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    Fortgesetzter Fall in die Bedeutungslosigkeit

    Berlin (DT) Wenn die Berliner Katholische Akademie zu einer Podiumsdiskussion zum Thema „Zwischen Gleichgültigkeit und Nostalgie. Das Zweite Vatikanische Konzil und der Umgang mit Verlusten“ einlädt, dann interessiert das nur etwa fünfzig Berliner, von denen 90 Prozent der Generation 60 plus angehören. Demgegenüber ist das Podium schon geradezu ein Born der Jugend.

    Berlin (DT) Wenn die Berliner Katholische Akademie zu einer Podiumsdiskussion zum Thema „Zwischen Gleichgültigkeit und Nostalgie. Das Zweite Vatikanische Konzil und der Umgang mit Verlusten“ einlädt, dann interessiert das nur etwa fünfzig Berliner, von denen 90 Prozent der Generation 60 plus angehören. Demgegenüber ist das Podium schon geradezu ein Born der Jugend.

    Geyer bemüht sich, den Revoluzzer zu geben

    Denn mit dem Moderator Ludwig Ring-Eifel, der Schriftstellerin Felicitas Hoppe und dem Journalisten Christian Geyer sitzen da drei, die 1960 geboren wurden. Der Vierte im Bunde ist der Minister a.D. Hans Maier, ein Mann schon hoch in den Siebzigern, und mithin der Einzige unter den Diskutanten, der das Zweite Vaticanum nicht nur bewusst erlebt hat, sondern weiland sogar in der Konzilsaula anwesend war. Soviel zur quasi technischen Ausgangslage. Der man vielleicht hinzufügen sollte, dass Herr Geyer es angemessen fand, in Pullover und Lederjacke zu erschienen. Ja, wer bald 50 wird, der tut gut daran, dieses bewährte Attribut fürs Juvenil-Aufsässige zu strapazieren. Vor allem, wenn man wie Geyer der Redaktion der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ angehört und nicht der links-grünen „taz“

    Geyer ist denn auch, der sich, ganz seinem Kostüm gemäß, den Revoluzzer zu geben bemüht. Er möchte wissen, warum christliche Traditionen einen Wert an sich haben und weshalb die römisch-katholische Kirche überhaupt einen Katechismus braucht. Aber vielleicht weil er diese Fragen nicht direkt, klar und ohne Umschweife stellt, sondern im verquasten Stil der einst für ihre irrlichternde Dialektik berühmt-berüchtigten Frankfurter Philosophenschule, erhält er von seinen Mitstreitern keine Antwort darauf. Es muss erst ein Herr aus dem Publikum aufstehen, um die fundamentale christliche Botschaft auszusprechen, dass allein der Glaube an Jesus Christus der Weg zur Wahrheit und zum ewigen Leben ist. Ob sich Hans Maier für diese grundsätzlichen Aussagen zu schade ist, werden wir wohl nie erfahren. Immerhin gibt er zu Protokoll, dass er es sehr bedauert, dass von 1968 an zu viele Priester vom römischen auf den schwarzen Rollkragen umgestiegen sind und auf diese Weise das Zeichen ihrer elementaren Fremdheit in dieser Welt gegen ein Allerweltszeichen eingetauscht haben.

    Katholischsein als bloße Schimäre?

    Offen bleibt auch, warum Felicitas Hoppe Wert darauf legt, mit den Attributen „Schriftstellerin und katholisch“ nicht aber als „katholische Schriftstellerin“ vorgestellt zu werden. Dies Desinteresse ist um so erstaunlicher, weil sie zudem trotzig-freimütig bekennt, schon seit Jahrzehnten nicht mehr zur Beichte und auch schon lange nicht mehr zur Sonntagsmesse zu gehen – ihr wie auch immer geartetes Katholischsein also sowieso bloß eine Schimäre ist. Mehr an Bedeutung war nicht in Berlin – dessen katholische Akademie sich offenbar entschlossen hat, ihren schon länger fortgesetzte Fall in die vollständige Bedeutungslosigkeit ungebremst fortzusetzen.

    Von Ingo Langner