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    Fürsten wie du und ich

    Wer sich mit neuen spirituellen Bewegungen auseinandersetzt, stellt bald fest, dass sie in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert traditionsverbunden sind. Die neoduridischen Gruppen in Europa beispielsweise haben ihre Wurzeln in Großbritannien. Sie legen ihren Anhängern nahe, sich auf ihre kulturellen Wurzeln zu besinnen. Zu lernen, wie ihre Vorfahren gelebt haben gehört dazu und, man lese und staune, welche Heiligen sie verehrt haben. Die Vorfahren zu ehren, kann man in Großbritannien in Kursen lernen. Dort wird einem dann, je nachdem welcher Religion man angehört, beigebracht, eine Beziehung zu denjenigen aufzubauen und lebendig zu halten, die vor einem den Weg des je eigenen Glaubens gegangen sind.

    Im Leben waren sie zwar nicht immer ein Herz und eine Seele, dennoch der Glaube schweißte Petrus und Paulus – hier eine ... Foto: KNA

    Wer sich mit neuen spirituellen Bewegungen auseinandersetzt, stellt bald fest, dass sie in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert traditionsverbunden sind. Die neoduridischen Gruppen in Europa beispielsweise haben ihre Wurzeln in Großbritannien. Sie legen ihren Anhängern nahe, sich auf ihre kulturellen Wurzeln zu besinnen. Zu lernen, wie ihre Vorfahren gelebt haben gehört dazu und, man lese und staune, welche Heiligen sie verehrt haben. Die Vorfahren zu ehren, kann man in Großbritannien in Kursen lernen. Dort wird einem dann, je nachdem welcher Religion man angehört, beigebracht, eine Beziehung zu denjenigen aufzubauen und lebendig zu halten, die vor einem den Weg des je eigenen Glaubens gegangen sind.

    Bemerkenswert ist das vor allem vor dem Hintergrund, dass Kinder heute im Religionsunterricht nur in gelegentlichen Randbemerkungen mit dem Leben der Heiligen in Kontakt kommen. Stattdessen lernen sie alles über die Gefahren von Drogenkonsum – gewiss wichtig, aber was hat das mit dem Glauben zu tun? – oder von Beziehungspflege. Wollen sie die aber den Heiligen gegenüber entfalten, müssen sie schon zu den Heiden gehen, um die entsprechenden Kurse zu belegen. Nicht wenige Religionslehrer sähen ihre Schüler komisch an, wenn sie wissen wollten, wie man eine intensive Heiligenverehrung pflegt.

    Reinhard Abelns Buch ist geeignet, diesen Trend umzukehren. Er informiert in dem kleinen, gut lesbaren und klar gegliederten Band in einfacher Sprache über das Leben der Apostel Petrus und Paulus, berichtet von den Legenden, die in farbenreicher Sprache ihr Wirken lebendig halten und die verschiedenen Formen der Verehrung, mit denen unsere Vorfahren im Glauben über die Jahrhunderte ihre Beziehung zu Petrus und Paulus pflegten.

    Abelns Buch basiert auf der Bibel und paraphrasiert alle wesentlichen Texte über die beiden Apostelfürsten. Das hilft Lesern, die keine regelmäßige Bibellektüre pflegen und denen diese Texte und die lebendigen Geschichten folglich unbekannt sind. Hier aber finden sie einen niederschwelligen Zugang und haben alle Informationen auf einen Blick. Der versierte Autor spiritueller Bücher zeigt dem Leser Petrus und Paulus als Fürsten wie Du und ich. Er macht deutlich, wie verschieden die beiden Apostel als Persönlichkeiten waren.

    Petrus, der temperamentvolle junge Mann mit familiären Verpflichtungen, auf der sozialen Leiter ganz unten angesiedelt bei den Armen, die ihren Lebensunterhalt täglich mühsam mit Fischen verdienen mussten und der im Haus seiner Schwiegereltern lebt. Ein Mann des Wortes? Kaum, eher ein Mann der Tat, auch der unbedachten, wenn er im Zorn und um seinen Herrn Jesus Christus zu verteidigen, dem Diener Malchus ein Ohr abschlägt.

    Paulus, aus einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie stammend, zum Studium nach Jerusalem geschickt, zu den Besten der Besten, intellektuell brillant, engagiert und ganz klar ein Meister des Wortes – ein größerer Gegensatz als der zwischen Petrus und Paulus ist kaum denkbar. Gerade deshalb sind sie zu Symbolfiguren unserer Kirche geworden. Sie zeigen uns: Wir brauchen beide, den zupackenden Praktiker und den nachdenkenden Theoretiker. Denjenigen, der spontan losgeht und denjenigen, der in den Gläubigen mit seinen zündenden Worten das Feuer der Liebe zu Gott und Jesus Christus entfacht.

    Das Gute an dieser Gegensätzlichkeit ist: Sie zeigt deutlich, dass jeder in der Kirche willkommen und notwendig ist. Alle Gaben können und sollen zum Wohle des sich in der Geschichte entfaltenden Leibes Christi eingebracht werden. Konflikte sind dabei vorprogrammiert. Auch das lehren die Biografien und Petrus und Paulus. Notwendigen Auseinandersetzungen darf man nicht aus dem Weg gehen. Was wäre beispielsweise geschehen, wenn Paulus nachgegeben hätte, als Petrus sich ins Unrecht gesetzt und den zwanglosen Umgang mit den Heidenchristen eingestellt hatte, so, als ob das Gesetz des neuen Leben in Christus plötzlich nicht mehr gelten würde? Die Ausbreitung des Glaubens wäre zumindest verlangsamt worden, die Christen vielleicht eine kleine jüdische Sekte im großen Römischen Reich geblieben. Auf der anderen Seite war es Petrus, der sich durchgesetzt hatte, als jene Kräfte, die auf der kompletten Einhaltung des jüdischen Gesetzes hatten beharren wollen, die Oberhand zu gewinnen drohten und die Tore weit aufgemacht hatte, um Paulus und anderen zu ermöglichen, das Evangelium von Jesus Christus wirklich allen Völkern zu verkündigen. Fazit: Lesen Sie dieses Buch und erzählen Sie die gute Nachricht weiter.

    Reinhard Abeln: Petrus und Paulus. Die Apostelfürsten, Topos, Kevelar, 2015, 123 S, eiten, ISBN 978-3-8367-1008-4, EUR 8,95