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    Gerhard Ludwig Müller im Portrait

    Kardinal Müller übt in der "Tagespost" scharfe Kritik an den Autoren des offenen Briefes. Sie wollten Reinhard Marx, als "Vorkämpfer und Durchboxer" ihrer "Lieblings-Agenda" beim "Missbrauchsgipfel" engagieren.

    Kardinal Gerhard Ludwig Müller
    Kardinal Gerhard Ludwig Müller in seinem Büro in Rom. Foto: Lena Klimkeit (dpa)

    Kardinal Gerhard Ludwig Müller ragt heraus. Nicht nur aufgrund seiner Körpergröße. Er ist ein weithin sichtbarer Leuchtturm für viele Katholiken in den gegenwärtigen Zeitläuften, die von Verwirrung und Unsicherheit bei den Gläubigen und von Uneindeutigkeit und Vielgesichtigkeit bei den Hirten der Kirche geprägt sind.

    Der ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation in Rom zögert nicht, seine Stimme zu erheben, wenn es aus seiner Sicht Grund zum Widerspruch gibt. Er kritisiert auch schon mal die Entwicklung der katholischen Kirche unter Papst Franziskus. Diesem unterstellt er, dass er von Leuten mit „Höflingsmentalität“ umgeben sei und bezeichnete sie als „Hofschranzen“.

    Kardinal Müller vertritt außerdem oftmals konträre Positionen zu Kardinal Marx, dem Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz. Ein Beispiel dafür ist die Diskussion um einen Zusammenhang von Homosexualität und sexuellem Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche. Hier sieht Müller im Gegensatz zu Marx einen klaren Zusammenhang:

    "Weit über 80 Prozent der Opfer sexuellen Missbrauchs Jugendlicher bis zu 18 Jahren waren junge Männer im pubertären oder nachpubertären Alter".

    Müller erklärte außerdem: "Wer sich nicht beherrschen kann, ist für das Priesteramt nicht geeignet. Schönreden nützt da nichts. Übrigens bin ich der Meinung, dass kein Mensch gottgewollt als Homosexueller geboren wird"

    Das Glaubensmanifest von Kardinal Gerhard Ludwig Müller

    Nun hat der Kurienkardinal ein Glaubensmanifest veröffentlicht, mit dem er diejenigen stärken will, deren Glaube durch die „Diktatur des Relativismus“ in Frage gestellt werde. Das Dokument wurde am Wochenende auf Deutsch, Englisch und Italienisch veröffentlicht. In dem Schreiben, das der „Tagespost“ vorliegt, schildert der Kardinal seine Sichtweise auf Glaubenswahrheiten zum dreifaltigen Gott, Jesus Christus und der Lehre der Kirche.

    Bekenntnis zur Dreifaltigkeit ist Inbegriff des Glaubens

    Der Inbegriff des Glaubens aller Christen finde sich im Bekenntnis zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit, schreibt Müller in dem vierseitigen Dokument. „Wir sind durch die Taufe auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes Jünger Jesu, Kinder und Freunde Gottes geworden.“

    Die Verschiedenheit der drei Personen in der göttlichen Einheit markiere im Hinblick auf andere Religionen einen fundamentalen Unterschied im Gottesglauben und im Menschenbild. Jesus Christus, so Müller, habe die Kirche als sichtbares Zeichen und Werkzeug des Heils gegründet, die in der katholischen Kirche verwirklicht sei. Müller schreibt:

     „Christus, das Haupt, und die Gläubigen als Glieder des Leibes sind eine mystische Person, weshalb die Kirche heilig ist, denn der einzige Mittler hat ihr sichtbares Gefüge verfasst und erhält sie unablässig“

     Durch sie werde das Erlösungswerk Christi in Zeit und Raum gegenwärtig in der Feier der heiligen Sakramente, „vor allem im eucharistischen Opfer, der heiligen Messe“.

    Sakramentale Ehe von wiederverheirateten Geschiedenen besteht vor Gott weiter

    Der Kurienkardinal äußert sich in seinem Manifest auch zum Verständnis der heiligen Kommunion. Dabei widerspricht er einem Großteil der Interpretationen des von Papst Franziskus 2016 veröffentlichten Lehrschreibens „Amoris laetitia“, wie sie auch in deutschen Diözesen eingeführt wurden:

    „Von der inneren Logik des Sakramentes versteht sich, dass standesamtlich wiederverheiratet Geschiedene, deren sakramentale Ehe vor Gott besteht, nicht voll mit dem katholischen Glauben und der Kirche verbundene Christen, wie alle, die nicht entsprechend disponiert sind, die heilige Eucharistie nicht fruchtbar empfangen, weil sie ihnen nicht zum Heil gereicht.“

    Darauf hinzuweisen entspreche „den geistigen Werken der Barmherzigkeit“, so Kardinal Müller, der auch in seiner Rolle als Präfekt der Glaubenskongregation stets betonte, dass „Amoris laetitia“ „im Licht der Tradition“ interpretiert werden müsse.

    Keine Priesterweihe für Frauen

    Auch auf das Verständnis der Kirche zur Rolle des Priesters geht Müller in seinem Schreiben ein. Eine Priesterweihe von Frauen schließt er dabei aus. Darin eine Diskriminierung der Frau zu sehen, sei jedoch nur Beleg für „das Unverständnis für dieses Sakrament, bei dem es nicht um irdische Macht geht, sondern um die Repräsentation Christi“.

    Viele Bischöfe, Priester, Ordensleute und Laien hätten ihn darum gebeten, so Müller, ein „öffentliches Zeugnis für die Wahrheit der Offenbarung“ abzulegen, da sich Verwirrung in der Lehre des Glaubens ausbreite. Vielen Christen seien selbst die grundlegenden Lehren des Glaubens nicht mehr bekannt.

    Mehr Hintergründe zu Kardinal Müller und aktuellen katholischen Themen finden Sie in der Wochenausgabe der Tagespost. Kostenlos erhalten Sie die Zeitung hier.

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