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    Erziehung mit Kopf, Herz und Hand

    Die Heimschule Kloster Wald hält, was der Name verspricht: Von dem übersichtlichen Ort südlich von Sigmaringen aus sind die Wege ins Grüne kurz. Ein malerischer Teich, Bäume und Sportplätze umgeben die 1946 von Benediktinerinnen der heiligen Lioba gegründete Schule, die in einem ehemaligen Zisterzienserinnenkloster untergebracht ist. Ruhe zum Lernen und Raum für Freizeitaktivitäten finden die Schülerinnen in einer urig eingerichteten Mädchenschule mit Internat und Tagesheim.

    Die Heimschule Kloster Wald hält, was der Name verspricht: Von dem übersichtlichen Ort südlich von Sigmaringen aus sind die Wege ins Grüne kurz. Ein malerischer Teich, Bäume und Sportplätze umgeben die 1946 von Benediktinerinnen der heiligen Lioba gegründete Schule, die in einem ehemaligen Zisterzienserinnenkloster untergebracht ist. Ruhe zum Lernen und Raum für Freizeitaktivitäten finden die Schülerinnen in einer urig eingerichteten Mädchenschule mit Internat und Tagesheim.

    Eine freundliche ältere Schwester an der Pforte signalisiert dem Besucher, dass er ein christliches Mehrgenerationenhaus betritt: Die benediktinische Tradition ist die Grundlage für das Erziehungskonzept der Heimschule. Das Zusammenleben von Jung und Alt spielt darin eine wichtige Rolle. Siebzehn Ordensfrauen leben mit den Schülerinnen unter demselben Dach. Die Mädchen wissen, dass die Schwestern für sie da sind: in Gesprächen und durch ihr Gebet. Das prägt den Geist des Hauses. Ein wichtiger gemeinsamer Nenner zwischen den überwiegend katholischen Schülerinnen aus unterschiedlichen Nationen und gesellschaftlichen Schichten ist die Taufe. Gottesdienste an Sonn- und Festtagen, die Mitfeier des Kirchenjahrs, das Schulgebet vor der ersten Unterrichtsstunde, Besinnungstage in den Jahrgangsstufen 5, 7, 9 und 11 und einmal jährlich die musikalische Gestaltung einer lateinischen Messe in der Wallfahrtskirche Birnau setzen religiöse Akzente im Alltag der Schülerinnen. Die Ordensfrauen übernehmen Gebetspatenschaften für die Schülerinnen. Das ermutigt vor allem vor Prüfungen und in Heimwehphasen.

    Und auch die Mädchen wissen, dass sie füreinander da sind. Im Rahmen des freiwilligen Tutorensystems kümmern sich Ältere um Jüngere, beobachten ihre Hausaufgaben und übernehmen manchmal auch die Lernaufsicht. Zum Stil der Heimschule gehört auch, dass sich Jüngere um Ältere kümmern. Kleine Zeichen der Aufmunterung etwa vor Abiturprüfungen verbinden die Jahrgänge untereinander.

    Die Heimschule Kloster Wald ist aus Überzeugung eine reine Mädchenschule. Das kommt dem Lernklima zugute. Die Schülerinnen sollen Zutrauen in die eigene Leistungsfähigkeit gewinnen – auch in den naturwissenschaftlichen Fächern. Seit 2004 besteht die Möglichkeit, statt einer dritten Fremdsprache Naturwissenschaft und Technik zu belegen. Die Bandbreite der Lernmöglichkeiten in der Heimschule zeigt sich besonders beim Besuch der Lehrwerkstätten: Neben der gymnasialen Ausbildung können die Schülerinnen ab der 9. Klasse einen handwerklichen Beruf erlernen. Am stärksten ist das Interesse in der Regel an der Damenschneiderei, doch auch Schreinerei und Holzbildhauerei sind gefragt. Bis zum Abitur haben sie einen Nachmittag in der Woche Werkstattausbildung. Nach dem Abitur folgt die ganztägige Lehre, die noch ein weiteres halbes Jahr dauert. Die Ausbildung endet mit dem Gesellenbrief – in Verbindung mit dem Abitur eine wertvolle Doppelqualifizierung für den Einstieg ins Berufsleben oder das Studium. Das benediktinische Ora et labora gewinnt gerade in der dualen Ausbildung in der Heimschule ein unverwechselbares Profil. Als Ausgleich zur Kopfarbeit spielt die Handwerksausbildung eine wichtige Rolle für die Persönlichkeitsentwicklung. Viele Mädchen kommen nach den Stunden in der Werkstatt ausgeglichener nach Hause, beobachten die Pädagogen in der Heimschule Kloster Wald.

    Ins Internat geschickt werden Kinder heute nur noch in Ausnahmefällen. In der Regel sind sie es, die in den Familien den Ton angeben. Vielen bietet die Heimschule Kloster Wald auch ein deutliches Plus an Freizeitmöglichkeiten. Da auch am Samstag Unterricht stattfindet, haben die Schülerinnen bis zur neunten Klasse keinen Nachmittagsunterricht.

    Der Zeitpunkt, um die Schülerinnen für das Lernen zu begeistern, ist vor allem der Beginn der Gymnasialzeit. Eine wichtige Rolle kommt dabei den Fremdsprachen zu. In der Heimschule Kloster Wald können die Schülerinnen mit Englisch und Latein gleichzeitig beginnen. 2002 wurde das Biberacher Modell eingeführt. Bereut haben die Lehrer es nie: „Das Biberacher Modell ist ein großer Erfolg“, unterstreicht die Direktorin. „Je früher Sprachen gelernt werden, desto besser.“ Die Schülerinnen profitierten auch in anderen Fächern von der früh erworbenen Sprachkompetenz. Die Zahlen geben ihr recht: Zwei von drei Klassen der Jahrgangsstufe 5 lernen nach dem Biberacher Modell. „Die Kinder wollen lernen“, fasst Schulleiterin Anita Haas ihre Erfahrungen zusammen. Die Spaßgesellschaft tue sich zwar nicht leicht damit, Lernbereitschaft einzufordern. Doch lohnt es sich aus Sicht von Frau Haas, der kindlichen Wissbegier entgegenzukommen. Erfahrungsgemäß akzeptieren Schülerinnen oft leichter als Eltern, dass es Leistung ohne Anstrengung nicht gebe. „Gerade in den Klassen fünf und sechs ist mit intensivem Lernen viel gewonnen. In den Jahrgangsstufen sieben bis neun kommen schließlich die Pubertätsprobleme“, stellt Frau Haas fest. Dafür ist die Bandbreite der Lernangebote bestechend groß, vor allem für künstlerisch interessierte Mädchen. Seit kurzem bietet die Heimschule sogar ein neues Abiturfach „Theater und Literatur“ an (die Schule wurde für diesen Schulversuch vom Kultusministerium ausgewählt).

    Nicht zuletzt ist es aber der „Walder Geist“, der die Schülerinnen an Kloster Wald bindet. Darunter sind die ungeschriebenen Gesetze im fürsorglichen Umgang miteinander zu verstehen, die ein Netzwerk an Kontakten schaffen. Oft halten sie ein Leben lang.

    Von Regina Einig