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    „Es gibt keine zwei Wege zum Heil“

    Pater Neuhaus, Sie sind vom Judentum zum Katholizismus konvertiert: Warum? Als Jugendlicher und junger Mann habe ich nicht an Gott geglaubt und Religion bedeutete mir nichts. Meine Familie war jüdisch nicht im orthodoxen Sinne. Aber wenn wir zur Synagoge gingen, dann in eine orthodoxe.

    Pater Neuhaus, Sie sind vom Judentum zum Katholizismus konvertiert: Warum?

    Als Jugendlicher und junger Mann habe ich nicht an Gott geglaubt und Religion bedeutete mir nichts. Meine Familie war jüdisch nicht im orthodoxen Sinne. Aber wenn wir zur Synagoge gingen, dann in eine orthodoxe. Ich habe meine religiöse Unterweisung auch in einer jüdischen Gemeindeschule empfangen. Ich hatte dann als junger Mann aber eine Erfahrung des Göttlichen. Ich bin Jesus Christus begegnet. Das hat mich schließlich zur katholischen Kirche geführt.

    Wie haben Ihre Eltern auf Ihren Konversionswunsch reagiert?

    Nun, sie haben mich gefragt, wie ich mich der Kirche anschließen könnte nach allem, was sie uns Juden angetan hat. Es ging ihnen also nicht um Theologie, sondern um das historische Trauma. Ich habe das respektiert und ihnen versprochen, mich damit auseinanderzusetzen. Ich habe ihnen außerdem versprochen, dass ich auch als Katholik nicht vergessen würde, dass ich Jude bin und nicht war.

    Viele Theologen lehnen die Judenmission ab. Sie auch?

    Die Kirche sagt nicht, wir sollten Juden nicht missionieren, sondern sie tut es nicht. Das ist ein Unterschied. Sie zeigt sich sensibel angesichts der Geschichte und wie Christus einst zu den Juden gebracht werden sollte, durch Verfolgung, Gewalt und Zwang. Den wenigen schließlich, die aus echtem Glauben den Weg in die Kirche gefunden hatten, wurde nicht erlaubt, ihre Unterschiedlichkeit auszudrücken. Es ist eine sehr delikate Frage und noch nicht ganz ausformuliert, was die Kirche den Juden heute über Christus sagt.

    Was war die letzte Äußerung des Lehramtes diesbezüglich?

    Nun, Papst Franziskus hat in seinem Apostolischen Schreiben Evangelii gaudium für ein wenig Klarheit gesorgt, indem er in dem Kapitel über die Juden geschrieben hat, dass Christen die Universalität Christi nicht verleugnen können. Wenn wir die Heilige Schrift zudem sehr genau nehmen, dann sehen wir, dass Christus sogar zuerst zu den Juden kam und dann erst zu den Heiden. Gottseidank zeigt sich die Kirche heute sehr feinfühlig angesichts der Geschichte. Es wird deshalb eine lange Zeit dauern, um den Juden gegenüber eine Vertrauensbeziehung aufzubauen. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass wir in solchem Bemühen Christen bleiben und berufen sind, auch den Juden gegenüber unseren Glauben an Christus zu bezeugen. Und dies geschieht in erster Linie durch unsere Liebe. Jemand hat einmal gesagt, dass wir nach draußen gehen um zu evangelisieren. Und nur da, wo es absolut nötig ist, verwenden wir Worte.

    Das heißt, es gibt keine zwei Wege zum Heil: Einen für Juden und einen für Christen?

    Nein. Wir können nicht nicht Zeugnis von dem ablegen, woran wir glauben, auch nicht im Gespräch mit den Juden. Die Kirche akzeptiert, anders als manche liberale Theologen das wollen, keine Zwei-Wege-Theorie. Es gibt einen Weg, und dazu gehört eine Beziehung zu Christus im Glauben. Als Papst Benedikt 2009 hier im Heiligen Land war, hat ihm einer der Chefrabbiner dafür gedankt, dass die Kirche die Judenmission eingestellt und anerkannt hat, dass Juden Jesus nicht bräuchten. Viele uns in Sympathie zugetane Juden meinen, dass die Kirche neuerdings zwei Wege lehrt: Einen für Juden und einen für Christen. Wir akzeptieren das natürlich nicht. Aber unser Weg muss neu bedacht werden angesichts der Geschichte und der Versuchungen durch die Macht, Juden die Taufe mit Gewalt aufzuzwingen. Wir bezahlen einen großen Preis für diese Fehler.