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    Eine Brücke zum Himmel

    Würzburg (DT) „Cantemus, cantemus in viis Domini!“ Viele Male erklingt der eingängige Vers aus mehr als 3 000 Stimmen im Würzburger Dom. Mit diesem Gesang ist die feierliche Abschlussmesse des 6. Deutschen Chorfestes der Pueri Cantores in Würzburg zu Ende gegangen. 80 Minuten lang feierten die Kinder und Jugendlichen konzentriert und andächtig die Heilige Messe mit und folgten den Worten von Bischof Friedhelm Hofmann, bis sich nach dem letzten Gesang ihre Freude und Begeisterung auch in kräftigen Beifallsstürmen ausdrückt. An den Gesichtern der jungen Sängerinnen und Sänger ist zu erkennen, wie bewegt und glücklich sie zum Ende ihres Chortreffens sind. Für Annika, Elisha, Victoria und Chiara, die jüngsten Sängerinnen der Schola canentium St. Lamberti aus Gladbeck, die zum ersten Mal bei einem Chortreffen dabei sind, ist es diese Stimmung, die ihnen in Erinnerung bleiben wird: „Das ist ein ganz toller Abschluss, aber auch das Proben vorher hat uns viel Spaß gemacht.“

    Ohne die Bestuhlung fanden im Kilians-Dom Tausende junger Sänger Platz und sorgten für ein unvergessliches musikalisches... Foto: POW/Hauck

    Würzburg (DT) „Cantemus, cantemus in viis Domini!“ Viele Male erklingt der eingängige Vers aus mehr als 3 000 Stimmen im Würzburger Dom. Mit diesem Gesang ist die feierliche Abschlussmesse des 6. Deutschen Chorfestes der Pueri Cantores in Würzburg zu Ende gegangen. 80 Minuten lang feierten die Kinder und Jugendlichen konzentriert und andächtig die Heilige Messe mit und folgten den Worten von Bischof Friedhelm Hofmann, bis sich nach dem letzten Gesang ihre Freude und Begeisterung auch in kräftigen Beifallsstürmen ausdrückt. An den Gesichtern der jungen Sängerinnen und Sänger ist zu erkennen, wie bewegt und glücklich sie zum Ende ihres Chortreffens sind. Für Annika, Elisha, Victoria und Chiara, die jüngsten Sängerinnen der Schola canentium St. Lamberti aus Gladbeck, die zum ersten Mal bei einem Chortreffen dabei sind, ist es diese Stimmung, die ihnen in Erinnerung bleiben wird: „Das ist ein ganz toller Abschluss, aber auch das Proben vorher hat uns viel Spaß gemacht.“

    Bischof Hofmann drückte aus, was viele dachten: „Wie schade, dass diese Tage des Deutschen Pueri-Cantores-Treffens zu Ende sind, werden wohl viele von Euch sagen.“ Und in Anspielung auf den beginnenden Regen fügte er hinzu: „Sogar der Himmel weint ein bisschen, und auch manche von Euch werden bestimmt ein paar Tränen verdrücken.“

    Das Pontifikalamt im Würzburger Dom, der für die Teilnehmer des Chorfestes ganz freigeräumt worden war und so ein beeindruckendes Raumerlebnis bot, zeigte die Lebendigkeit und musikalische Bandbreite der Chöre des Deutschen Chorverbandes Pueri Cantores („Singende Kinder“). Zur Liturgie gehörten sowohl bekannte Liedsätze wie Johann Sebastian Bachs „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ und das lateinische Choralcredo, aber auch eigens für das Chorfest entstandene Kompositionen von Christian Heiß, Thomas Kiefer, Oliver Sperling und John Barnard.

    Als liturgisches Grundgerüst sangen die 92 Chöre gemeinsam die „Missa Laudate pueri“ von Berthold Hummel. Der 2002 verstorbene Würzburger Komponist konnte die ersten Teile, die er bereits 1996 für den Internationalen Kongress der Pueri Cantores in Salzburg komponiert hatte, noch kurz vor seinem Tod zu einem kompletten Messordinarium vervollständigen. Neben dem vierstimmigen Chor und der Begleitung durch Bläser, Orgel und Schlagwerk kann dabei auch die Gemeinde immer wieder mit eingängigen Versen einstimmen. Die Gemeinde bildeten alle Pueri Cantores, den Vorsängerchor die Jugendkantorei am Würzburger Dom unter Leitung von Domkapellmeister Martin Berger, in dessen Händen auch die musikalische Gesamtleitung lag.

    Fünf weitere Chorleiter und die Übertragung auf große Leinwände unterstützten ihn dabei, damit die Sängerinnen und Sänger auch im Querschiff und in den Seitenschiffen beim gemeinsamen Singen den richtigen Takt halten. Mal singen alle Pueri Cantores gemeinsam, mal singen einzelne Chöre oder Chorgruppen vor. Im Querschiff haben die Knabenchöre Aufstellung genommen, im Hauptschiff und in den Seitenschiffen die Mädchen-, Kinder und Jugendchöre. Die weiteren Vorsängeraufgaben teilten sich die Regensburger Domspatzen, die Essener Domsingknaben und die Mädchenkantorei am Rottenburger Dom.

    Schon beim Mottolied des Chorfestes „Singen von Gottes Wegen, gehen im Licht des Herrn“ zu Beginn der Liturgie erfüllte der Chor den ganzen Dom. „Ihr tragt durch Euren Gesang dazu bei, dass der Himmel schon jetzt besser erkannt wird. Eure Musik schlägt eine Brücke von der Vorläufigkeit dieser Welt zum überwältigenden Himmel Gottes“, sagte der Würzburger Oberhirte. In seiner Predigt erklärte Bischof Friedhelm Hofmann, wie bedeutsam der Gesang der Kinder in der Liturgie ist: „Durch Euren Gesang – zumal im Gottesdienst – helft Ihr den Menschen, die verborgene Gegenwart Gottes zu erkennen. Ihr arbeitet also nicht nur mit an einer besseren, friedvolleren Welt – und das ist schon sehr wichtig –, sondern auch daran, dass wir einen Spalt weit in den Himmel schauen können.“

    In Bezug auf das Sonntagsevangelium verglich der Pueri-Cantores-Bischof das Wachstum der Chorvereinigung, die nach dem Zweiten Weltkrieg von Frankreich aus entstand und heute in mehr als 30 Ländern verbreitet ist, mit dem Gleichnis vom Senfkorn; der Deutsche Chorverband Pueri Cantores bildet mit fast 400 Chören dabei mehr als die Hälfte der Mitgliedschöre weltweit. „Ihr seid in diesen Tagen ein wunderbarer Beleg dafür, dass aus dem kleinen Samenkorn des Beginns nach dem Zweiten Weltkrieg nun ein so großer Chor-Baum gewachsen ist.“ Die Chöre seien nach Würzburg gekommen, um durch die Schönheit ihres Gesangs und durch die fröhliche Gemeinschaft im Glauben „von Gott und dem Himmel Zeugnis abzulegen“.

    Bischof Hofmann bestärkte die Kinder und Jugendlichen in ihrem Dienst: „Ihr könnt als Sängerinnen und Sänger nicht nur Farbe in den tristen Alltag bringen, sondern durch Euer frohes Singen die Menschen erfreuen, begeistern und für Gott gewinnen. Ihr seid dann wahrhaft „Singende Botschafter des Lieben Gottes“. Wenn dies gelingt, dann bricht schon jetzt ein wenig der Himmel auf Erden an.“ Bei der Verabschiedung der Chöre nach der Messfeier im Dom musste der Präsident des Deutschen Chorverbandes Pueri Cantores, Matthias Balzer aus Trier, zugeben: „Es war so bewegend, dass mir beim Singen manchmal fast die Stimme wegblieb.“ Er trage aus diesen Tagen mehrere Ohrwürmer in sich, die ihn wohl noch lange weiter begleiten werden.

    Domkapellmeister Werner Pees aus Bamberg fasste nach dem Gottesdienst zusammen, was wohl alle Sängerinnen und Sänger und ihre Chorleiterinnen und Chorleiter empfunden haben: „Wir sind bereichert und beschenkt und werden noch lange vom Erlebnis dieser Liturgie zehren. Das Besondere unserer Chorarbeit ist ja gerade die Nachhaltigkeit.“ Adrian, Jakob und Tassilo, die zu den ältesten Sopransängern der Moosburger Sängerknaben gehören und schon zum letzten Jahreswechsel beim Internationalen Chortreffen der Pueri Cantores in Rom dabei waren, resümierten: „Das gemeinsame Singen in der großen Gemeinschaft mit allen Pueri Cantores ist immer ein ganz starkes Erlebnis, aber auch das übrige Programm war sehr gut.“

    Für die Knabenchöre gehörte zum Beispiel auch ein Fußballturnier dazu, das die Knaben des Kölner Domchors gewannen. Nach der Eröffnung am Mittwochabend mit einer Prozession von der Festung über die Alte Mainbrücke zum Dom und dem ersten ganzen Tag in Würzburg waren die Chöre am Freitag in die Diözese ausgeströmt, geordnet nach Chorgattungen: die Kinderchöre versammelten sich in Münnerstadt und Karlstadt, die Mädchenchöre in Kitzingen und Ochsenfurt, die Knabenchöre in Miltenberg und die Jugendchöre in Aschaffenburg. An allen Orten hielten sie zeitgleich Friedensgebete, danach folgten Offene Singen auf Plätzen und in Altenheimen und ein buntes Freizeitprogramm, abgestimmt auf die jeweilige Zielgruppe. Am Donnerstag und Samstag bevölkerten die Pueri Cantores die Würzburger Innenstadt und ihre Kirchen. In der Marienkapelle am Markt kamen jeweils mehrere Chöre zu insgesamt zehn gesungenen Friedensgebeten zusammen; im Neumünster, im Stift Haug, in St. Michael und in St. Stephan gestalteten sie miteinander Begegnungskonzerte und boten dabei einen eindrucksvollen Beweis der hohen Qualität ihrer musikalischen Arbeit.

    „Unsere Stadt ist durch den Gesang in den Kirchen und auf den Plätzen wie verwandelt“, hörte man in diesen Tagen in Würzburg immer wieder. Es war ein wahrer Klangteppich des Lobes Gottes, den die Pueri Cantores über der Stadt ausbreiteten. Die bayerische Landtagspräsidentin Barbara Stamm, die die Schirmherrschaft über das Chorfest der Pueri Cantores übernommen hatte, erlebte dies auch und betonte, wie wichtig es für die Kinder und Jugendlichen ist, sich gegenseitig im Glauben zu stärken und Gemeinschaft zu erleben. „Die Pueri Cantores sind der beste Beweis dafür, dass Singen den Glauben lebendig hält und die Menschen verbindet.“

    Der Würzburger Domkapellmeister Martin Berger, der mit dem Team der Würzburger Dommusik in der Vorbereitung und während der Tage des Chorfestes die Hauptverantwortung trug, zeigte sich zum Abschluss von Erleichterung und Dankbarkeit erfüllt: „Die Botschaft, die durch die jungen Leute in Würzburg rübergekommen ist, lautet: Die Kirche ist jung und begeisterungsfähig.“

    Sein Vorgänger als Würzburger Domkapellmeister, Siegfried Koesler, der im Jahr 1970 ein internationales Chortreffen der Pueri Cantores in Würzburg geleitet hatte, war im Rückblick auf die Tage beeindruckt, wie konzentriert und diszipliniert die Kinder und Jugendlichen beim Singen und bei der Feier der Liturgie sind, andererseits aber auch ausgelassen jubelnd und fröhlich sein konnten.

    Mit der Frische ihrer Jugend und der Kraft ihrer Musik sind die Pueri Cantores der beste Beweis dafür, wie jung und überzeugend die Kirche auch in der heutigen Zeit sein kann, wenn das Lob Gottes und die Feier der Liturgie im Mittelpunkt stehen.