• aktualisiert:

    „Enge Verknüpfung von Katheder und Kanzel“

    Der deutsche Dogmatiker und stellvertretende Direktor des Regensburger Institut Papst Benedikt XVI., Christian Schaller, sowie der am King's College von London tätige Bibelwissenschaftler Richard A. Burridge nehmen am Samstag im Vatikan aus der Hand von Papst Franziskus den „Premio Benedetto“ (Ratzinger-Preis) der Fondazione Vaticana Joseph Ratzinger Benedetto XVI entgegen. Der Preis wird alljährlich Personen verliehen, die sich um die Theologie Joseph Ratzingers/Benedikts XVI. besondere Verdienste erworben haben. Christian Schaller arbeitet derzeit an einer Gesamtausgabe der Werke des emeritierten Papstes. Das Gespräch führte Regina Einig.

    Christian Schaller. Foto: Archiv

    Der deutsche Dogmatiker und stellvertretende Direktor des Regensburger Institut Papst Benedikt XVI., Christian Schaller, sowie der am King's College von London tätige Bibelwissenschaftler Richard A. Burridge nehmen am Samstag im Vatikan aus der Hand von Papst Franziskus den „Premio Benedetto“ (Ratzinger-Preis) der Fondazione Vaticana Joseph Ratzinger Benedetto XVI entgegen. Der Preis wird alljährlich Personen verliehen, die sich um die Theologie Joseph Ratzingers/Benedikts XVI. besondere Verdienste erworben haben. Christian Schaller arbeitet derzeit an einer Gesamtausgabe der Werke des emeritierten Papstes. Das Gespräch führte Regina Einig.

    Seit wann beschäftigen Sie sich mit den Schriften von Papst Benedikt XVI./Joseph Ratzinger?

    Joseph Ratzinger hat es durch sein einprägsames Wort der Verkündigung den Menschen immer leicht gemacht, die Inhalte des Glaubens zu verstehen. Seine Predigten waren daher auch der Ausgangspunkt für die Beschäftigung mit seinem Werk. Und seine Bücher sind zu meinen ständigen Begleitern während des Studiums geworden. Jedes Buch brachte dabei nicht nur wissenschaftliche Erkenntnis, sondern war immer zugleich ein geistlicher Gewinn. Meine Diplomarbeit beschäftigte sich dann in Folge auch mit der Eucharistischen Ekklesiologie Joseph Ratzingers. Es ist schon eine Freude, wenn das Werk eines herausragenden Gelehrten im Mittelpunkt der täglichen Arbeit steht.

    Die Herausgabe seines Gesamtwerks hat weltweit Resonanz gehabt. Wie wird das Werk in nicht-deutschsprachigen Ländern aufgenommen?

    Der Herausgeber, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, hat in Verbindung mit dem Institut Papst Benedikt XVI. bereits sieben Bände von insgesamt 16 der Wissenschaft zur Verfügung gestellt. Noch in diesem Jahr wird ein achter Band, Jesus von Nazareth, in zwei Teilbänden erscheinen. Die Resonanz ist in der Tat sehr, sehr gut. Es gibt in vielen Ländern Tagungen und Symposien, die sich mit Einzelfragen seiner Theologie beschäftigen. Auch in Polen, Spanien und Italien sind die Gesammelten Schriften in der jeweiligen Sprache mittlerweile fester Bestandteil der theologischen Diskussion. Ebenfalls in Frankreich und in den USA wird eine Übersetzung vorbereitet. Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. hat ein umfangreiches Werk als Professor, Bischof, Kardinal und Papst geschaffen, das auch in Zukunft seine Bedeutung haben wird. Dies wird auf der ganzen Welt auch erkannt und ich bin sicher, dass die Begeisterung für die Schriften und Worte der Verkündigung mit der umfassenden Erschließung eine größere Resonanz erfahren werden.

    Empfehlen Sie die Bände auch theologischen Laien zur Lektüre? Oder richten sie sich eher an die wissenschaftliche Öffentlichkeit?

    Ein Merkmal der Theologie Joseph Ratzingers ist die enge Verknüpfung von Katheder und Kanzel. Es gehört zu seinem Verständnis der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit den Fragen des Glaubens und der Kirche, diese auf die Vermittlung und die Verkündigung auszurichten, sie nicht in den Hörsälen und Bibliotheken einzuschließen, sondern sie als Dienst an den Menschen und der Welt zu sehen. Was nützt eine Theologie, die für sich bleibt, aber nicht den Menschen das Geheimnis des Glaubens erschließt, sonders es vielmehr mit unzähligen Details verdeckt? Gerade deshalb hat Joseph Ratzinger viele Meditationen und Katechesen geschrieben und diese den Lesern geschenkt. Jeder Band der Edition enthält daher betrachtende Texte, Predigten, Interviews, welche die wissenschaftlichen Artikel und Bücher ergänzen und erläutern. Ich kann nur empfehlen, sich darauf einzulassen.

    Welcher der bisher erschienenen Bände befasst sich mit Ihrem persönlichen Lieblingsthema?

    Das ist schwer zu beantworten, weil die Texte ineinandergreifen und von selbst eine Querverbindung entsteht. Jeder Ratzinger-Text ist für mich ein Lieblingsthema. Da ich aber über die Ekklesiologie Joseph Ratzingers selbst schon gearbeitet habe, liegt Band 8 „Kirche - Zeichen unter den Völkern. Schriften zur Ekklesiologie und Ökumene“ mit diesen Themen doch ein wenig vorne. Allerdings ist mit Band 6 zur Gestalt und Person Jesus von Nazareth natürlich die Mitte unseres Glaubens angesprochen und damit auch ganz unmittelbar der Grund auch des eigenen Glaubens.

    Welche Schwerpunkte im Werk Benedikts XVI. / Joseph Ratzingers sollten im deutschsprachigen Raum wissenschaftlich stärker rezipiert werden?

    Man ist versucht, ein Detail, einen Schwerpunkt herauszusuchen, den man gerne anderen mit auf den Weg geben möchte, um Joseph Ratzinger zu verstehen. Ich würde einen anderen Vorschlag machen: Lassen wir uns führen von seinem Werk und seinen Worten. Erst dann wird die Größe seiner Gelehrsamkeit deutlich, die immer aus dem Wort der Heiligen Schrift schöpft, die sich vergewissert im Gang durch die Geschichte der Kirche und der Theologie, die sich aber dann den aktuellen Fragen der Zeit gestellt und Antworten gegeben hat. Diese Selbstverständlichkeit, in der Theologie eine Beschäftigung des Menschen zu sehen, die ihn in seiner Existenz, in seinem Leben vor Gott betrifft, das würde ich schon gerne hervorheben.

    Man kann von seiner Person und seinem Denken lernen, wie sehr man auf Gott vertrauen kann. Diese Grundhaltung in seinem Leben findet sich auch in seinen Schriften, die als Ganzes erfasst werden müssen, damit eine ehrliche und auch unvoreingenommene Rezeption stattfinden kann.