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    Eine große Chance

    Warum hat es den neuen Jugendkatechismus gebraucht? Das 2005 erschienene Kompendium sollte eine Zusammenfassung des großen Katechismus der katholischen Kirche (KKK) sein.

    Marie Heereman gehörte zu dem Team, das an der Entstehung des Jugendkatechismus mitgearbeitet hat. Die 21-jährige studie... Foto: priv

    Warum hat es den neuen Jugendkatechismus gebraucht?

    Das 2005 erschienene Kompendium sollte eine Zusammenfassung des großen Katechismus der katholischen Kirche (KKK) sein. Leider ist seine Sprache für Jugendliche und Erwachsene mit wenig theologischem Hintergrundwissen schwer bis kaum verständlich ist. Kardinal Schönborn aus Wien äußerte bei der Präsentation des Kompendiums, dass es nun noch ein Buch für Jugendliche brauche.

    Das liegt nun vor. Was zeichnet den YOUCAT aus?

    Das neue am YOUCAT ist, dass er sich in Sprache und Layout speziell an Jugendliche und deren Denkwelt richtet. Der Inhalt entspricht zu 100 Prozent der Lehre und Tradition der Kirche, doch die Aufbereitung der Themen ist neu. Das Frage- und Antwort-Schema ist das der früheren Katechismen. Zu jeder Frage ist der zugehörige Paragraph des KKK vermerkt, den man somit bei weiterreichendem Interesse leicht finden kann. Darüber hinaus gibt es eine reich und originell bestückte Maginalspalte. Sie deutet auf passende Bibelstellen, gibt Zitate eines Heiligen oder einer bekannten Persönlichkeit sowie Definitionen eventuell unbekannter Begriffe. Wer nicht weiß, was genau „Absolution“ eigentlich bedeutet, bekommt dort eine einfache, korrekte Erklärung.

    Die lustigen Strichmännchen und Zeichnungen versüßen das Lesen und lassen einen häufig schmunzeln. Ich habe an mir selber gemerkt, dass ich auf der Suche nach einem weiteren lustigen Bildchen auf Fragen gestoßen bin, die ich mir spontan nicht gestellt hätte, die mich aber nachhaltig beschäftigt haben.

    Sie gehörten zu dem Team, das an der Entstehung des YOUCAT mitgearbeitet hat. Wie muss man sich das vorstellen, worin bestand die Aufgabe der Jugendlichen, die an der Entwicklung des Jugendkatechismus beteiligt waren?

    Einige Wochen bevor wir Jugendlichen, 50 Jungen und Mädchen zwischen 16 und 26 Jahren, uns das erste Mal für eine Woche mit den vier Autoren trafen, bekamen wir das Kompendium zugesandt. Jedem wurden bestimmte Paragraphen zugeteilt, die er auf Verständlichkeit überprüfen und der Gruppe vorstellen sollte. Wir wurden in vier Gruppen, die altersmäßig gemischt waren, aufgeteilt und diskutierten mit unseren Referenten, den späteren Autoren, die Texte und diese schrieben unsere Kommentare, Verbesserungsvorschläge und Beschwerden auf. Oft kam uns eine Frage anfänglich überflüssig und zu abstrakt vor. Nach den Erklärungen des Referenten fanden wir dann, dass die Frage auf keinen Fall gestrichen werden darf. Das zeigt, wie sehr die Empfänglichkeit für eine Glaubenswahrheit von deren Aufbereitung abhängt!

    Wer soll den Jugendkatechismus denn lesen? Für wen ist er gedacht?

    Der YOUCAT richtet sich an alle Menschen, die eine konkrete Antwort auf eine konkrete Frage zum katholischen Glauben suchen. Da uns mit den evangelischen Christen mehr Themen verbinden als trennen, könnten auch sie sich angesprochen fühlen! Der YOUCAT ist ein Buch, das sowohl privat zu gebrauchen ist, also auch im Religionsunterricht, in der Firmvorbereitung und überall dort, wo Menschen sich mit dem Glauben beschäftigen wollen. Wer schnell eine einfache und gut vermittelbare Antwort sucht, ist genau richtig aufgehoben. Ich glaube, dass der Jugendkatechismus für Theologen, die mit Jugendlichen oder kirchlich wenig gebildeten Erwachsenen arbeiten, aufgrund sein Klarheit und Kürze eine große Hilfe in der Lehre sein kann. Ich vermute – mittlerweile selbst Studentin der Theologie –, dass er auch dem ein oder anderen von uns, der vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht, helfen wird.

    Der YOUCAT heißt zwar Jugendkatechismus, aber eigentlich ist er für jeden Christen egal welchen Alters eine Bereicherung.

    Glauben Sie, dass man mit Katechismuswissen heute noch Jugendliche begeistern kann? Katechismus lesen – klingt ziemlich uncool...

    ...Katechismus vielleicht – aber YOUCAT?!

    Ich finde es eindeutig cooler, sich in seinem Glauben auszukennen, als sich nicht auszukennen. Und ich finde es noch cooler, das Wissen aus eigenen Recherchen und eigener Beschäftigung mit dem Glauben zu gewinnen, als es nur von anderen zu übernehmen. Natürlich lassen sich auch im Religionsbuch qualifizierte Antworten finden! Doch sind die Themen des Religionsbuchs die des Lernplans und wenn das Thema meiner Frage im Lehrplan der entsprechenden Jahrgangsstufe nicht auftaucht, bekomme ich darauf auch keine Antwort. Es ist schwierig für einen Jugendlichen, der angeregt durch den Unterricht oder ein anderes Erlebnis weiterführende Antworten sucht, ein Buch zu finden, das ihn sprachlich und inhaltlich nicht überfordert, gleichzeitig aber umfassend genug informiert und ernst nimmt.

    Da der Jugendkatechismus sehr attraktiv gestaltet ist, kann es seine äußere Form sein, die Jugendliche anzieht. Warum soll der Humor nicht der richtige Weg sein, die Menschen auch dem Inhalt wieder näher zu bringen? Ich denke ein Jugendlicher verzeiht der Kirche ihre strenge Haltung zur Sexualität leichter, wenn er vorher mehrmals über die Zeichnungen lachen musste. Da das Buch auf sensible und liebevolle Art mit besagtem Thema umgeht, wird es vermutlich viele Vorurteile aus dem Weg räumen und die kirchliche Lehre in neuem Licht erscheinen lassen.

    Würden Sie den YOUCAT auch Freunden oder Bekannten in die Hand drücken, die mit Glaube und Kirche bislang wenig am Hut haben?

    Absolut! Erstens ist er ästhetisch so ansprechend, dass man ihn gerne in die Hand nimmt und zweitens ist er in seiner selbstverständlichen Kirchentreue teilweise so provokant, dass er für einen Skeptiker schon wieder interessant ist. Und gerade das ist eine große Chance, miteinander über den Glauben ins Gespräch zu kommen. Außerdem wird ein Nichtgläubiger am YOUCAT zumindest merken, dass er seinen Verstand nicht aufgeben muss, um an Gott zu glauben. Vermutlich lässt es ihn auch nicht unberührt, an den Zitaten in den Maginalspalten festzustellen, wie viele berühmte Politiker, Philosophen, Widerstandskämpfer und Wissenschaftler gläubige Menschen waren.