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    Erzbischof fordert Aufklärung

    Hamburg (DT/KNA) Der Hamburger katholische Erzbischof Werner Thissen hat eine lückenlose Aufklärung möglicher Misshandlungsfälle in kirchlichen Heimen in den 1950er und 1960er Jahren gefordert. „Ich bin froh, dass das Thema in der Öffentlichkeit ist, denn ich halte es für eines der am meisten unterdrückten Themen der letzten Jahrzehnte“, sagte er der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Dienstag in Hamburg. Der Radiosender NDR 1 Niedersachsen hatte am Montag unter Berufung auf eine Studie des Diakonischen Werks der evangelischen Landeskirche berichtet, es sei damals in evangelischen Kinderheimen Norddeutschlands zu systematischen Misshandlungen gekommen. Ähnliche Vorfälle habe es auch in katholischen Heimen gegeben. Die evangelische Landeskirche in Hannover wies die Behauptung, die Fälle hätten System gehabt, als voreilig zurück.

    Hamburg (DT/KNA) Der Hamburger katholische Erzbischof Werner Thissen hat eine lückenlose Aufklärung möglicher Misshandlungsfälle in kirchlichen Heimen in den 1950er und 1960er Jahren gefordert. „Ich bin froh, dass das Thema in der Öffentlichkeit ist, denn ich halte es für eines der am meisten unterdrückten Themen der letzten Jahrzehnte“, sagte er der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Dienstag in Hamburg. Der Radiosender NDR 1 Niedersachsen hatte am Montag unter Berufung auf eine Studie des Diakonischen Werks der evangelischen Landeskirche berichtet, es sei damals in evangelischen Kinderheimen Norddeutschlands zu systematischen Misshandlungen gekommen. Ähnliche Vorfälle habe es auch in katholischen Heimen gegeben. Die evangelische Landeskirche in Hannover wies die Behauptung, die Fälle hätten System gehabt, als voreilig zurück.

    Der Caritasverband im Bistum Osnabrück erklärte, in den katholischen Einrichtungen der Diözese könne nach aktuellem Kenntnisstand eine systematische Misshandlung von Kindern ausgeschlossen werden. Es habe in den vergangenen beiden Jahrzehnten lediglich drei Beschwerden über solche Fälle in früheren Jahren gegeben. Thissen erklärte weiter, die in Rede stehenden Fälle in kirchlichen Heimen seien nur die „Spitze des Eisbergs“ einer Entwicklung, die bei weitem nicht nur die Kirchen betreffe. „Wahrscheinlich sind die Kirchen diejenigen, die am ehesten die Kraft haben, so etwas überhaupt untersuchen zu lassen, zu dokumentieren und damit auch aufzuklären.“ Auch aus staatlichen Heimen gibt es Berichte über Misshandlungen. Für die Opfer verlangte der Erzbischof Wiedergutmachung. Man müsse ihnen ihre durch solch einen Vorfall genommene Würde wiedergeben, „so weit das überhaupt möglich ist“, sagte Thissen. Dazu gehört nach den Worten des Erzbischofs zum einen eine Entschuldigung, zum anderen sehr konkrete Hilfe medizinischer, therapeutischer oder auch materieller Art.

    Auslöser der Debatte über Heimkinder war ein Buch von „Spiegel“-Autor Peter Wensierski unter dem Titel „Schläge im Namen des Herrn“, das Anfang 2006 erschien. Danach sollen bis Mitte der 60er Jahre in staatlichen und kirchlichen Heimen Hunderttausende Kinder und Jugendliche schikaniert worden sein. Ältere Jugendliche hätten darüber hinaus für minimale Löhne arbeiten müssen und seien nicht sozialversichert gewesen. Der Bundesverband katholischer Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfen (BVkE) hatte dazu erklärt, dass Misshandlungen keine generelle Praxis in kirchlichen Heimen gewesen seien. Es handele sich um „Einzelfälle, die sich allerdings mächtig häufen“.