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    „Es muss nicht Santiago sein“

    Frankfurt/Oder (DT/KNA) Vom Regen durchnässt und mit über einer Stunde Verspätung kommen die Pilger über die Brücke von Slubice, einige mit bunten Regenjacken, andere in Shorts und T-Shirt. Vorneweg trägt ein Jugendlicher ein großes Kreuz, ein anderer trägt Lautsprecher, zwei Priester begleiten die Gruppe. Dann erreichen sie endlich die Friedenskirche in Frankfurt/Oder. Fast neunzig Kilometer haben fünfzig Jugendliche und junge Erwachsene in drei Tagen vom polnischen Siekierki aus zurückgelegt. Mitbeteiligt waren auch zwei polnische Priester. Organisiert wurde die Jugendpilgerfahrt vom Universitätsprojekt „Jakobswege östlich und westlich der Oder“.

    Frankfurt/Oder (DT/KNA) Vom Regen durchnässt und mit über einer Stunde Verspätung kommen die Pilger über die Brücke von Slubice, einige mit bunten Regenjacken, andere in Shorts und T-Shirt. Vorneweg trägt ein Jugendlicher ein großes Kreuz, ein anderer trägt Lautsprecher, zwei Priester begleiten die Gruppe. Dann erreichen sie endlich die Friedenskirche in Frankfurt/Oder. Fast neunzig Kilometer haben fünfzig Jugendliche und junge Erwachsene in drei Tagen vom polnischen Siekierki aus zurückgelegt. Mitbeteiligt waren auch zwei polnische Priester. Organisiert wurde die Jugendpilgerfahrt vom Universitätsprojekt „Jakobswege östlich und westlich der Oder“.

    An der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder engagieren sich seit fünf Jahren Studenten für den Jakobsweg. Sie erforschen die historischen Routen der Jakobspilger aus Mittel- und Osteuropa anhand von Quellen und Fundstücken. Aber es geht auch um das „Heute“: Der „Westpommersche Jakobsweg“ solle als moderner Pilger- und Erlebnisweg mit Marketing-Konzepten installiert werden, so der Initiator des Projekts, der Historiker Ulrich Knefelkamp. Einige Studenten erkundeten als „Scouts“ zu Fuß oder mit dem Fahrrad neue Streckenabschnitte. Auch bei der Jugendpilgerfahrt ging es mit darum, die Anbindung des Jakobswegs an die deutsch-polnische Grenze herzustellen. „Uns geht es um die Vernetzung“, erklärt Ewa Drozdowska, die an der Viadrina studiert und seit einigen Jahren am Projekt mitarbeitet. Bei verschiedenen Pilgerfahrten hat sie gelernt, wie vielfältig die Motive fürs Pilgern sein können: „Die einen wollen die Natur kennenlernen, andere die Sprache oder die Kultur und viele haben religiöse Gründe“, so ihre Einschätzung. Für ihre Pilgergruppe sieht sie die religiösen Aspekte und die Begegnung im Vordergrund. „Viele Deutsche wissen gar nichts von der polnischen Gastfreundschaft“, meint die Studentin, die ein T-Shirt mit einem Aufdruck der Jakobsmuschel trägt. Pilgerin Sylvana pflichtet ihr bei: „Manchmal haben wir uns mit Händen und Füßen verständigt und einfach zusammen gesungen. Das war beeindruckend“, sagt sie.

    Mit dem Streckennetz des Jakobswegs von Polen nach Deutschland sollen nicht nur räumliche Grenzen, sondern auch Grenzen im Kopf der Pilger abgebaut werden. „Bei dem deutsch-polnischen Charakter des Projektes geht es auch um die Stabilisierung der europäischen Identität“, sagt Knefelkamp. Dabei gilt: Es müsse nicht Santiago sein, der Jakobsweg beginne vor der eigenen Tür, so Drozdowska. Doch wie passt es zusammen, dass sich gerade junge Leute gemeinsam auf den Weg machen, um gemeinsam zu singen und zu beten? Fehlen da nicht Handy, Internet und der Alltag? „Für mich war das Ziel, einfach mal abzuschalten, das tat gut“, sagt der Student Markus, der nach den 32 Kilometern, die die Gruppe heute zurückgelegt hat, sichtlich ausgezehrt wirkt. Mit nasser Hose und dicken Wanderschuhen sitzt neben ihm Verena, die in diesem Semester am Projektseminar an der Universität teilnimmt. Sie finde es spannend, dass gerade in Brandenburg, wo viele nicht konfessionslos seien, das Phänomen Jakobsweg gelebt werde. „Gerade auch evangelische Kirchen öffnen ihre Türen für die Pilger“, hat die Studentin festgestellt. Zum Abschluss ihrer Reise erhalten die Teilnehmer einen Stempel in ihren Pilgerpass. Die Jugendlichen wirken erschöpft, aber zufrieden. Trotz ihrer nassen Kleidung und den neunzig Kilometern, die sie in den letzten Tagen zurückgelegt haben, beten sie andächtig das „Vater Unser“ und einen Psalm auf Deutsch und Polnisch. Ob es mit dem Pilgern weitergeht? Student Markus möchte irgendwann zum Grab des heiligen Jakobus nach Santiago de Compostela laufen. Die Wallfahrt von Polen nach Deutschland auf dem Westpommerschen Jakobsweg sieht er als Übung an.