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    Gelbe Karte aus dem Vatikan

    Vatikanstadt (DT/KNA) Der Vatikan hat in einem Lehrprüfungsverfahren moraltheologische Positionen der nordamerikanischen Ordensfrau Margaret Farley gerügt. Etliche Aussagen der in Yale lehrenden Professorin für Christliche Ethik stünden in Widerspruch zur katholischen Lehre, teilte die Glaubenskongregation in einer „Notifikation“ vom Montag mit. Strittig sind vor allem Aussagen zu Homosexualität, Ehe, Scheidung, Wiederverheiratung oder Masturbation.

    Vatikanstadt (DT/KNA) Der Vatikan hat in einem Lehrprüfungsverfahren moraltheologische Positionen der nordamerikanischen Ordensfrau Margaret Farley gerügt. Etliche Aussagen der in Yale lehrenden Professorin für Christliche Ethik stünden in Widerspruch zur katholischen Lehre, teilte die Glaubenskongregation in einer „Notifikation“ vom Montag mit. Strittig sind vor allem Aussagen zu Homosexualität, Ehe, Scheidung, Wiederverheiratung oder Masturbation.

    Gegenstand des Verfahrens war Farleys Buch „Just Love. A Framework for Christian Sexual Ethics“. Es hatte bald nach seinem Erscheinen 2006 in den Vereinigten Staaten eine breite Diskussion ausgelöst und die Glaubenskongregation auf den Plan gerufen. Der Vatikan bat gemäß den seit 1997 geltenden Überprüfungsnormen die Autorin über ihre Ordensoberin der Gemeinschaft „Religious Sisters of Mercy“ um eine Klarstellung. Da diese aus vatikanischer Sicht nicht zufriedenstellend ausfiel und das Buch „unter den Gläubigen Verwirrung stiftete“, leitete Rom das „Dringliche Lehrprüfungsverfahren“ ein. Da Farley beanstandete Aussagen nicht korrigierte, folgte nun die Notifikation. Die Notifikation bedeutet keine Verurteilung der Theologin, die als erste Frau an die Yale Divinity School berufen wurde und mehrere Jahre der Catholic Theological Society of America vorstand. Allerdings erklärt der Vatikan, dass das betreffende Buch „weder in der Beratung und Ausbildung noch im ökumenischen und interreligiösen Dialog als zulässige Darlegung der katholischen Lehre“ verwendet werden kann. Die fünfseitige Erklärung listet einzelne Aussagen Farleys auf und bewertet sie. So etwa ihre Meinung, „dass gleichgeschlechtliche Beziehungen und Handlungen aufgrund derselben Sexualethik wie heterosexuelle Beziehungen und Handlungen gerechtfertigt sein können“.

    Die Theologin folgerte daraus: „Deshalb können und sollen gleichgeschlechtlich orientierte Personen und deren Handlungen respektiert werden, ob sie die Wahl haben, anders zu sein, oder nicht.“ Dies, so der Vatikan, sei „nicht annehmbar“. Wenngleich man Personen mit homosexuellen Tendenzen „mit Achtung, Mitgefühl und Takt“ begegnen müsse und sie in keiner Weise „ungerecht zurücksetzen“ dürfe, seien homosexuelle Handlungen „in sich nicht in Ordnung“.

    Nach dem gleichen Muster werden die Aussagen Farleys zur gesellschaftlichen Anerkennung der gleichgeschlechtlichen Ehe, zur Ehescheidung und zu wiederverheirateten Geschiedenen behandelt. Kernkritik des Vatikan: Die Autorin zeige „kein richtiges Verständnis von der Rolle des Lehramtes der Kirche“. In der Erörterung verschiedener moralischen Frage ignoriere sie die Äußerungen des Lehramtes oder behandele sie wie eine Meinung unter anderen. Zudem bekunde sie ein unzulängliches Verständnis für den „objektiven Charakter“ des natürlichen Sittengesetzes.