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    Führen nach dem Bernhard-Prinzip

    Mag die Kirche auch in der Gesellschaft ihren einstigen Stellenwert verloren haben. Noch immer suchen gestresste Manager von Zeit zu Zeit Entspannung im Kloster, manche von ihnen lassen sich hinter den heiligen Mauern sogar in Sachen Führungskompetenz schulen. Davon weiß Johannes Eckert, seit 2003 Abt der Benediktinerabtei St. Bonifaz in München und Andechs, zu berichten. Schließlich bietet der 43-jährige Benediktinermönch nicht nur Managerseminare an, als Leiter eines florierenden Wirtschaftsunternehmens kennt er den Weg erfolgreichen und überzeugenden Handelns und Entscheidens aus eigener Erfahrung.

    Es muss nicht die kaiserliche Schulter sein. Doch als sich Bernhard von Clairvaux 1147 von Konrad III. tragen ließ (Fres... Foto: IN

    Mag die Kirche auch in der Gesellschaft ihren einstigen Stellenwert verloren haben. Noch immer suchen gestresste Manager von Zeit zu Zeit Entspannung im Kloster, manche von ihnen lassen sich hinter den heiligen Mauern sogar in Sachen Führungskompetenz schulen. Davon weiß Johannes Eckert, seit 2003 Abt der Benediktinerabtei St. Bonifaz in München und Andechs, zu berichten. Schließlich bietet der 43-jährige Benediktinermönch nicht nur Managerseminare an, als Leiter eines florierenden Wirtschaftsunternehmens kennt er den Weg erfolgreichen und überzeugenden Handelns und Entscheidens aus eigener Erfahrung.

    In seinem Buch „Die Kunst, sich richtig wichtig zu nehmen“ zeigt Eckert, dass die Kunst der reflektierten Entscheidung von jeder Führungsgestalt einen hohen Grad an Selbsterkenntnis voraussetzt. Nur „wer sich selbst kennt und versteht, kann Verantwortung für andere übernehmen“. Dies empfahl schon vor 800 Jahren der Klostergründer und Reformer Bernhard von Clairvaux dem damaligen Papst Eugen III. So überrascht es nicht, dass sich Eckert als Ratgeber auf den brillanten Diplomaten, Reformer und Klostergründer des 12. Jahrhunderts stützt. „Aufgrund des umfangreichen Anforderungsprofils steht Eugen III. in Gefahr, ganz und gar aufgerieben zu werden. Wie jede Führungspersönlichkeit in Topposition leidet auch der neue Papst unter dem immensen Verantwortungsdruck. Wenn er nicht besser auf sich selbst achtet, droht über kurz oder lang für ihn ein Burn-out. Das ist die Sorge seines Mentors Bernhard.“

    In seinem Buch hat Abt Johannes Eckert in fünf Abschnitten und aufgeteilt auf 52 Wochen die wichtigsten Themen für Führungskräfte von heute unter den zeitlosen Überschriften von Bernhard von Clairvaux versammelt, wie sie im Werk „De consideratione – Über die Erwägung“ zu finden sind. „Achte auf dich selbst – Wie trage ich Verantwortung für andere? Wem muss ich mich verantworten?“ Dabei gelingt es Eckert, die Weisheiten des großen Bernhard in verständlicher Weise auszudeuten. Etwa, wenn es darum geht, sich vom Herzen leiten zu lassen. „Wer sich (…) von Liebe nicht mehr erweichen oder von keiner Bitte innerlich berühren lässt, wie Bernhard treffend fortfährt, der handelt nur noch als Maschine, zum Beispiel in Anwendung von Recht und Gesetz. Bettelbriefe landen ungelesen im Papierkorb, Bittsteller werden von der Sekretärin abgefangen, Katastrophenmeldungen im Fernsehen lassen einen kalt, die Gehaltserhöhung des Mitarbeiters interessiert nicht mehr.“ Oder – wenn es um das richtige Verhältnis von Engagement und Erfolg geht: „Immer wieder musste Bernhard Rückschläge einstecken und sah sein umfangreiches Reformprojekt in Gefahr. Selbstredend konnte er als Abt von Clairvaux aufgrund seines unermüdlichen Engagements für die Reform der Kirche auch viele Erfolge verbuchen bis dahin, dass einer seiner Schüler Papst wurde. (…) Gott sei Dank erfahren wir auch, dass der stete Tropfen den Stein höhlt und so manches unermüdliche Engagement am Ende doch mit Erfolg gekrönt wird.“ So geht es also, das Leben und Führen nach dem Bernhard-Prinzip.

    Dabei ist es verblüffend, wie sehr sich die Zeiten Bernhards und unsere Zeit doch ähneln. Bei allen äußerlichen Unterschieden. „Bernhard lebte in einer Übergangszeit, die mit Umbrüchen, Veränderungen, Krisen und Reformbestrebungen in vielem unserer Zeit gleicht. (…) Einflussreiche Fürsten, Kirchenführer und Staatsoberhäupter befehdeten sich unaufhörlich. Die Christenheit war durch ein Schisma getrennt, da sich der römische Adel und das Kardinalskollegium nicht auf einen gemeinsamen Papstkandidaten einigen konnten.“ Gerade am Wochenende, so Abt Johannes Eckert, bietet sich für jeden interessierten Menschen, der mehr über sich selbst erfahren möchte, die Chance, den eigenen inneren Koordinaten freundlich und wahrhaft entgegenzutreten, um zu prüfen, wie Geist und Seele justiert sind. Er schlägt vor, „die beiden einleitenden Texte an diesen beiden Tagen erstmals zu lesen. Zur Vertiefung und Vergegenwärtigung kann selbstredend die Lektüre jeden Tag wiederholt werden. Je eine Impulsfrage dient dann zur täglichen Reflexion von Montag bis Samstag.“

    Am Ende des Jahres gipfelt alles in ein Gebet, das bestens zeigt, wie dynamisch Bernhard die Beziehung zu Gott auffasste. „Doch darin besteht das Wunderbare, dass niemand Dich suchen kann, der Dich nicht schon gefunden hat. Du willst also gefunden werden, damit man Dich sucht, und gesucht werden, damit man Dich findet.“

    Insgesamt: Ein lohnendes Buch, eine lohnende Rückbesinnung auf einen großen Heiligen. Ideal für jeden, der führt und Verantwortung trägt, und dabei den inneren Schutzraum eines mobilen Klosters für sinnvoll erachtet. Ein Buch für Manager innerhalb und außerhalb der Kirche.

    Johannes Eckert: Die Kunst, sich richtig wichtig zu nehmen. Führungskompetenz aus dem Kloster. Kösel-Verlag, München 2013, 182 Seiten,

    ISBN 978-3-466-37050-4, EUR 17,99