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    Falsches und wahres Mitleid

    Rom (DT) Das heute vorherrschende Denken operiert bisweilen mit einem falschen Begriff von „Mitleid“, vor allem wenn es um das Gut des Lebens gehe. Das hat Papst Franziskus am Samstagmittag vor etwa siebentausend katholischen Medizinern Italiens erklärt. So werde aus einem falschen Mitleid heraus einer Frau vorgeschlagen, abtreiben zu lassen, oder man plädiere für Euthanasie und halte es für einen wissenschaftlichen Fortschritt, ein Kind künstlich zu „produzieren“. Oder man nutzt menschliche Leben als Vorratslager im Laboratorium, um möglicherweise andere Leben zu retten. Das Mitleid des Evangeliums, so Franziskus weiter, sei aber ein anderes, es sei mit der Bedürftigkeit verbunden. Es sei das Mitleid des guten Samariters, der „sieht“, „Mitleid hat“, sich nähert und konkrete Hilfe anbietet. Die Ärzte und Ärztinnen, vor denen der Papst sprach, waren aus Anlass des siebzigjährigen Bestehens der „Katholischen Vereinigung italienischer Mediziner“ in Rom zusammengekommen. Franziskus empfing sie in der Audienzhalle des Vatikans.

    Hand in Hand für das Leben: Papst Franziskus begrüßt einen Audienzteilnehmer. Foto: dpa

    Rom (DT) Das heute vorherrschende Denken operiert bisweilen mit einem falschen Begriff von „Mitleid“, vor allem wenn es um das Gut des Lebens gehe. Das hat Papst Franziskus am Samstagmittag vor etwa siebentausend katholischen Medizinern Italiens erklärt. So werde aus einem falschen Mitleid heraus einer Frau vorgeschlagen, abtreiben zu lassen, oder man plädiere für Euthanasie und halte es für einen wissenschaftlichen Fortschritt, ein Kind künstlich zu „produzieren“. Oder man nutzt menschliche Leben als Vorratslager im Laboratorium, um möglicherweise andere Leben zu retten. Das Mitleid des Evangeliums, so Franziskus weiter, sei aber ein anderes, es sei mit der Bedürftigkeit verbunden. Es sei das Mitleid des guten Samariters, der „sieht“, „Mitleid hat“, sich nähert und konkrete Hilfe anbietet. Die Ärzte und Ärztinnen, vor denen der Papst sprach, waren aus Anlass des siebzigjährigen Bestehens der „Katholischen Vereinigung italienischer Mediziner“ in Rom zusammengekommen. Franziskus empfing sie in der Audienzhalle des Vatikans.

    Der Papst lud seine Zuhörer dazu ein, in ihrem Beruf ein Zeugnis dafür abzulegen, dass das menschliche Leben vom ersten bis zum letzten Augenblick zu schützen sei: „Es gibt nichts, was Würde verleiht, wenn man einem Mitmenschen Euthanasie zukommen lässt. Dasselbe gilt bei der Hilfe für Abtreibung: Das sind beides falsche Wege, die nichts mit Mitleid zu tun haben. Auch wer Kinderkriegen im Labor als wissenschaftliche Errungenschaft sieht, ist auf dem falschen Weg, weil er davon ausgeht, dass Kinderhaben ein Recht sei – anstatt Kinder als ein Geschenk anzunehmen.“ Die Ärzte und Mediziner rief der Papst dazu auf, „mutige Entscheidungen“ zu treffen, auch wenn das in der heutigen Zeit oft schwierig sei: Sie sollten sich weigern, Abtreibungen oder Euthanasie vorzunehmen.

    Man lebe heute in einer Zeit, sagte Franziskus, in der sehr viel mit dem Leben experimentiert werde, aber das sei ein schlechtes Experimentieren, ein Spielen mit dem Leben. „Wir konzentrieren uns darauf, Kinder zu besitzen, statt sie aufzunehmen. Wir spielen regelrecht mit dem Leben. Aber eigentlich sollten wir vorsichtig sein, weil es eine Sünde gegen den Schöpfergott ist, der alles erschaffen hat.“ In vielen Teilen der Welt sei die Lebensqualität eine Sache von Reichtum, Schönheit oder Zeitvertreib. Die Kirche weise jedoch auf andere Werte hin: auf die spirituelle und religiöse Seite des Lebens, aber auch auf das Verhältnis unter den Menschen.

    „Viele Male in meinem Leben habe ich die Kritik an der Kirche gehört, sie setze sich gegen Abtreibung ein. Meine Antwort dazu lautete stets: Nein, das ist kein religiöses oder philosophisches Problem, sondern eine wissenschaftliche Tatsache. Dort, wo es ein menschliches Leben gibt, ist es falsch, es zu töten, um ein menschliches Problem zu lösen. Das hat nichts mit Fortschritt zu tun: Töten bedeutet heute noch immer dasselbe wie in der Antike.“ Dasselbe gelte auch im Falle der Beihilfe zum Selbstmord, so Franziskus weiter. Das Leben sei immer „heilig“ und „voller Qualitäten“.

    „Wir wissen, dass viele ältere Menschen wegen der Kultur des Wegwerfens auch im Verborgenen getötet werden“, erklärte der Papst weiter. „Aber wir dürfen nicht vergessen, dass auch die Euthanasie eine Sünde gegen Gott ist. Wenn der Eid des Hippokrates Sie dazu verpflichtet, immer dem Leben zu dienen, so geht das Evangelium noch weiter: Das Leben muss in jeder Situation geliebt werden, insbesondere dann, wenn es gefährdet ist und besonderer Pflege bedarf!“

    Der Papst gab zu bedenken, dass katholische Ärzte durch ihre Professionalität und ihren Glauben auch mit nichtglaubenden Medizinern „eine wertvolle Zusammenarbeit“ aufbauen könnten. „Arbeiten Sie gemeinsam mit allen Ärzten und Institutionen, die mit Ihnen die Liebe für das Leben teilen und alles dafür tun, dass die Würde, Heiligkeit und Unantastbarkeit des Lebens respektiert wird.“