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    Gemeinsam glaubt man leichter

    Regensburg (DT) Leuchtende Augen, erhitzte Gesichter und verschwitzte Köpfe haben die vielen Kinder, die durch den großen Saal des Kolpinghauses in Regensburg stürmen. Während die Erwachsenen soeben noch den Schluss eines Vortrags hören, kommen die Kleinen von der Kinderbetreuung zurück. Es ist der zweite Tag der nationalen Jugend- und Familienbegegnung des Regnum Christi.

    Regensburg (DT) Leuchtende Augen, erhitzte Gesichter und verschwitzte Köpfe haben die vielen Kinder, die durch den großen Saal des Kolpinghauses in Regensburg stürmen. Während die Erwachsenen soeben noch den Schluss eines Vortrags hören, kommen die Kleinen von der Kinderbetreuung zurück. Es ist der zweite Tag der nationalen Jugend- und Familienbegegnung des Regnum Christi.

    MOVE ist ein Treffen für katholische Familien und Jugendliche in Deutschland. Organisiert von der katholischen Apostolatsbewegung Regnum Christi kamen unter dem Leitsatz „Freut Euch im Herrn zu jeder Zeit!“ (Phil 4, 4) Mitte Juni gut siebenhundert Teilnehmer in Regensburg zusammen. Die seit 2002 jedes Jahr in Deutschland stattfindende Veranstaltung richtet sich an alle interessierten Katholiken. Sie ist keine „geschlossene Gesellschaft“ des Regnum Christi. Das soll auch der gewählte Name MOVE ausdrücken.

    Wie der Oberbürgermeister der Stadt, Hans Schaidinger hieß auch der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller die Teilnehmer in einem Grußwort willkommen und drückte darin seinen Dank dafür aus, dass das Regnum Christi ein lebendiges Zeugnis für die christliche Familie in Gegenwart und Zukunft darstelle. Die Veranstalter selbst luden zu vielen interessanten Gesprächen, Vorträgen, Begegnungen, sowie zu einer intensiven Glaubenserfahrung ein. Das Programm für alle Altersgruppen beinhaltete Begegnungen, Nachtanbetung, Spielwiese für Kinder, Pastoralprojekte vor Ort, Gespräche und Austausch, bunter Familienabend, Glaubens- und Lebenszeugnisse sowie Präsentationen und Vorstellungen von Werken der Evangelisierung. Zu den Referenten gehörten unter anderem der Generalvikar der Diözese Regensburg, Michael Fuchs, der Territorialdirektor der Legionäre Christi und des Regnum Christi, Pater Sylvester Heereman LC, Hubertus Deßloch und verschiedene ehrenamtlich Engagierte. Mit auf dem Programm stand außerdem ein Konzert der katholischen Jugendband „Cardiac Move“.

    „Ziel der Veranstaltung ist es, als Christen einander Mut zu machen und sich gegenseitig zu stärken, sodass alle voller Hoffnung und gestärkt wieder zurück in den Alltag kehren“, erklärt Christine Reimer. Reimer, für die Organisation zuständig, erzählt von den Vorbereitungen, die fast ein Jahr gedauert hätten. Das Organisationsteam selbst bestand aus Freiwilligen. „Nur durch ihr großzügiges Miteinander und durch das Opfer so vieler konnte die Veranstaltung in dem Maße gelingen“, erzählt Reimer dankbar und ist überzeugt: „Gott hat uns diese Tage überreich beschenkt“. Einer der Höhepunkte während der viertägigen Veranstaltung war die Live-Modenschau unter dem Titel „Looking good inside and out“. Auf dem Laufsteg präsentierten 25 Mädchen im Alter von zwölf bis sechzehn Jahren Mode, die im normalen Stil, aber doch dezent, würdevoll und attraktiv sein sollte. Ganz bewusst hatten sich die Mädchen Kleidung aus der aktuellen Mode gesucht, die dem Image der zeitgemäßen Schönheit und doch auch dem Ideal der Reinheit entsprechen sollte. Als die Mädchen mit Dirndlkleidern aus eigenem Fundus auf den Laufsteg traten, ernteten sie besonderen Beifall. Auch die selbstgemachten T-Shirts mit eigenem Logo begeisterten die Zuschauer, die im überfüllten Saal des Kolpinghauses im Takt der Musik klatschten. Die Teilnehmerinnen hatten sich während der vergangenen acht Monate an fünf Wochenenden darauf vorbereitet. Jedes Wochenend-Seminar stand unter einem anderen Thema und sollte den Mädchen zeigen, dass wahre Schönheit von einer reifen, stimmigen Persönlichkeit kommt. In diesem Zusammenhang lernten die Teilnehmerinnen vieles über Rhetorik, den Umgang mit Konflikten, Verlässlichkeit und Höflichkeit, aber auch über Mode, Kosmetik und Typberatung. „Die Idee ist, zu zeigen, dass äußere Schönheit auch durch innere zum Ausdruck kommt. Man kann nur ausstrahlen, was man selber lebt“, beschreibt die für die Modenschau verantwortliche Studentin Franziska Schuster.

    Die Podiumsdiskussion am Samstagnachmittag lockte ebenfalls viele Interessierte in den großen Saal. Generalvikar Michael Fuchs gab Antworten auf die Fragen unserer Zeit und nannte als Hoffnungsquellen vier wesentliche Aspekte: Zum einen sei das Beten in Gemeinschaft und zum anderen das Lesen geistlicher Texte von Bedeutung. Auch der Heilige Vater, der uns Vorbild sei und durch den der Heilige Geist wirke, sei solch eine Hoffnungsquelle. Zuletzt betonte der Generalvikar, die neuen Medien der Kommunikation geben Anlass zur Hoffnung. Durch sie würden die Frohbotschaft weitergetragen und Menschen direkt informiert. Auch Mitglieder des Regnum Christi sprachen zu diesem Thema, indem sie ihre verschiedenen Apostolate in der Bewegung vorstellten: Ehe & Familie, Exerzitien, NET (das für eine Initiative des Regnum Christi steht, die Kinder im Grundschulalter und darüber hinaus evangelisieren möchte), Vater & Sohn.

    Einer der geistlichen Höhepunkte der Veranstaltung war die Diakonweihe von vier Legionären Christi. Der Regensburger Weihbischof Reinhard Pappenberger stand der Zeremonie am Samstag in der Regensburger Basilika St. Emmeram vor. In seiner Predigt im vollbesetzen Gotteshaus wandte sich der Weihbischof besonders an die Weihekandidaten, indem er sie aufforderte, Männer des Gebetes und Boten der Hoffnung zu sein. Dabei legte er ihnen nahe, stets ein Auge für die Notleidenden zu haben und Christus immer besser zu erkennen, zu verstehen und zu begreifen. Als Diakone würden sie nun zu einem lebendigen Abbild Christi, des Dieners. Sie müssten fest im Glauben stehen und offen für die Menschen sein.

    MOVE stand bewusst im Zeichen des 2008 von Papst Benedikt XVI. ausgerufenen Paulusjahrs. Zum Abschluss der Veranstaltung präsentieren die Kinder des NET-Programms daher eine Theateraufführung unter dem Titel „Die Missionsreisen des heiligen Paulus“. Die Kinder im Alter von fünf bis vierzehn Jahren waren in den Tagen zuvor von Müttern auf ihre Rollen vorbereitet worden. Auf den Lebensspuren des heiligen Paulus über Philippi, Athen und Malta nach Rom wandelnd, hatten die Kinder in diesen Tagen gelernt, wie Paulus Christus begegnete, wie er den Glauben dann an andere weitergab, Ungläubige bekehrte und Mission betrieb. Die Umsetzung im Theaterspiel war ein voller Erfolg. Kostüme, Bühnenbilder und die Effekte waren mit einfachen Mitteln selbst gestaltet worden und begeisterten das Publikum.

    Den Abschlussvortrag hielt Pater Sylvester Heereman LC, der über die christliche Freude als Geschenk und Mission referierte. Er erklärte, woher wahre Freude komme, wie man sie erreiche und dass es der Glaube sei, der Gründe zu ewiger Hoffnung gebe. Abschließend dankte er in einer offenen Ansprache allen, „die in den schwierigen letzten Monaten zu der Gemeinschaft gestanden haben. Sie haben uns, die wir uns in diesem kirchlichen Charisma dem Herrn geweiht haben, dadurch den Rücken gestärkt“. Der Geist, mit dem die Gemeinschaft getragen wurde und mit dem die durchaus betroffenen Mitglieder die Zeit durchlebt haben, hat gestimmt: Liebe zu Jesus Christus, gemeinsames Gebet, feste Verbundenheit zum Heiligen Stuhl, Vertrauen in das von der Kirche anerkannte Charisma, Glauben an die barmherzige Liebe Gottes, und ein großes Herz halfen, diese Zeit gemeinsam durchzustehen.

    Nach dem feierlichen Abschlussgottesdienst klang die Jugend- und Familienbegegnung mit dem fröhlichen Widerhall der Stimmen aus, die riefen: „Bis zur MOVE 2010 in Düsseldorf!“

    Von Marie-Bernadette Weimann