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    Eine verliehene Farbe

    Wenn wir von der Gewandung des Papstes sprechen, so verbinden wir damit allzu schnell die uns heute so vertraute weiße Kleidung. Ursprünglich aber war dem Papst die Farbe Rot zu eigen. Schon in der Vita Gregors VII. (1076) wird der rote Mantel des Papstes als herkömmlich und ihn bezeichnend genannt – „indutus rubea chlamide sicut moris est“. Wenn der Bischof von Rom bereits im ersten christlichen Jahrtausend die „chlamys purpurea“ trug, so hatte er damit eine der wichtigsten kaiserlichen Insignien, den roten Mantel des römischen Herrschers, für sich in Anspruch genommen. Die Bekleidung eines neugewählten Papstes mit dem roten Mantel war früher so wichtig, dass sie in den Quellen des öfteren erwähnt wird, um den rechtmäßigen Antritt des päpstlichen Amtes gewiss zu machen.

    Schlichte Eleganz: Die Kleidung der Kardinäle hat sich im Lauf der Jahrhunderte gewandelt. Die Aufnahme zeigt Purpurträg... Foto: KNA

    Wenn wir von der Gewandung des Papstes sprechen, so verbinden wir damit allzu schnell die uns heute so vertraute weiße Kleidung. Ursprünglich aber war dem Papst die Farbe Rot zu eigen. Schon in der Vita Gregors VII. (1076) wird der rote Mantel des Papstes als herkömmlich und ihn bezeichnend genannt – „indutus rubea chlamide sicut moris est“. Wenn der Bischof von Rom bereits im ersten christlichen Jahrtausend die „chlamys purpurea“ trug, so hatte er damit eine der wichtigsten kaiserlichen Insignien, den roten Mantel des römischen Herrschers, für sich in Anspruch genommen. Die Bekleidung eines neugewählten Papstes mit dem roten Mantel war früher so wichtig, dass sie in den Quellen des öfteren erwähnt wird, um den rechtmäßigen Antritt des päpstlichen Amtes gewiss zu machen.

    Seit dem elften Jahrhundert betrauten die Päpste immer mehr die Mitglieder des Kardinalskollegiums mit der Leitung von päpstlichen Gesandtschaften; im Pontifikat Alexanders III. (1159–1181) tauchte dann erstmals die Bezeichnung „legatus a latere“ auf. Den Legat „a latere“ („von der Seite“) entsandte der Papst als sein Alter Ego („anderes Ich“) zu bedeutenden staatlichen oder kirchlichen Anlässen. Ihm sollten die gleichen Ehren erwiesen werden, wie dem, den er vertrat. Daher bediente er sich mancher Insignien und Kleidungsstücke, die dem Papst vorbehalten waren. Über diese Legaten dürfte so der kaiserliche, päpstliche Purpur auf die Kardinäle übergegangen sein.

    Als erste, ständige „rote“ Insignie erhielten die Kardinäle den „galerus“, den großen breitrandigen Hut. Seine Verleihung wird Innozenz IV. (1243–1254) zugeschrieben; er soll ihn in der Weihnacht des Jahres 1245 dreizehn neuernannten Kardinälen aufgesetzt haben. Dieser breitrandige Hut besaß zwei mit Quasten verzierte Schnüre. Die Schnüre dienten dazu, die Kopfbedeckung durch einen Knoten unter dem Kinn zu befestigen. Die Anzahl der roten Quasten – dreißig, links und rechts je fünfzehn – ist erst seit 1832 definitiv festgelegt. Den Galerus setzten die Kardinäle später nicht mehr auf. Er wurde in der Residenz des Kirchenfürsten ausgestellt und beim Tod des Purpurträgers an das Fußende des Sterbebettes gelegt. Beim Begräbnis wurde er mitgetragen und nach der Beisetzung – wenn der Verstorbene residierender Bischof oder Erzbischof war – im Gewölbe der Kathedrale aufgehängt.

    Papst Bonifaz VIII. (1294–1303) gab den Kardinälen das Recht, den roten Talar als Chorgewand zu tragen; Paul II. (1464–1471) gewährte ihnen das rote Birett und den roten Pileolus (Scheitelkäppchen), ebenso den purpurnen Mantel und die scharlachrote Reitdecke, wenn sie ausreiten wollten. Im Übergang vom 16. zum 17. Jahrhundert hatte die Gewandung der Kardinäle dann ihre Ausprägung gefunden; sie sollte bis zur zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts keine wesentliche Veränderung mehr erfahren.

    Accessoires für feierliche und weniger feierliche Anlässe

    Die festliche Kleidung eines Kardinals war je nach Jahreszeit aus scharlachroter Moiré-Seide oder Wolle gefertigt; sie bestand aus dem Talar mit Schleppe, dem Zingulum mit zwei Goldquasten, der Mozzetta mit angedeuteter Kapuze, der Mantelletta (ein ärmelloser, nicht ganz bis zu den Knien reichender Mantel), Pileolus, Birett ohne Quaste, Seidenkollar und Strümpfen, einem mit Spitzen besetzten und an den Ärmeln mit roter Seide unterlegtem Rochett und Schuhen aus rotem Leder, die mit Goldschnallen und scharlachfarbenen Verzierungen geschmückt waren. In der Advents- und Fastenzeit – sowie während der Vakanz des Apostolischen Stuhles – bestand die Chorkleidung zum Zeichen der Buße beziehungsweise der Trauer aus violetten Gewändern, mit Ausnahme des Kollars, des Scheitelkäppchens und des Biretts, die weiterhin die rote Farbe behielten. Die Kardinäle, die aus den alten Orden kamen, behielten bis in das 20. Jahrhundert hinein bei den Gewändern – mit Ausnahme von Galerus, Birett und Pileolus – die Farbe ihres Ordensgewandes bei; zudem war der Großteil der Kleidung anstatt aus Seide aus Wolle gefertigt. Die „cappa magna“ war den großen Feierlichkeiten vorbehalten. In der Zeit von Allerheiligen bis Ostern war die Cappa gefüttert und mit Kaninchenfell oder Hermelin besetzt.

    Die außerliturgische Kleidung der Kardinäle bestand aus einer schwarzen Wollsoutane mit Fütterung, Paspelierung und Knöpfen von scharlachroter Farbe; einem mit Fransen besetztem Zingulum aus scharlachroter Moiré-Seide; rotem Seidenkollar und roten Strümpfen, schwarzen Lederschuhen mit Goldschnallen und scharlachfarbenen Verzierungen, und dem „ferraiolo“, einem weiten Umhang aus roter Moiré-Seide. Als Kopfbedeckung diente ein römischer Hut aus rotem Biberfell für die sehr feierlichen Anlässe, einer aus schwarzem Biberfell für die weniger feierlichen Gelegenheiten und einer aus Filz für den alltäglichen Gebrauch – sie alle waren mit gold- beziehungsweise rotfarbenen Bordüren, Bändern, Kordeln und Quasten geschmückt.

    Zur Mitte des 20. Jahrhunderts begann mit dem Pontifikat Pius' XII. (1939–1958) die Vereinfachung der kardinalizischen Gewandung; so setzte der Papst bei der Länge der Cappa Magna die Schere an und schnitt dem Talar sogar die Schleppe ab. Während und nach dem II. Vatikanischen Konzil (1962–1965) erfuhr die Kleidung der Kardinäle weitere Veränderungen. Die Mantelletta wurde abgeschafft, ebenso das Violett für den Advent, die Fastenzeit und die Dauer der Sedisvakanz. Durch ein Schreiben des Päpstlichen Staatssekretariates vom 31. März 1969 mussten sich die Kardinäle von dem prächtigen Biberhut und allerlei Zierrat – wie den Goldquasten des Talars und der Kapuze ihrer Mozzetta – verabschieden. Ferraiolo und Cappa Magna (ohne Fellbesatz) durften sie weiterhin benutzen; in der Regel aber verschwanden beide Kleidungsstücke als zu aufdringlich und nicht mehr zeitgemäß in de Rumpelkammer.

    Von Rüschen, Borden, Gold und Tierfellen befreit kommt heute umso stärker zum Tragen, was die engsten Mitarbeiter des Papstes auszeichnet und erkennbar macht: die Farbe Rot.