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    RICHARD SCHENK OP.

    „Exzellenzpunkte setzen“

    Am 1. Oktober 2011 hat der US-Dominikaner Richard Schenk die Leitung der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) übernommen. Christoph Renzikowski von der Katholischen Nachrichtenagentur sprach mit ihm über seine Pläne.

    „Exzellenzpunkte setzen“
    Foto: KNA Foto: KNA

    Am 1. Oktober 2011 hat der US-Dominikaner Richard Schenk die Leitung der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) übernommen. Christoph Renzikowski von der Katholischen Nachrichtenagentur sprach mit ihm über seine Pläne.

    Herr Präsident, vor drei Monaten haben Sie Ihr Amt angetreten. In welcher Verfassung ist die Hochschule?

    In einer besseren als ich dachte. Ihr guter Ruf in der Lehre, bei den Studienbedingungen und in der Lehrerausbildung war bekannt, und ich fand ihn bestätigt. Aber auch in der Forschung läuft viel mehr als ich vermutet hätte. Leider sind die wissenschaftlichen Vorhaben intern wie extern noch nicht so vernetzt, dass sie bisher nur unzureichend wahrgenommen werden.

    Wird es an der KU in drei Jahren noch acht Fakultäten mit 35 Forschungsbereichen geben?

    Sie spielen auf Vorschläge an, die Zahl der Fakultäten zu halbieren. Ich kann darin auf Anhieb keinen Vorteil erkennen. Auch würde ich gern alle Fächer behalten, denn ich sehe keines, das überflüssig wäre. Fördern möchte ich allerdings die Interdisziplinarität und eine Schwerpunktsetzung. Ich strebe ein gemeinsames Forschungsthema an, nach dem Vorbild des erfolgreichen Graduiertenkollegs der Universität Konstanz. Ich habe schon einen Vorschlag gemacht, der auf Zustimmung gestoßen ist. Aber letztlich müssen Impulse dazu auch von unten, von den Forschern selbst kommen.

    In Ingolstadt sitzen bisher nur Wirtschaftswissenschaftler. Bleibt es bei der Konzentration auf ein Fach an diesem Standort?

    Die bestehende Fakultät ist sehr erfolgreich und rege. Ich würde mich aber freuen, wenn es gelänge, ein paar Gebiete, die gut kooperieren könnten, nach Ingolstadt zu bringen. Ich denke vor allem an die Mathematik.

    Mit dem Vorstoß zur Errichtung neuer Lehrstühle haben Sie bereits für Aufsehen gesorgt. Wann wird es die geben – und wer soll sie bezahlen?

    Die sehr großzügige Unterstützung durch Staat und Kirche hat ihre Grenzen. Wenn wir neue Exzellenzpunkte setzen wollen, die über den Grundbedarf der Universität hinausgehen, müssen wir neue Quellen erschließen, Freunde gewinnen und Stiftungen von unseren Ideen überzeugen. Für Termine ist es aber noch zu früh.

    Was soll ein Lehrstuhl für evangelische Theologie an einer katholischen Uni?

    Dieser Lehrstuhl ist nur Teil eines größeren Vorhabens. Mir geht es darum, ein Institut für Ökumene zu gründen und dabei auch einen Lehrstuhl für evangelische und einen für ostkirchliche Theologie zu etablieren. Die Ökumene muss man wie den menschlichen Körper verstehen. Der kommt nur vorwärts, wenn es entgegengesetzte Muskelgruppen gibt. Man darf nicht nur nach Übereinstimmungen suchen, sondern muss auch Kontraste sichtbar machen. So lernen sich alle Beteiligten selbst besser kennen und können mit dem anderen in Beziehung treten.