• aktualisiert:

    Geburt für den Himmel

    Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

    Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

    Nachdem wir die Geburt Jesu gefeiert haben, feiern wir heute die Geburt für den Himmel des heiligen Stephanus, des ersten Märtyrers. Auch wenn es auf den ersten Blick so aussehen könnte, als bestehe zwischen diesen beiden Gedenktagen kein Zusammenhang, gibt es hier eine Verbindung und zwar eine sehr starke.

    Gestern haben wir in der Weihnachtsliturgie die Verkündigung gehört: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“ (Johannes 1, 14). Der heilige Stephanus hat die Obrigkeiten seines Volkes in Schwierigkeiten gebracht, weil er „erfüllt vom Glauben und vom Heiligen Geist“ (Apostelgeschichte 6, 5) fest glaubte und die neue Gegenwart Gottes unter den Menschen verkündigte; er wusste, dass der wahre Tempel Gottes nunmehr Jesus ist, das Ewige Wort, das gekommen ist, um unter uns zu wohnen, in allem uns gleich, außer in der Sünde. Doch Stephanus wird beschuldigt, die Zerstörung des Tempels von Jerusalem zu predigen. Die Anklage, die sie gegen ihn richten, lautet, dass er behauptet hat: „Dieser Jesus, der Nazoräer, wird diesen Ort zerstören und die Bräuche ändern, die uns Mose überliefert hat“ (Apostelgeschichte 6, 14).

    In der Tat ist die Botschaft Jesu unbequem und stört uns, weil sie die weltliche und religiöse Macht herausfordert und die Gewissen aufrüttelt. Nach Seinem Kommen ist es notwendig, sich zu bekehren, seine Einstellung zu verändern, davon abzulassen, so zu denken, wie vorher, man muss sich ändern, sich bekehren. Stephanus hat bis zu seinem Tod an der Botschaft Jesu festgehalten. Seine letzten Gebete: „Herr Jesus, nimm meinen Geist auf!“ und „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an!“ (Apostelgeschichte 7, 59–60) sind der treue Widerhall jener Gebete, die Jesus am Kreuz gesprochen hat: „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist“ (Lukas 23, 46) und „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ (V. 34). Jene Worte des Stephanus waren nur möglich, weil der Sohn Gottes auf die Erde gekommen und für uns gestorben und auferstanden ist; vor diesen Ereignissen waren dies menschlich undenkbare Worte.

    Stephanus bittet Jesus, seinen Geist aufzunehmen. Denn der auferstandene Jesus ist der Herr und der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen, nicht nur in der Stunde unseres Todes, sondern auch in jedem Moment des Lebens: ohne Ihn vermögen wir nichts zu vollbringen (vgl. Johannes 15, 5). Daher können auch wir vor dem Jesuskind in der Krippe beten: „Herr Jesus, wir vertrauen dir unseren Geist an, nimm ihn auf“, damit unser Dasein wirklich ein gutes, dem Evangelium entsprechendes Leben ist.

    „Jesus ist unser Mittler, der jeden Konflikt und jeden Groll aus dem Weg räumt“

    Jesus ist unser Mittler und versöhnt uns nicht nur mit dem Vater, sondern auch untereinander. Er ist die Quelle der Liebe, die uns für die Gemeinschaft mit den Brüdern und Schwestern öffnet, die uns dazu führt, dass wir einander lieben und dass wir jeden Konflikt und jeden Groll aus dem Weg räumen. Wir wissen, dass Ressentiments etwas Schlimmes sind, sie verletzen andere und sie verletzen uns! Und Jesus räumt das alles aus dem Weg und sorgt dafür, dass wir uns lieben. Das ist das Wunder Jesu. Bitten wir Jesus, der für uns geboren wurde, uns zu helfen, diese zweifache Haltung des Vertrauens auf den Vater und der Liebe für den Nächsten einzunehmen; dies ist eine Haltung, die das Leben verwandelt und es schöner, es fruchtbarer macht.

    Zu Maria, der Mutter des Erlösers und Königin der Märtyrer, erheben wir voller Vertrauen unser Gebet, auf dass sie uns beistehe, Jesus als den Herrn unseres Lebens anzunehmen und seine mutigen Zeugen zu werden, bereit, persönlich den Preis der Treue zum Evangelium zu zahlen.

    Übersetzung aus dem Italienischen

    von Claudia Reimüller

    Weitere Artikel