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    Posen

    Erzbischof Gadecki warnt vor Instrumentalisierung des Missbrauchs

    Das Thema Pädophilie sei ein leicht ausnutzbares Thema für Angriffe auf die moralische Glaubwürdigkeit der Kirche geworden, beklagt der Vorsitzende der Polnischen Bischöfe, Erzbischof Stanislaw Gadecki.

    Auch in Polen wird in den vergangenen Monaten intensiv über die Fälle sexuellen Missbrauchs innerhalb der Kirche und der... Foto: Damian Klamka (ZUMA Wire)

    Nach Ansicht des Vorsitzenden der Polnischen Bischofskonferenz, Erzbischof Stanislaw Gadecki, droht der katholischen Kirche die Gefahr, dass der sexuelle Missbrauch gegen sie instrumentalisiert werde. Die Schwierigkeit der aktuellen Lage bestehe darin, „dass das Thema Pädophilie - nicht nur in Polen, sondern fast auf der ganzen Welt - ein leicht ausnutzbares Thema für Angriffe auf die moralische Glaubwürdigkeit der Kirche geworden ist“. Dies erklärte der Erzbischof von Posen in der polnischen Kirchenzeitschrift „Niedziela“.

    Kirche geht keine Kompromisse mit demoralisierenden Strömungen ein

    Darüber hinaus bezeichnete Gadecki die Kirche als „die letzte Stimme in der Gesellschaft“, die keine Kompromisse mit den gegenwärtigen „demoralisierenden Strömungen“ eingehe. Es gebe jedoch „libertäre Kräfte“, die diese Stimme „zum Schweigen bringen und ausschalten“ wollten.

    Auch in Polen wird in den vergangenen Monaten intensiv über die Fälle sexuellen Missbrauchs innerhalb der Kirche und deren Vertuschung diskutiert. Insbesondere der jüngst erschienene Spielfilm „Nur sag es niemandem“ sorgte dafür, dass das Interesse der Öffentlichkeit auf eine umfassende Aufarbeitung der Übergriffe durch Priester gelenkt wird.

    So viele wie nie bewerten Arbeit der Kirche als negativ

    Aktuell bewerten so viele polnische Bürger wie noch nie die Arbeit ihrer Kirche als negativ. Laut einer Umfrage sind es 40 Prozent – die höchste Zahl seit 1995. Meinungsforschern zufolge hat dies auch mit Filmen wie „Nur sag es niemandem“ zu tun. Erzbischof Gadecki hatte sich lobend über die Dokumentation geäußert und sich beim Regisseur bedankt. Unmittelbar nach Veröffentlichung des Films entschuldigten sich die katholischen Bischöfe in einer schriftlichen Stellungnahme bei allen Opfern.

    DT/mlu

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