• aktualisiert:

    Würzburg

    Eine Personalie, die Fragen aufwirft

    In Lourdes gibt es hervorragende Seelsorge - und viel Kommerz. Lässt der Vatikan den südfranzösischen Wallfahrtsort deshalb untersuchen?

    Kurienerzbischof Rino Fisichella
    Papst Franziskus hat Kurienerzbiscof Rino Fisichella mit einer Untersuchung der Wallfahrt in Lourdes beauftragt. Foto: Weizenegger

    Personalien werfen manchmal mehr Fragen auf, als vor ihrer Bekanntgabe im Raum standen. Um den Auftrag des kürzlich von Papst Franziskus ernannten Delegierten für Lourdes rankten sich jedenfalls schon Spekulationen, ehe sich dieser öffentlich zu Wort meldete. Denn anders als in Medjugorje erwartete die Weltkirche kein klärendes Wort des Heiligen Stuhls.

    Es gibt keinen „Fall Lourdes“ – aber nun blühen die Gerüchte. Die Mutmaßung, wo ein außergewöhnlicher Sondergesandter auftaucht, dürften Missstände oder zumindest besorgniserregende Vorfälle aktenkundig geworden sein, bleibt indes in der Schwebe. Weihbischof Antoine Herouard von Lille begnügte sich mit der banalen Feststellung, der „Schwerpunkt muss einfach die geistliche und pastorale Dimension des Pilgerortes bleiben“. Von welchem Wallfahrtsziel der katholischen Kirche ließe sich das nicht sagen?

    Der Kommerz in Lourdes ist nicht Sache der Kirche

    Die These, der Vatikan wolle die vermeintliche Geschäftemacherei in Lourdes beenden, hinterlässt Ratlosigkeit, denn der Kommerz fällt in Lourdes nicht mehr auf als in Guadalupe oder in Fatima. Er wird auch nicht von den Heiligtümern betrieben, sondern ist Sache der Einzelhändler und Hotelbesitzer, die der Kirche nicht weisungsgebunden sind. Der persönliche Gusto der Pilger ist so vielfältig wie die weltweite katholische Kirche. Toleranz und Gelassenheit bewähren sich im Umgang mit dem Kitsch. Die Heiligtümer von Lourdes bieten mit ihrer Buchhandlung im Eingang des Heiligen Bezirks jedenfalls eine seriöse Alternative zu den bunten Läden entlang der Pilgerwege.

    Auch das heikle Thema Messstipendien ist in Lourdes gelöst worden. Im Vergleich zu den in Frankreich überregional uneinheitlichen Preisen bewegen sich die Heiligtümer im mittleren Bereich. Es liegt auch nicht in der Macht des Ortsbischofs von Tarbes oder des Rektors, dem Land einen wie in Deutschland üblichen Einheitstarif zu verordnen. Dass die Gebühren für ein Missstipendium innerhalb einer Diözese um dreißig bis vierzig Prozent voneinander abweichen können, ist – weltkirchlich betrachtet – nicht ungewöhnlich und nicht den Heiligtümern anzulasten.

    Gesprächsbedarf wäre im forum internum besser geklärt worden

    Sicher ist, dass die Grotte von Massabielle als alljährlicher Treffpunkt der Vollversammlung der französischen Bischöfe im Fokus liegt. Die Spekulation, boomende Wallfahrtsorte würden in Zeiten versiegender weltkirchlicher Geldquellen für den Heiligen Stuhl für diesen immer interessanter, erhält durch Personalien wie die des Sondergesandten für Lourdes neue Nahrung. Bewiesen ist sie nicht. In jedem Fall hätte man sich ein Forum internum gewünscht. wenn der Vatikan Gesprächsbedarf mit den Verantwortlichen eines Wallfahrtsortes hat, an dem vorbildlich Seelsorge geleistet wird. Das öffentliche Bild der Kirche ist nicht unzerstörbar. Wer könnte das besser beurteilen als der Vatikan?

    Weitere Artikel