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    Gemeinsames Gebet mit dem Oberrabbiner Roms

    Rom (DT) Als „eine äußerst schwere Beleidigung Gottes“ und „verabscheuungswürdigste Folge des Krieges“ hat Benedikt XVI. die Erschießung von 335 italienischen Geiseln durch die Nazis während der deutschen Besetzung Roms bezeichnet. Am Sonntagvormittag, noch vor dem Gebet des „Engel des Herrn“ mit den Gläubigen auf dem Petersplatz, war der Papst zu einem privaten Besuch der Gedenkstätte an den „Fosse Ardeatine“, den Ardeatinischen Höhlen, aufgebrochen. Hier, im Südosten der Stadt, gedachte die Vereinigung der Angehörigen am 67. Jahrestag der Opfer der Massenhinrichtung. Auch der Oberrabbiner von Rom, Riccardo di Segni, war gekommen, 76 der Erschossenen waren Juden gewesen. Papst Benedikt legte am Denkmal für die Getöteten Blumen nieder und betrat dann die Gedenkstätte mit den 335 Steinsarkophagen. In seiner Begleitung Kardinal Andrea Cordero Lanza di Montezemolo, dessen Vater, Oberst Giuseppe Cordero Lanza di Montezemolo von der Widerstandsgruppe „Centro X“, zu den Hingerichteten gehörte. Der Kardinal, langjähriger Vatikandiplomat, war zuletzt bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand Erzpriester der Basilika Sankt Paul vor den Mauern und gilt als Initiator des Paulus-Jahrs und der Öffnung des Sarkophags des Völkerapostels.

    Rom (DT) Als „eine äußerst schwere Beleidigung Gottes“ und „verabscheuungswürdigste Folge des Krieges“ hat Benedikt XVI. die Erschießung von 335 italienischen Geiseln durch die Nazis während der deutschen Besetzung Roms bezeichnet. Am Sonntagvormittag, noch vor dem Gebet des „Engel des Herrn“ mit den Gläubigen auf dem Petersplatz, war der Papst zu einem privaten Besuch der Gedenkstätte an den „Fosse Ardeatine“, den Ardeatinischen Höhlen, aufgebrochen. Hier, im Südosten der Stadt, gedachte die Vereinigung der Angehörigen am 67. Jahrestag der Opfer der Massenhinrichtung. Auch der Oberrabbiner von Rom, Riccardo di Segni, war gekommen, 76 der Erschossenen waren Juden gewesen. Papst Benedikt legte am Denkmal für die Getöteten Blumen nieder und betrat dann die Gedenkstätte mit den 335 Steinsarkophagen. In seiner Begleitung Kardinal Andrea Cordero Lanza di Montezemolo, dessen Vater, Oberst Giuseppe Cordero Lanza di Montezemolo von der Widerstandsgruppe „Centro X“, zu den Hingerichteten gehörte. Der Kardinal, langjähriger Vatikandiplomat, war zuletzt bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand Erzpriester der Basilika Sankt Paul vor den Mauern und gilt als Initiator des Paulus-Jahrs und der Öffnung des Sarkophags des Völkerapostels.

    Tief bewegt kniete Benedikt XVI. vor den 335 Sarkophagen. Die Erschießung der Geiseln war die Antwort auf einen Partisanenüberfall im Zentrum Roms gewesen, bei dem 33 Mitglieder eines Bozener Polizeiregiments ums Leben kamen. Für jeden von ihnen erschossen die Deutschen zehn italienische Geiseln. „Non timebo quia Tu mecum es“, schrieb Papst Benedikt später ins Goldene Buch der Gedenkstätte. „Ich fürchte kein Unheil, denn du bist bei mir“, zitierte er dabei aus Psalm 23, den er zuvor mit Oberrabbiner Di Segnis an den Gräbern gebetet hatte.

    In einer kurzen Ansprache sagte der Papst dann wieder im Freien, er sei gekommen, um Gottes Erbarmen zu bitten, denn nur die göttliche Barmherzigkeit könne die Herzen derer füllen, die von der schrecklichen Tat betroffen seien. Die Geschehnisse des 24. März 1944 seien eine äußerst schwere Beleidigung Gottes gewesen seien, „da es sich um die absichtliche Gewalt von Menschen gegen Menschen gehandelt hat“.

    Ein in den „Fosse Ardeatine“ aufgefundenes Zeugnis habe ihn besonders beeindruckt, meinte der Papst weiter. Dabei handle es sich um ein Blatt Papier, auf dem geschrieben stand: „Gott, mein großer Vater, wir beten zu dir, damit du die Juden vor den barbarischen Verfolgungen schützen mögest. Ein Pater noster, zehn Ave Maria, ein Gloria Patri.“ Papst Benedikt hob hervor, wie wichtig es sei, dass in einem derart schrecklichen Augenblick Gott als „unser Vater“ angerufen worden sei, wie dies auch Jesus getan habe: „In jenem Namen: ,Vater‘ liegt die sichere Gewährleistung der Hoffnung.“ Es sei notwendig, sagte er abschließend, „Ja zum Guten und Nein zum Bösen zu sagen. Es ist notwendig, an den Gott der Liebe und des Lebens zu glauben und jedes falsche göttliche Abbild zu verwerfen, das seinen heiligen Namen und folglich den Menschen verrät, der nach seinem Bild und Gleichnis geschaffen ist.“ An einem solch traurigen Ort des Gedenkens „kann die wahrhaftigste Antwort nur lauten, dass man sich gegenseitig die Hände nimmt, wie Geschwister, und sagt: Vater unser, wir glauben an Dich, und mit der Kraft Deiner Liebe wollen wir gemeinsam in Frieden, in Rom, in Italien, in Europa, auf der Welt, unseren Weg gehen.“ Es war der dritte Besuch eines Papstes an den „Fosse Ardeatine“. 1965 war Paul VI. zu der Gedenkstätte gekommen, 1982 Johannes Paul II.