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    Eiszeit zwischen Rom und Jerusalem?

    Jerusalem (DT/KNA) Das israelische Oberrabbinat hat israelischen Medien zufolge seine offiziellen Kontakte zum Vatikan abgebrochen. Die Tageszeitung „Jerusalem Post“ berichtete in der Nacht zum Mittwoch (Online-Ausgabe), das oberste religiöse Gremium Israels reagiere damit auf die Aufhebung der Exkommunikation für den Traditionalisten-Bischof und Holocaust-Leugner Richard Williamson durch Papst Benedikt XVI. Das nächste geplante Treffen des Oberrabbinats mit dem vatikanischen Einheitsrat vom 2. bis 4. März sei bereits abgesagt. In einem Brief an den Leiter des Einheitsrates, Kardinal Walter Kasper, erkläre der Direktor des Oberrabbinats, Oded Weiner, ohne öffentliche Entschuldigung für den Vorgang und ohne Widerruf sei eine Fortsetzung des jüdisch-katholischen Dialogs „schwierig“.

    Jerusalem (DT/KNA) Das israelische Oberrabbinat hat israelischen Medien zufolge seine offiziellen Kontakte zum Vatikan abgebrochen. Die Tageszeitung „Jerusalem Post“ berichtete in der Nacht zum Mittwoch (Online-Ausgabe), das oberste religiöse Gremium Israels reagiere damit auf die Aufhebung der Exkommunikation für den Traditionalisten-Bischof und Holocaust-Leugner Richard Williamson durch Papst Benedikt XVI. Das nächste geplante Treffen des Oberrabbinats mit dem vatikanischen Einheitsrat vom 2. bis 4. März sei bereits abgesagt. In einem Brief an den Leiter des Einheitsrates, Kardinal Walter Kasper, erkläre der Direktor des Oberrabbinats, Oded Weiner, ohne öffentliche Entschuldigung für den Vorgang und ohne Widerruf sei eine Fortsetzung des jüdisch-katholischen Dialogs „schwierig“.

    Nach Angaben der „Jerusalem Post“ war der Brief Weiners der israelischen Presse zugespielt worden, noch bevor er seinen Adressaten in Rom erreichte. Dies könne zu weiteren Komplikationen in den Beziehungen führen, heißt es dazu. Der Dialog mit dem Judentum ist im Vatikan aufgrund der engen religiösen Beziehungen in einer Sonderabteilung des Rates für die Einheit der Christen angesiedelt. Der Oberrabbiner von Haifa und Vorsitzende der Dialog-Kommission des Rabbinats, Schar Jischuv Cohen, erklärte der Zeitung, er erwarte, dass Williamson seine Behauptungen zum Holocaust zurückziehe. Erst dann könnten die Treffen mit der katholischen Kirche wiederaufgenommen werden. Der Bischof hatte in einem Fernseh-Interview die Zahl der im Holocaust ermordeten Juden auf höchstens 300 000 beziffert und die Existenz von Gaskammern geleugnet. Gegen ihn wird in Deutschland wegen Leugnung des Holocaust ermittelt.

    Papst Benedikt XVI. hatte in der vergangenen Woche seine und die Exkommunikation dreier weiterer Traditionalisten-Bischöfe aufgehoben, um eine Rückkehr der Gruppierung in die katholische Kirche möglich zu machen. Er verstehe das Anliegen des Papstes, die Kirche zu größerer Einheit zu führen, sagte Cohen. Aber er hätte beachten müssen, dass er mit einem solchen Schritt indirekt Juden verletze. Er erwarte von Benedikt XVI., dass dieser „sein Bestes tun wird, um die Sache wieder in Ordnung zu bringen“.

    Der Direktor des Amerikanischen Jüdischen Komitees für Interreligiöse Angelegenheiten, Rabbi David Rosen, warf dem Papst vor, durch seinen „unüberlegten Schritt“ eine „Atmosphäre des Misstrauens“ geschaffen zu haben. Mit Blick auf den Regensburger Vortrag von 2006 und die darauf folgende Welle der Empörung in der islamischen Welt meinte Rosen, es sei nicht das erste Mal, dass Benedikt XVI. sich aufgrund „ungenügender Vorbereitung folgenschwere Patzer“ erlaubt habe. Williamson müsse in irgendeiner Weise getadelt oder dazu gezwungen werden, seine Äußerungen zu widerrufen, forderte Rosen, der auch beratendes Mitglied der Dialogkommission des Oberrabbinates ist. Bis das geschehe, könne es persönliche Kontakte zum Vatikan geben, aber keine offiziellen Treffen.