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    Erlebnis Altötting

    Gleichgesinnte treffen, den Glauben vertiefen: Das Forum der Gemeinschaft Emmanuel als geistlicher Vitaminstoß. Von Matthias Petersen

    Farbenfroh und heiter: Die Eucharistiefeiern auf dem Kapellplatz gehören in jedem Jahr zu den Glanzlichtern des Forums A... Foto: M. Petersen

    Altötting in Bayern steht für viele Katholiken als Inbegriff für kirchliche Tradition, als Pilgerort, an dem sich Frömmigkeitstraditionen gehalten haben. Seit 1996 lädt im Sommer die Gemeinschaft Emmanuel zu einem Forum ein, bei dem vor allem junge Menschen dabei sind, und das sich durch moderne Ausdrucksformen des Glaubens auszeichnet. Aber auch das Forum ist inzwischen Tradition geworden, und so hatten die Verantwortlichen der Gemeinschaft für das vergangene Jahr zu einem Rückschritt aufgerufen, um einmal zu überdenken, wie das Forum in die Zukunft gehen soll. Dieses Jahr zeigen sich die Ergebnisse, das Forum Altötting wandelt sich. Es beginnt an diesem Donnerstag und endet am 5. August.

    „Der Workshop von 2017 hat gezeigt, dass viele Teilnehmer neben dem geistlichen Erleben vor allem Möglichkeiten zur Begegnung mit anderen Gläubigen suchen“, sagt Thomas Lütkemeier, Verantwortlicher der Gemeinschaft Emmanuel in Deutschland. Wenn in der eigenen Kirchengemeinde die Zahl der Engagierten abnimmt, sucht man gerade bei solchen Treffen den Schulterschluss mit jenen, für die der Glaube auch wichtig ist. Und man sucht Beispiele, wie man das Glaubensleben im Alltag umsetzen kann. Beides lässt sich in Altötting erleben. Das Forum Altötting fällt 2018 deshalb vor allem durch sogenannte Themengruppen auf. Dreimal treffen sich die Teilnehmer in diesen Gruppen, lernen sich durch den intensiven Kontakt näher kennen, erfahren etwas darüber, wie sie den Glauben für sich umsetzen können.

    Der Workshop im vergangenen Jahr habe auch gezeigt, dass viele Teilnehmer wieder mehr über grundlegende Glaubensthemen erfahren wollten, sagt Lütkemeier. Wie geht beten, wer war Jesus Christus, was ist die Bibel – über solche Themenangebote sollen auch wieder vermehrt Interessierte erreicht werden, die nicht schon auf ein langes und intensives Glaubensleben setzen können. „Gerade durch das Forum kann mancher so wieder neu einen Weg im Glauben gehen oder sich die Frage nach Gott überhaupt neu stellen“, so Lütkemeier.

    Ein Wunsch, den viele Teilnehmer äußerten, bezieht sich auf die Länge: Fünf Tage wie bisher erschien manchen zu ausgedehnt. Wer es nicht zu weit hat mit der Anreise, kann so auch nur fürs Wochenende dabei sein. Luftig und abwechslungsreich solle das Programm des neu strukturierten Forums sein, heißt es bei der Gemeinschaft Emmanuel. Solche Gedanken nehmen zum einen Rücksicht auf jene, die in ihrem Alltag gestresst sind und nach Altötting kommen, um beim Forum neben viel Begegnung auch ruhige Zeiten erleben zu können. Zum anderen auf Teilnehmer, die es von zu Hause her gar nicht gewöhnt sind, jeden Tag in die Messe zu gehen. Auf diese Weise sollen sich unterschiedliche Charaktere, Einsteiger wie Fortgeschrittene, gleichermaßen wohlfühlen.

    Das Forum beginnt am Donnerstag mit einem Willkommensfest in der Josefsburg, wo die Gemeinschaft Emmanuel ihren Sitz hat, etwa fünf Minuten zu Fuß vom zentralen Kapellplatz entfernt. Hier gibt es Spiele für Kinder und Erwachsene, denn es sind vor allem die Familien, die hier im Mittelpunkt stehen.

    Die offizielle Begrüßung wird ebenfalls hier stattfinden. Die Stadt ist Mitveranstalter des Forums, jedes Jahr spricht Bürgermeister Herbert Hofauer zu den Pilgern. Und auch Prälat Günther Mandel, der Stadtpfarrer, sowie Pater Norbert Schlenker, der Guardian des Kapuzinerklosters, werden sie begrüßen. „Fürchte dich nicht“ – dieses Wort steht als Motto über dem Forum. Vieles, was in der Welt derzeit passiert, wird über die Medien rasend schnell verbreitet. Jeder bekommt mehr von den Unglücken mit, die überall passieren. Auch im persönlichen Umfeld. Wie da Versöhnung und Ermutigung aussehen sollen, das zieht sich durch die Angebote des Forums. So gibt es zum Beispiel den Impuls eines Ehepaars aus Ruanda, das davon erzählt, wie im Land über 25 Jahre nach dem Genozid Versöhnung gelebt wird.

    Die Themengruppen, die sich dreimal treffen, behandeln spirituelle Themen ebenso wie weltliche. Es geht um den Heiligen Geist, um das Gebet oder um die Bibel, es geht aber auch um einen Projektchor, um Sport oder um Kreativität. Die Teilnehmer können an die Kletterwand gehen oder Basketball spielen, sie können Nähen oder Malen – und sie können einen Kurs belegen, in dem vermittelt wird, wie man den Glauben heute zeitgemäß weitergeben kann. Daneben besteht immer die Möglichkeit, Gott in der Stille zu begegnen, zu beichten oder anzubeten. Am Samstag ist der traditionelle Barmherzigkeitsabend, an dem sich vor allem die spirituellen Angebote bündeln. Am Sonntag endet das Forum mit einem Gottesdienst, auf den sich vor allem die Mitglieder der Gemeinschaft Emmanuel schon länger freuen. Hauptzelebrant wird Bischof Hermann Glettler von Innsbruck geweiht wurde und schon viele Jahre Mitglied der Gemeinschaft ist. Zum ersten Mal wird er in seinem neuen Amt nach Altötting kommen und sich anschließend bei einem Empfang im Rathaus ins Goldene Buch der Stadt eintragen. Parallel läuft dann auf dem Kapellplatz eine Geburtstagsfeier: Vor 25 Jahren wurde die Evangelisationsschule der Gemeinschaft Emmanuel (ESM) gegründet. Aktuelle und ehemalige Studenten laden ein.

    Einzelne Programmpunkte der Tage werden bei Radio Horeb live übertragen. Informationen zum Programm und zu Möglichkeiten der Teilnahme im Internet:

    www.forum-altoetting.de

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