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    Frankreich: Religionen lehnen Debatte ab

    Paris (DT/KNA) Die Religionsgemeinschaften in Frankreich lehnen gemeinsam die von der Regierungspartei UMP für Dienstag geplante Debatte über weltanschauliche Neutralität und die Rolle des Islam in Frankreich ab. In einer am Mittwoch in Paris veröffentlichten Erklärung stellen sie in Frage, dass eine Partei die richtige Instanz sei, um diese Diskussion zu führen. Aufgabe der politisch Verantwortlichen sei es vielmehr, Lösungen für das Gemeinwohl zu finden. Die in Frankreich unter dem Begriff „Laizität“ praktizierte Trennung von Religion und Staat sei ein Grundpfeiler der Republik, der nicht entwertet werden dürfe.

    Paris (DT/KNA) Die Religionsgemeinschaften in Frankreich lehnen gemeinsam die von der Regierungspartei UMP für Dienstag geplante Debatte über weltanschauliche Neutralität und die Rolle des Islam in Frankreich ab. In einer am Mittwoch in Paris veröffentlichten Erklärung stellen sie in Frage, dass eine Partei die richtige Instanz sei, um diese Diskussion zu führen. Aufgabe der politisch Verantwortlichen sei es vielmehr, Lösungen für das Gemeinwohl zu finden. Die in Frankreich unter dem Begriff „Laizität“ praktizierte Trennung von Religion und Staat sei ein Grundpfeiler der Republik, der nicht entwertet werden dürfe.

    Unterzeichnet ist die Erklärung vom katholischen Bischofskonferenz-Vorsitzenden, Kardinal Andre Vingt-Trois, dem Präsidenten der Protestantischen Föderation, Pastor Claude Baty, sowie vom Oberhaupt der orthodoxen Kirche in Frankreich, Metropolit Emmanuel, dem französischen Oberrabbiner Gilles Bernheim, dem Präsidenten des Islamrates, Mohammed Moussaoui, und dem Präsidenten der Buddhistischen Union, Olivier Wang-Genh.

    Die Religionsführer erinnern daran, dass bereits 2006 eine Expertenkommission dem Innenminister Vorschläge gemacht habe, wie die seit 1905 gesetzlich verankerte Trennung von Kirche und Staat modernisiert werden könne. Diese Empfehlungen, darunter der Vorschlag einer „institutionellen Unterstützung bei der Ausübung des Glaubens in Frankreich“, seien noch immer nicht verwirklicht worden. Die geplante Debatte geht auf eine Initiative von Staatspräsident Nicolas Sarkozy zurück.

    Innenminister Claude Gueant erklärte, Ziel der Veranstaltung sei es, den „nationalen Zusammenhalt“ zu stärken. Der französische Islamrat und der Rektor der Großen Moschee von Paris, Dalil Boubakeur, hatten bereits erklärt, nicht an der Debatte teilzunehmen. Kritiker unter anderem aus der sozialistischen Opposition sehen darin den Versuch der UMP, dem rechtsextremen Front National Stimmen abzujagen. Zuletzt hatte es auch innerhalb der UMP einen heftigen innerparteilichen Streit über den Sinn der Debatte gegeben. So hatte Premierminister Francois Fillon die Sorge geäußert, eine Debatte über den Islam in Frankreich könne zu einer Stigmatisierung der Muslime führen. Dies brachte ihm von UMP-Generalsekretär Jean-Francois Cope den Vorwurf ein, kein Teamspieler zu sein.