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    Fronleichnamsfest ist ein Geheimnis der Anziehung zu Christus und der Verwandlung in ihn

    Im Wortlaut die Ansprache des Heiligen Vaters beim Angelus am 3. Juni.

    Papst Franziskus. Foto: Alessandra Tarantino (AP)

    Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

    Heute wird in vielen Ländern, einschließlich Italiens, das Hochfest des Leibes und Blutes Christi begangen, beziehungsweise - nach dem bekannteren Ausdruck, der sich aus dem Mittelhochdeutschen herleitet - das Fronleichnamsfest. Das Evangelium überliefert uns die Worte, die Jesus beim letzten Abendmahl mit seinen Jüngern gesagt hat: „Nehmt, das ist mein Leib“ und dann „Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird“ (Mk 14,22.24). Gerade kraft dieses Vermächtnisses der Liebe versammelt sich die christliche Gemeinde jeden Sonntag und jeden Tag um die Eucharistie, das Sakrament des Erlösungsopfers Christi.  Angezogen von seiner realen Gegenwart beten die Christen ihn an und betrachten ihn durch das einfache Zeichen des Brotes, das sein Leib geworden ist.

    Jedes Mal, wenn wir die Eucharistie feiern, erfahren wir durch dieses so schlichte und gleichzeitig so feierliche Sakrament den Neuen Bund, der die Gemeinschaft zwischen Gott und uns in Fülle verwirklicht. Und als Teilhaber dieses Bundes können wir trotz unserer Kleinheit und Armut daran mitwirken, die Geschichte nach dem Willen Gottes aufzubauen. Daher verweist jede Eucharistiefeier, während sie einen öffentlichen Akt der Anbetung Gottes darstellt, auf das Leben und die konkreten Geschehnisse unseres Daseins. Während wir uns mit dem Leib und Blut Christi stärken, werden wir Ihm ähnlich und empfangen seine Liebe in uns, nicht, um sie eifersüchtig für uns zu behalten, sondern um sie mit den anderen Menschen zu teilen. Das ist die eucharistische Logik. In ihr betrachten wir Jesus, das Brot, das für unser Heil gebrochen und hingegeben, das Blut, das für unser Heil vergossen wurde. Dies ist eine Gegenwart, die wie ein Feuer die Haltung des Egoismus in uns verbrennt, uns von der Neigung reinigt, nur zu geben, wenn wir empfangen haben, und auch in uns das Verlangen entzündet, uns in Gemeinschaft mit Jesus zum Brot zu machen, das für die Geschwister gebrochen, und zum Blut, das für sie vergossen wird.

    Daher ist das Fronleichnamsfest ein Geheimnis der Anziehung zu Christus und der Verwandlung in ihn. Und es ist eine Schule konkreter, geduldiger und aufopferungsvoller Liebe, wie Jesus sie am Kreuz gezeigt hat. Er lehrt uns, denen, die nach Verständnis, Hilfe, Ermutigung suchen und ausgegrenzt und allein sind, freundlicher und mit größerer Bereitschaft zu begegnen. Die Gegenwart des lebendigen Jesus in der Eucharistie ist wie eine Tür, eine offene Tür zwischen dem Gotteshaus und der Straße, zwischen dem Glauben und der Geschichte, zwischen der Stadt Gottes und der Stadt des Menschen.

    Ausdruck der eucharistischen Frömmigkeit sind die Prozessionen mit dem Allerheiligsten, die am heutigen Festtag in zahlreichen Ländern stattfinden. Auch ich werde heute Abend – wie der selige Paul VI. vor fünfzig Jahren – in Ostia die Messe feiern, auf die die Prozession mit dem Allerheiligsten folgen wird. Ich lade alle ein - auch geistlich über das Radio und das Fernsehen - daran teilzunehmen. Möge die Gottesmutter uns am heutigen Tag begleiten.

    Nach dem Gebet des Angelus und vor den Grüßen an einzelne Gruppen auf dem Petersplatz sagte der Papst:

    Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

    Gestern ist in Neapel Schwester Maria Crocifissa del Divino Amore – mit bürgerlichem Namen Maria Gargani -, die Gründerin der „Suore Apostole del Sacro Cuore“ [Apostelinnen des Heiligen Herzens],  seliggesprochen worden. Als geistliche Tochter Pater Pios war sie eine echte Apostelin im schulischen Bereich und im Bereich der Gemeinde. Mögen ihr Vorbild und ihre Fürsprache ihre geistlichen Töchter und alle Erzieher stärken. Ein Applaus für die neue Selige, alle: wir alle wollen sie grüßen!

    Gemeinsam mit meinen Brüdern im Amt, den Bischöfen von Nicaragua, möchte ich meinen Schmerz über die schweren Gewalttaten zum Ausdruck bringen, die von bewaffneten Gruppen zur Unterdrückung sozialer Proteste ausgeführt wurden und Tote und Verletzte gefordert haben. Ich bete für die Opfer und für ihre Familienangehörigen. Die Kirche befürwortet immer den Dialog, doch dazu ist das tatkräftige Bemühen erforderlich, die Freiheit und vor allem das Leben zu achten. Ich bete, dass die Gewalt ein Ende finden möge und Bedingungen geschaffen werden, um so bald wie möglich den Dialog wieder aufzunehmen.

    Übersetzung aus dem Italienischen von Claudia Reimüller

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