foto: dpa

    Rom (DT/Fides) Die lange Reihe kirchlicher Mitarbeiter, die gewaltsam ums Leben kamen, zeugt von einer außerordentlichen Zunahme der Gewalt in dieser Epoche der Menschheitsgeschichte. Dergleichen hat es in der Geschichte der Christenheit noch nicht gegeben: Heute findet nämlich offenbar eine weltweite Verfolgung statt.

    Die im Verlauf des vergangenen Jahres ermordeten Christen stammen aus vier Kontinenten. Amerika steht leider seit nunmehr sieben Jahren mit acht ermordeten kirchlichen Mitarbeitern an erster Stelle. Gefolgt von Asien mit sieben, Afrika mit fünf und schließlich Europa mit zwei in Spanien ermordeten Priestern.

    Diese Zahlen sind jedoch nur die Spitze des Eisbergs einer globalen Verfolgung von Christen, die, wie es bereits im Brief an Diognet heißt, alle lieben und von allen verfolgt werden. Terrororganisationen wie der „Islamische Staat“ und Boko Haram, aber auch die Diskriminierung in Ländern, in denen die Religion eine Staatsangelegenheit ist, machen das Dasein als Christ zu einer beschwerlichen und bisweilen heldenhaften Existenz, wo Christen Opfer von Attentaten und blutigen Anschlägen werden.

    Die Fides-Berichte über die Verfolgung sollen dieses Drama der Menschheit ans Tageslicht bringen, damit bei allen Menschen ein Bewusstsein für das notwendige Engagement für eine gerechtere und solidarische Welt entsteht, wie Pater Vito Del Prete, PIME, sagt.

    In den Jahren von 2000 bis 2015 wurden in aller Welt insgesamt 396 Pastoralarbeiter ermordet, unter denen sich fünf Bischöfe befanden. Wie aus Informationen, die dem Fidesdienst vorliegen, hervorgeht, wurden allein im Jahr 2015 insgesamt 22 Mitarbeiter der Kirche ermordet. So kamen 13 Priester, vier Ordensschwestern und fünf Laien gewaltsam ums Leben. Aufgeteilt nach Kontinenten entsteht folgendes Bild: In Amerika wurden acht kirchliche Mitarbeiter ermordet (sieben Priester, eine Ordensschwester). In Afrika kamen fünf Pastoralarbeiter auf gewaltsame Weise ums Leben (drei Priester, eine Ordensschwester, eine Laiin). In Asien wurden sieben Pastoralarbeiter ermordet (ein Priester, zwei Ordensschwestern, vier Laien) und in Europa zwei Priester.

    Wie bereits in den Jahren zuvor wurden auch im vergangenen Jahr viele der Opfer bei einem versuchten Raubüberfall oder bei Entführungen getötet oder in ihren Wohnungen von Verbrechern überfallen. Die Täter, oft im Kontext eines Verfalls moralischer Werte, wirtschaftlicher und kultureller Armut in vielen Ländern, gingen dabei mit brutaler Gewalt vor.

    Vor einem solchen Hintergrund legten in allen Teilen der Welt Priester, Ordensschwestern und Laien, die gewaltsam ums Leben kamen, in ihrem Alltag Zeugnis ab, indem sie Sakramente spendeten, Armen halfen, sich um Waisen kümmerten, Drogenabhängige betreuten, an Entwicklungsprojekten mitwirkten oder die Pforten ihrer Wohnungen für alle öffneten. Oft handelte es sich bei den Tätern um Personen, derer sie sich besonders angenommen hatten.

    Sorge bereitet auch das unbekannte Schicksal von kirchlichen Mitarbeitern, die entführt wurden oder vermisst werden. Betroffen sind hiervon zum Beispiel drei Augustinermönche, die im Oktober 2012 in der Demokratischen Republik Kongo entführt wurden. Auch der italienische Jesuitenpater Paolo Dall'Oglio, der 2013 in Syrien verschleppt wurde und weitere Priester werden seit langer Zeit vermisst.

    Die Agentur „Fides“ nimmt nicht mehr nur „Missionare ad gentes“ im engeren Sinne in diese Liste auf, sondern alle Pastoralarbeiter, die auf gewaltsame Weise ums Leben kamen. Deshalb vermeidet sie bewusst den Begriff „Märtyrer“. Vielmehr soll dessen Bedeutung im Sinne von „Zeugen“ gebraucht werden, um nicht eine Beurteilung vorwegzunehmen, die die Kirche diesbezüglich aussprechen wird. Hinzu kommt, dass die Informationen, die im Hinblick über ihr Leben und oft auch über den Umstand ihres Todes zur Verfügung stehen, in den meisten Fällen nicht vollständig sind.

    2015 wurde der Seligsprechungsprozess für den damaligen Bischof von La Rioja, Argentinien, Enrique Angelelli, von der katholischen Kirche eröffnet. Angelelli kam während der Militärdiktatur 1976 gewaltsam ums Leben – seine Mörder wurden erst 38 Jahre später verurteilt.

    Auch in Ruanda sollen die Eheleute Cyprien und Daphrose Rugamba zur Ehre der Altäre erhoben worden, deren Seligsprechungsprozesse in Kigali auf den Weg gebracht wurden. Am 7. April 1994, während des Genozids, waren sie in ihrer Wohnung getötet worden, wo sie rund einhundert minderjährige Waisen und verlassene Kinder aufgenommen hatten, die sie nicht alleine lassen wollten.

    Am 23. Mai 2015 wurde in San Salvador Erzbischof Oscar Arnulfo Romero Galdámez seliggesprochen, der am 24 März 1980 „in odium fidei“ ermordet wurde. „Erzbischof Romero wurde getötet, weil er die Armen liebte, nach dem Vorbild seines Meisters, Jesus von Nazareth. Ihnen hatte er seine prophetische Stimme geliehen und sein Leben gewidmet und dabei auf die bequeme Lösung derer verzichtet, die die Herde verlassen und fliehen“, schreibt die Bischofskonferenz von El Salvador in der Botschaft zur Seligsprechung.

    Als „Märtyrer des Glaubens und der Nächstenliebe und Zeugen der Hoffnung“ wurden auch diese drei Missionare in Peru von den Rebellen des „Sendero Luminoso“ ermordet, weil sie für die Werte des Evangeliums eintraten und sich auf die Seite der Armen stellten: die polnischen Franziskanerpatres Miguel Tomaszek und Zbigniew Strzalkowski und der italienische Fidei-donum Priester Alessandro Dordi. Am 5. Dezember wurden alle drei in Chimbote in Peru seliggesprochen.

    Auch Südafrika hat seit diesem Jahr seinen ersten Seligen: Benedict Daswa, Ehemann und Vater, leidenschaftlicher Lehrer und ehrenamtlicher Katechist. Er wurde am 13. September zu den Ehren der Altäre erhoben. Sein Glaube und seine Leidenschaft für die Wahrheit führten dazu, dass er sich dem Aberglauben widersetzte. Dieses mutige Zeugnis führte dazu, dass er 1990 ermordet wurde.

    Diese provisorische Liste kann all jene nicht berücksichtigen, von denen niemand jemals erfahren wird und deren Namen keiner kennt, die in allen Teilen der Welt Leid ertragen und ihren Glauben an Jesus Christus mit dem Leben bezahlen.

    Weitere Info unter www.fides.org