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    Evangelisierung als roter Faden

    Fulda (DT) „Mission und Evangelisierung – Perspektiven für den Weg der Kirche heute“ waren bei der diesjährigen Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz eins der Schwerpunktthemen. Erstmals haben sich die Vorsitzenden der Kommissionen einen Abend lang in Fulda zum Austausch darüber zusammengefunden. „Es war uns immer klar, es muss um die Grundidee der Evangelisierung gehen“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, der zur Einführung über diese Aufgabe referiert hatte.

    Herbstvollversammlung Deutsche Bischofskonferenz
    Bei der Herbst-Vollversammlung der deutschen Bischöfe am Grab des heiligen Bonifatius: Kardinal Reinhard Marx im Gespräc... Foto: dpa

    Fulda (DT) „Mission und Evangelisierung – Perspektiven für den Weg der Kirche heute“ waren bei der diesjährigen Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz eins der Schwerpunktthemen. Erstmals haben sich die Vorsitzenden der Kommissionen einen Abend lang in Fulda zum Austausch darüber zusammengefunden. „Es war uns immer klar, es muss um die Grundidee der Evangelisierung gehen“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, der zur Einführung über diese Aufgabe referiert hatte.

    Bei der Zusammenfassung der Ergebnisse der Versammlung am Donnerstag betonte Marx, dass es in den verschiedenen Kommissionen um die Grundidee der Evangelisierung als roter Faden gehen müsse. Insgesamt gibt es vierzehn Kommissionen, darunter ist keine ausschließlich für Mission und Evangelisierung zuständig. „Dabei ist die Kirche kein Selbstzweck, sondern universales Sakrament des Heils“, heißt es in der Presseerklärung zum Abschluss. Ziel von Mission sei es, die universale Heilszusage, die Gott durch seinen Sohn gegeben habe, kultur- und nationenübergreifend zu verkündigen.

    „Die Welt braucht diese Heilszusage Gottes als Alternative zu den vielen nicht tragfähigen Heilsversprechen und ebenso zu den im Aufschwung begriffenen Fundamentalismen“, steht weiter darin. Die deutschen Bischöfe erkennen die Notwendigkeit, über Bedingungen und Voraussetzungen für Evangelisierung angesichts neuer Kommunikationsformen und Lebensweisen weiter nachzudenken.

    Der Kardinal betonte auch die Bedeutung der für Oktober nächsten Jahres geplanten Weltbischofssynode unter dem Leitthema „Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsunterscheidung“ hinsichtlich der Evangelisierung. Dabei ginge es um den Weg, Menschen zu zeigen, dass die Frage nach Gott ihr Leben betrifft. Hinsichtlich wesentlicher Lebensentscheidungen präge die Zeit im Alter von 15 bis 25 Jahren oftmals das gesamte Leben eines Menschen. Noch seien viele junge Leute durch die Kirche erreichbar, etwa in Chören oder bei der Landjugend, wo die Zahl der Mitglieder nicht zurückgegangen sei.

    Auch die Ergebnisse der Bundestagswahlen vom Sonntag beschäftigten die deutschen Bischöfe in Fulda. Das Parlament habe für Demokraten eine besondere Würde und Beispielcharakter für das Miteinander in der Gesellschaft. „Im gemeinsamen Ringen um einen guten Weg sind Schwarz-Weiß-Schablonen sowie Hass und Ausgrenzung nicht angebracht“, erklärte Kardinal Marx. Er zeigte grundsätzliche Gesprächsbereitschaft mit allen Parteien, einschließlich der Alternative für Deutschland (AfD). „Es gibt keine generelle Gesprächsverweigerung.“ Zugleich unterstrich er aber schriftlich: „Besorgt bin ich über den starken tendenziell rechtsradikalen Populismus in Europa.“ Nationalismus und der Wunsch nach Abgrenzung und Abschottung seien mit der christlichen Botschaft keinesfalls zu verbinden. Bestimmte Gruppen, auf der einen Seite islamistische, auf der anderen Seite rechtsradikale, wollten die Gesellschaft spalten. Islamisten würden durch die Wahlergebnisse in Europa zugunsten des anderen Extrems gestärkt.

    Abgesehen vom „Friedensprojekt Europa“ sei die „Verteidigung von Ehe und Familie“ ein weiteres politisches Anliegen der deutschen Bischöfe, die sich während der Vollversammlung auch über diese austauschten. „Dazu gehört sicher die Frage, wie man mit Armen, Kranken und Schwachen in dieser Gesellschaft umgeht“, sagte der DBK-Vorsitzende. Dies sei ein Testfall für ihre Humanität. „Das gilt für Flüchtlinge, Altersarme, Demente, Ungeborene und Menschen, die in den letzten Wochen ihres Lebens sind.“

    Umwelt: Es geht um das Überleben der Menschheit

    Papst Franziskus habe mit Recht darauf hingewiesen, dass die Globalisierung auch soziale, politische und ökologische Kosten verursache, die die Politiker mit einkalkulieren müssten. Die sozialen Folgen bedeuteten, dass Bevölkerungsgruppen in manchen Gebieten vom Wohlstand ausgeschlossen werden. Einen halben Tag lang habe sich die Bischofskonferenz, angesichts der gravierenden Folgen für das Wohlergehen der Menschheit, mit den in der Enzyklika „Laudato si'“ vorgetragenen Sorgen beschäftigt. Das päpstliche Rundschreiben sei außerhalb der Kirche äußerst intensiv aufgenommen worden und entfalte eine neue Fortschrittsidee. Angesichts des Klimawandels habe sich die Situation erheblich verschärft. Es gehe um das Überleben der Menschheit, besonders um das Schicksal der Ärmeren, die als Erste die Folgen spürten. Professor Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, habe gegenüber den Bischöfen sowohl sehr nüchtern als auch sehr eindringlich die Wirkung der von Menschen verursachten Treibhausgasemissionen auf die globale Erderwärmung vorgetragen.

    Die Oberhirten beschäftigten sich während eines Studienhalbtags mit den Folgen dieses Wandels und den Konsequenzen daraus hinsichtlich der sozialen Gerechtigkeit und der Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen. Mit Blick auf die Agenda 2030 der Vereinten Nationen träten sie dafür ein, klimaschädliches Verhalten zu vermeiden. Der Vorsitzende der ökologischen Arbeitsgruppe der DBK-Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen, der Freiburger Weihbischof Bernd Uhl, plädierte dafür, die Treibhausgasemissionen bei Gebäuden und in der Mobilität zu verringern, die Rolle der Umweltbeauftragten zu stärken und ökologische Themen, darunter Lebensstilfragen und ethisches Investment, in Bildungsangeboten, aber auch in Gottesdiensten zu berücksichtigen. Kardinal Marx unterstrich den Vorsatz, sich künftig stärker zwischen den Bistümern zu vernetzen, um pastorale Orientierungshilfen zu geben.

    Mit Blick auf das aktuelle ökumenische Miteinander zeigte sich der DBK-Vorsitzende sehr zufrieden und sprach von Freundschaft, die vermeide, den Anderen zu verletzen, aber auch ermögliche, offen auszusprechen, was nur unter Freunden gesagt werden kann. Er möchte sich nicht vorstellen, dass das 21. Jahrhundert ohne eine „Einheit in Verschiedenheit“ vergeht. Entgegen einiger Befürchtungen von verschiedenen Seiten sei es im Reformationsgedenkjahr nicht zu polemischen Stellungnahmen gekommen. Er sagte aber als Reaktion auf die Rufe nach einer künftigen Tischgemeinschaft, dass die Erwartung, ausschließlich die katholische Seite müsse sich in dieser Frage bewegen, nicht zielführend sei.

    Verständlichkeit und Sprache der liturgischen Texte

    Bewegung ist in die Frage der Verständlichkeit der Sprache liturgischer Texte gekommen. So sehen es die deutschen Bischöfe nach Veröffentlichung des Motu proprio „Magnum principium“. Sie hätten dieses Dokument über die Erstellung und Herausgabe liturgischer Bücher in der Volkssprache „mit großer Erleichterung“ aufgenommen. Die „Instructio Litugiam authenticam“ über den Gebrauch der Volkssprachen bei der Herausgabe der Bücher der römischen Liturgie aus dem Jahr 2001 sei zu eng interpretiert worden. Dies hätten ihm auch französische Bischöfe vorgetragen. „Wir brauchen eine klare Verantwortlichkeit der Bischofskonferenzen für die Übersetzungen“, betonte der Vorsitzende der DBK.