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    Fit für die Ewigkeit

    Bibelkenntnis ist mehr wert als ein Hochschulstudium, fand der amerikanische Präsident Theodore Roosevelt (1858–1919). Ein wertvoller Rat in Zeiten bundesweiter Bildungsstreiks und unzufriedener Studenten. Gegen geistlichen Lernfrust hat der Wallfahrtsdirektor von Maria Vesperbild, Prälat Wilhelm Imkamp, nun Hieb- und Stichfestes aus der Bibel vorgelegt: Seine Predigtsammlung „Fit für die Ewigkeit“ umfasst dreißig kurze und originelle Schriftbetrachtungen sowie die jeweiligen Evangelientexte.

    Bibelkenntnis ist mehr wert als ein Hochschulstudium, fand der amerikanische Präsident Theodore Roosevelt (1858–1919). Ein wertvoller Rat in Zeiten bundesweiter Bildungsstreiks und unzufriedener Studenten. Gegen geistlichen Lernfrust hat der Wallfahrtsdirektor von Maria Vesperbild, Prälat Wilhelm Imkamp, nun Hieb- und Stichfestes aus der Bibel vorgelegt: Seine Predigtsammlung „Fit für die Ewigkeit“ umfasst dreißig kurze und originelle Schriftbetrachtungen sowie die jeweiligen Evangelientexte.

    Fünf Jahre nach der Veröffentlichung seines erfolgreichen ersten Predigtbandes „Moment mal – Durch die Bibel gesagt“ zeigt Imkamp erneut, warum gesteckt volle Kirchenbänke in der Wallfahrtskirche der Normalfall sind. Mit Geist und Witz spießt er die Denkfehler der Zeitgeistgurus auf und zeigt die biblisch begründete Alternative zur kirchenfernen Tristesse auf. „Wer aus der Hoffnung lebt, die nur der Glaube bieten kann, der hat keine Angst, er lässt sich nicht von Katastrophenmeldungen einschüchtern und er sucht auch nicht die Betäubung im heillosen Vergnügungsbetrieb, noch lässt er sich von wachsenden Alltagssorgen in Depressionen treiben. Wer so zum Leuchtzeichen des Glaubens geworden ist, der hat wieder den aufrechten Gang gelernt und erhebt den Kopf im dankbaren Wissen: die Erlösung ist nahe.“

    Volksnah und realistisch

    Diese Evangelienbetrachtungen passen in keine Schublade. Das steigert die Lesefreuden. Wenn der promovierte Dogmenhistoriker, der Mitglied der Päpstlichen Theologenakademie in Rom ist, Marienfrömmigkeit, Familienwallfahrten, eucharistische Anbetung im Urlaub und ökumenische Adventskranzsegnungen empfiehlt, behält er ganz realistisch den Alltag der breiten Schicht katholischer Gläubigen im Blick, die in Planungen der Pastoralstrategen immer häufiger durchs Raster zu fallen scheinen.

    Bildungseifrige werden die stupende Belesenheit des Autors schätzen, die immer wieder durch die Zeilen schimmert. Imkamp lässt in seine Schriftinterpretationen verschiedene Bibelübersetzungen und historische Fakten einfließen: er beleuchtet die Geschichte der Kirchenfeste, der Volksbräuche und schlägt den Bogen zu den Verlautbarungen des Heiligen Vaters. Ein weitgefächerter Zitatenschatz von den Kirchenvätern bis zu den Architekten der liturgischen Erneuerung und protestantischen Theologen paart sich mit bayerischem Lokalkolorit. Im Zentrum der Kurzpredigten steht jedoch Christus, der an konkreten Beispielen „das Zusammenspiel von Vernunft und Glaube lehrt, von gesundem Menschenverstand und prophetischer Weisheit.“

    Unverwässerte Schriftauslegung

    Wie ernst der Autor den heiligen Cyprian nimmt, der Priester empfahl, aus Wein kein Wasser zu machen, wenn der Herr aus Wasser Wein machte, wird besonders deutlich, wenn es in den Texten um die letzten Dinge und die Eucharistie geht. Im Klartext: Das Fegefeuer ist kein gemütlicher „Transitroom“. Und das Knien in der Eucharistiefeier wohlbegründet.

    Dreihundert Jahre nach Abraham a Sancta Claras Überlegungen im „Huy! und Pfuy! der Welt“ beweist der Wallfahrtsdirektor von Maria Vesperbild, dass Esprit und ein Schuss barocker Katholizität auch heute in der Verkündigung erfolgreicher sind als moralinsaure Standpauken. Die Befürchtung des Würzburger Theologen Guido Fuchs, der Tag des Herrn gehe in einer Gesellschaft müder Christen bereits im Wochenende unter, wird durch die Lektüre dieses Bändchens jedenfalls gedämpft. Der Leser ahnt, dass die Kirche durch mehr katholisches Profil und eine zeitgemäße Sprache gerade auf der Kanzel verhindern könnte, „dass ein Gottesdienstbesuch demnächst als kulturelle Verhaltensanomalie betrachtet wird“ (Guido Fuchs).

    Eine halbe Million Pilger, die in jedem Jahr nach Maria Vesperbild kommen, irren nicht: Imkamps Predigten gehören zur „theologischen Haute cuisine“ und bescheren geistliche Sternstunden.

    Von Regina Einig