• aktualisiert:

    Eine bayerische Enklave in Rom

    Rom (DT) Fast ist es eine kleine bayerische Enklave weit im Süden Roms: Die katholische Gemeinde im relativ neuen Stadtteil „Infernetto“ (kleine Hölle) hat endlich einen eigenen Kirchenbau erhalten, und die Pfarrei ist mit der Erzdiözese München und Freising nun in mehrfacher Weise verbunden: Sie trägt den Namen des Freisinger Bistumsgründers Korbinian, sie wurde am vergangenen 20. März von dem Papst geweiht, der den Bär des Heiligen in seinem Wappen trägt – Benedikt XVI. –, und sie hat seit vergangenem Sonntag als Pfarrer niemand geringeren als den Münchener Erzbischof. Kirchenrechtlich gesehen ist er das, nachdem Reinhard Marx im Konsistorium des vergangenen Novembers in den Kardinalsstand aufgenommen, ihm vom Papst die römische Pfarrkirche San Corbiniano als Titelkirche zugewiesen wurde und er diese am vergangenen Sonntag offiziell „in Besitz genommen“ hat. Natürlich bleibt der junge Don Antonio Magnotta, der den Bau der Kirche zu überwachen hatte, der Pfarrer für seine Leute. Aber in den Urkunden wird er jetzt nur noch als Vize-Pfarrer oder Vikar des Münchener Kardinals geführt.

    Rom (DT) Fast ist es eine kleine bayerische Enklave weit im Süden Roms: Die katholische Gemeinde im relativ neuen Stadtteil „Infernetto“ (kleine Hölle) hat endlich einen eigenen Kirchenbau erhalten, und die Pfarrei ist mit der Erzdiözese München und Freising nun in mehrfacher Weise verbunden: Sie trägt den Namen des Freisinger Bistumsgründers Korbinian, sie wurde am vergangenen 20. März von dem Papst geweiht, der den Bär des Heiligen in seinem Wappen trägt – Benedikt XVI. –, und sie hat seit vergangenem Sonntag als Pfarrer niemand geringeren als den Münchener Erzbischof. Kirchenrechtlich gesehen ist er das, nachdem Reinhard Marx im Konsistorium des vergangenen Novembers in den Kardinalsstand aufgenommen, ihm vom Papst die römische Pfarrkirche San Corbiniano als Titelkirche zugewiesen wurde und er diese am vergangenen Sonntag offiziell „in Besitz genommen“ hat. Natürlich bleibt der junge Don Antonio Magnotta, der den Bau der Kirche zu überwachen hatte, der Pfarrer für seine Leute. Aber in den Urkunden wird er jetzt nur noch als Vize-Pfarrer oder Vikar des Münchener Kardinals geführt.

    Dennoch war Don Antonio stolz und glücklich, als er seine Pfarrei dem neuen Hausherrn als „die schönste Gemeinde“ Roms vorstellen konnte. Damit meinte er wohl eher die vielen jungen Familien mit ihren zahlreichen Kindern, die bei der Feier der Inbesitznahme das Bild der jungen Gemeinde prägten. Denn der Kirchenbau, der rechtzeitig zum Empfang der Münchener Gäste fertig geworden ist, gehört zu den modernen Sakralbauten, über deren Schönheit sich streiten lässt. Von weitem erinnert er eher an ein kleines Kraftwerk als an ein Gotteshaus.

    Aber vielleicht war die Freude Don Antonios auch ganz praktischer Natur. Schon die altehrwürdige Kirche Santo Stefano Rotondo auf dem Celio-Hügel in Rom hat über Jahre ganz kräftig davon profitiert, dass sie als Titelkirche Kardinal Friedrich Wetter zugewiesen worden war. Und dass es für San Corbiniano kein Nachteil ist, den Herr über den Finanzhaushalt des nicht gerade armen Erzbistums München-Freising als „Pfarrer“ zu haben, liegt auf der Hand. Ein sichtbares Geschenk von Kardinal Marx stand schon in einer Nische des Kirchenbaus: eine moderne Statue des heiligen Korbinian mit Bär, die die Künstlerin Lioba Leibl entworfen hat.

    Wie bei seiner Erhebung zum Kardinal war Erzbischof Marx mit einer stattlichen Delegation angereist. Die Weihbischöfe Wolfgang Bischof und Engelbert Siebler begleiteten ihn, dann das Münchener Domkapitel, Mitglieder des Diözesanrates, eine Blaskapelle in bayerischer Tracht und Kisten mit Korbinians-Bären aus Lebkuchen; sie wurden bei dem Pfarrfest nach dem Gottesdienst an die Kinder von San Corbiniano ausgeteilt. Bei der feierlichen Messe konzelebrierte Kurienbischof Josef Clemens, der Sekretär des Päpstlichen Laienrates.

    Ein Monsignore aus dem Vatikan, ein sogenannter Apostolischer Protonotar, las – mit starkem englischen Akzent – die beiden auf Latein abgefassten Bullen Papst Benedikts vor, mit denen dieser Erzbischof Marx in den Kardinalsstand aufgenommen und die Pfarrkirche San Corbiniano zur Titelkirche für einen Kardinal der heiligen römischen Kirche erhoben hatte. Damit war die Sache offiziell. Don Antonio las die Übersetzung ins Italienische vor – und die Gemeinde antwortete mit starkem Applaus.

    In seiner Predigt erinnerte Kardinal Marx an die besondere Bedeutung, die das Rom der Päpste für den Bistumsgründer Korbinian – einen gebürtigen Franzosen – gehabt habe. Es sei ein Mandat des Nachfolgers Petri gewesen, das den Heiligen im achten Jahrhundert schließlich nach Freising geführt habe, wo er der einheimischen Bevölkerung und den zurück gebliebenen Familien, die die Besatzungsmacht des Römischen Reichs in das heutige Bayern geführt hatte, eine kirchliche Ordnung und eine Unterweisung im christlichen Glauben gab. Marx bat die Gemeinde, ihn in ihrer Mitte aufzunehmen und für seine Mission zu beten. Dieser Gottesdienst heute, so der Kardinal, sei ein Zeichen, dass Ostern weitergehe bis ans Ende der Zeiten. „Gott wirkt in uns“, sagte Marx, und das sei ein Aspekt des Glaubens, der die Christen von allen anderen Religionen der Welt unterscheide.