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    Eine Botschaft zum Aufatmen

    Bonn/Wien (DT/KNA/KAP) Vertreter der beiden großen Kirchen in Deutschland haben zu Weihnachten zum gesellschaftlichen Zusammenhalt aufgerufen. Terrorattacken und Rechtspopulismus dürften nicht dazu führen, dass sich die Gesellschaft spalte. Viele Bischöfe verurteilten Gewalt im Namen von Religion.

    Geistliche Inspiration in friedlosen Zeiten: Das Kind in der Krippe. Foto: Krogmann

    Bonn/Wien (DT/KNA/KAP) Vertreter der beiden großen Kirchen in Deutschland haben zu Weihnachten zum gesellschaftlichen Zusammenhalt aufgerufen. Terrorattacken und Rechtspopulismus dürften nicht dazu führen, dass sich die Gesellschaft spalte. Viele Bischöfe verurteilten Gewalt im Namen von Religion.

    Der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sieht das Weihnachtsfest als „Mutmacher zum Leben“. Angst und Hass dürften die Gesellschaft nicht vergiften, sagte er am Samstagabend im Münchner Liebfrauendom. Die Realitäten der Welt seien nicht unveränderlich, fügte der Kardinal hinzu. „Wir können etwas tun durch unser Reden und Handeln.“ Es sei dabei von großer Bedeutung, ob die Grundstimmung von Zuversicht und Hoffnung geprägt sei oder von Angst und Ressentiment.

    Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki betonte, die Menschen sollten sich nicht zuerst in Gegensatz zu anderen sehen oder die Angst wahrnehmen. Es komme vielmehr darauf an, im anderen „einen Menschen wie mich selbst“ zu sehen: bedürftig und voller Hoffnung auf ein gutes oder besseres Leben.

    Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck kritisierte Fake-News und mahnte eine auf Fakten basierende und an der Wahrheit orientierte Kommunikation an. Er verwies im Essener Dom besonders auf Menschen, die das Wort „Lügenpresse“ in gefährlicher Weise nutzten. Gute Kommunikation brauche „Echoräume von Vertrauen und positiver Kritik“.

    Der Aachener Bischof Helmut Dieser rief zur weltweiten Wahrung der Religionsfreiheit auf. In jedem Land müsse es möglich sein, sich zu informieren, auszutauschen, die eigene Religion auszuüben oder eine andere anzunehmen, sagte er bei der Weihnachtsmesse am Sonntag im Aachener Dom. Dies müsse überall möglich sein, „auch in mehrheitlich muslimischen Ländern“, so Dieser mit Blick auf die Debatte um ein „Weihnachtsverbot“ an einer deutschen Schule in Istanbul. „Wir können nicht in einer Welt friedlich zusammenleben, wenn wir das nicht lernen und uns gegenseitig ermöglichen“, sagte der Bischof laut Redemanuskript. Keine Kultur oder Religion könne sich in der globalisierten Welt abschließen und den offenen Austausch verweigern. Dies führe zu Unterdrückung und Verleugnung und „es bringt nur Lüge, Unfreiheit und Gewalt hervor“. Das „türkische Weihnachtsverbot“ komme nach seiner Einschätzung „nicht aus einer Position der Stärke“, so Dieser weiter. Es sei die Frage, ob man „Angst vor der Weihnachtsbotschaft“ haben müsse und ob allein das Kennenlernen dieses Festes schon Missionierung sei.

    Der Münsteraner Bischof Felix Genn sagte, „wenn Menschen zerstört werden und wenn sich jemand dabei auf Gott beruft“, regiere Gottlosigkeit. Wenn sich dagegen alle an Jesus Christus hielten, „gäbe es weder Aleppo, gäbe es nicht Mossul oder andere Kriegsgebiete, Terror und Gewalt, vor allem nicht Flucht und Vertreibung“. Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker verurteilte die Gewalt. Aus der Geburt des Gottessohnes gehe der Auftrag hervor, alles Menschliche zu verteidigen, wo ihm Gewalt angetan werde. Der Rottenburg-Stuttgarter Bischof Gebhard Fürst erklärte, jede Form von Gewalt widerspreche dem Bild Gottes vom Menschen. „Ebenso unfassbar wie Attentate islamistischer Terroristen ist für mich der Hass von Extremisten hierzulande, der jenen entgegenschlägt, die aus den Krisenregionen fliehen und die auf unser Mitgefühl angewiesen sind.“

    Der Berliner Erzbischof Heiner Koch sagte, in der Krippe von Bethlehem verbinde sich Gott mit der Erbärmlichkeit des Menschen: „Im Stall bleibt er bei den Obdachlosen, auf der Flucht geht Gott an der Seite aller Flüchtenden, mit den Gefolterten lässt er sich blutig schlagen.“ Weihnachten sei für Christen eine Aufforderung zum Widerstand, „wo die unbedingte Würde eines Menschen gefährdet oder geschändet ist“. Der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann sieht mit Sorge, dass zunehmend marktorientiertes Denken auf Aspekte des Lebens übergreift. Mehr und mehr bestimmten nicht mehr die christlichen Werte das gesellschaftliche Leben, sondern die Suche nach dem Profit, beklagte Hofmann in seiner Weihnachtspredigt am ersten Feiertag im Würzburger Dom. Das aber stelle letztlich die Grundordnung auf den Kopf und verschärfe die Spaltung zwischen Arm und Reich. Wenn Gott Mensch werde in dem kleinen Kind von Bethlehem, begebe er sich arm und hilflos in die Welt und widerlege so schon im Beginn die Regeln einer kommerziellen Gesellschaft, sagte Hofmann. Hierin sei die Würde eines jeden Menschen in seiner Gottesebenbildlichkeit begründet.

    Die Hingabe Gottes an den Menschen erforderte die Hingabe an den Nächsten. Es dürfe deshalb weiterhin nicht das Gesetz des Marktes das Denken und Handeln bestimmen, sondern die Liebe Gottes. Zu Weihnachten gelte nicht mehr der Satz „Ich konsumiere, also bin ich!“, sondern „Ich lebe, weil ich liebe“, so der Bischof.

    Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke sagte, dass Gott Mensch geworden sei, um in die dunklen und schäbigen Zonen der Welt zu gehen. Er komme zu den Sündern, Armen und Kranken sowie zu den vom Leben Bestraften. Dabei nehme er auch die Ablehnung der Menschen in Kauf. Die Unfähigkeit, lieben zu können, werde zur Quelle vieler Konflikte im Miteinander, stellte der Bischof fest. Gewalttätigkeit, die sich stets gegen den Schöpfer richte, werde als Gottesdienst verstanden. Der Mensch wolle im „Modus des Habens“ leben. Dabei reiße er die Schöpfung an sich und bediene sich am Leben auf Kosten anderer.

    Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick nahm das Schicksal der Kinder weltweit in den Blick. Im Heinrichsdom in Bamberg erinnerte er an kinderreiche Familien in Deutschland, in denen viele Mädchen und Jungen „bettelarm“ seien. Kinderreichtum und Armut gehörten leider Gottes oft zusammen. Dies müsse unbedingt abgestellt werden.

    In Augsburg sagte Bischof Konrad Zdarsa, am Fest von Christi Geburt „erfahren wir ein Stück mehr, was die göttliche Offenbarung und die Einheit der Heiligen Schrift bedeutet“. Indem die Christen das Wort Jesu ernst nehmen und seinen Auftrag wahrnehmen würden, hinausgingen und weitergeben würden, „können wir mit seiner bleibenden Nähe rechnen“.

    In Regensburg betonte Bischof Rudolf Voderholzer, dass Hass und Terror kein Argument gegen Weihnachten seien. Vielmehr werde nun sichtbar, „wie notwendig wir Weihnachten brauchen“. Die wichtigsten Dinge wie Gesundheit, Liebe, Zuneigung und auch den Frieden gebe es nur geschenkt. Die Gläubigen rief der Bischof auf, um das Geschenk des Friedens zu beten.

    Im Kind von Bethlehem hätten die Menschen einen „göttlichen Bruder“, betonte der Bischof von Passau, Stefan Oster. Jesus mache deutlich, dass man dem Fremden, dem Flüchtling, dem Leidenden und dem Ausgestoßenen liebevoll begegnen könne und auch den Gewalttätern nicht mit Hass begegnen solle.

    Weihnachten will aus Sicht des Limburger Bischofs Georg Bätzing die Welt verändern, die „nach Erlösung schreit“. Bei seiner ersten Weihnachtspredigt als Bischof von Limburg sagte er im Dom, bei dem Fest werde „nicht eine von vielen Promi-Geburtstagsgeschichten erzählt, um abzulenken von der Trivialität unseres Alltags“, sondern es werde Geschichte geschrieben, eine neue Zeit beginne.

    Die Botschaft schenke ein wahrhaftiges Aufatmen. Der Sohn Gottes sei die Mitte, die alles zusammenhalte und in der Frieden zu finden sei, so Bätzing: „Christus ist das Wort, das Gott in seiner Weisheit ganz zu Anfang gesprochen hat, um aus dem Nichts eine wunderbar vielfältige Schöpfung hervorzulocken. Er ist das Licht, ohne das kein Leben sein kann und das uns den Weg und den Sinn unseres Daseins ausleuchtet.“

    Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige rief Christen zum Bekenntnis ihres Glaubens auf. „Haben wir den Mut, unsere religiösen Überzeugungen und Gefühle nicht schamhaft zu verbergen“, sagte Feige. Der Bischof von Dresden-Meißen, Heinrich Timmerevers, bat darum, „dass wir uns nicht verwirren lassen, blinde Menschenverachtung nicht mit Menschenverachtung und Hass nicht mit Hass beantworten“. Auch dürfe man nicht in die „vernehmbaren Hetzparolen“ einstimmen. Wer Weihnachten feiere, bezeuge damit, dass die christliche Botschaft stärker sei als Terror, Angst und Hass.

    Einen Trost sieht der Bischof von Görlitz, Wolfgang Ipolt, darin, dass Gott „sich nicht scheut, in diese unheile Welt einzutreten“. Zugleich wolle Gott die Menschen mit seinem Kommen zum Mittun bei der Rettung der Welt gewinnen. Ipolt mahnte, dass das Weihnachtsfest nicht zu einem beliebigen Termin im Kalender werden dürfe: „Es braucht Menschen, die an seinen Inhalt mit unnachgiebiger Geduld erinnern und dieses Fest feiern! Es braucht Menschen, die unüberhörbar davon sprechen.“ Gott dürfe nicht in Vergessenheit geraten. „Denn ohne Weihnachten wären wir in dieser Welt tatsächlich auf uns allein gestellt“, so Ipolt.

    Der Erfurter Bischof Ulrich Neymeyr erklärte, Jesus sei in die Welt gekommen, um die Menschen „zu einer Zivilisation der Gerechtigkeit und des Friedens zu befähigen“. Der Weihnachtsfriede bedeute „nicht nur Abwesenheit von Krieg oder gerechten Ausgleich der Interessen, sondern behutsamen Umgang mit der Verletzlichkeit des Anderen und die Bereitschaft, Vergebung zu erbitten und zu gewähren“. Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße warnte vor negativer Stimmungsmache, die auf Lüge, Verwässerung und Beschönigung aufbaut. Zwar seien persönliche Gefühle und Emotionen gut und wichtig, sagte er in seiner Weihnachtspredigt. „Nur dürfen wir uns von ihnen allein nicht bestimmen lassen.“ Das Christentum setze auf Fakten und Wahrheiten. „Jesus Christus ist keine Legende oder abstrakte Idee, sondern eine konkrete Person, ein Mensch.“

    Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode appellierte an die Christen, in Zeiten des Chaos die Hoffnung nicht zu verlieren. Selbst in dieser Situation stehe Gott an ihrer Seite, sagte er im Osnabrücker Dom. „Wie sonst könnten wir menschlich bestehen angesichts der unerträglichen Grausamkeiten in Aleppo, Mossul, Paris, Nizza und Berlin und an vielen anderen Orten der Welt.“

    Bischof Norbert Trelle aus Hildesheim kritisierte das lauter werdende „Fürchtet Euch“ der „Unglückspropheten“. Dem setze Weihnachten den Ruf der Engel entgegen: „Fürchtet Euch nicht, auf fremde Menschen zuzugehen. Fürchtet Euch nicht, einzutreten für die Würde und das Lebensrecht jedes Einzelnen. Fürchtet Euch nicht, dem anderen zuzuhören, um zu erfahren, was er zu sagen hat.“

    Ängste der Bevölkerung ernst nehmen, aber dem Schüren von Angst entgegentreten – darauf kommt es für den Mainzer Weihbischof Udo Markus Bentz in der durch Terrorakte gezeichneten Weihnachtszeit an. Das Böse, zu dem der Mensch fähig sei, zeige sich in immer neuen Fratzen, doch „als weihnachtliche Menschen glauben wir fest: Gottes ,Fürchte dich nicht!‘ ist jetzt wichtiger denn je“, sagte Bentz im Mainzer Dom.

    Der Trierer Bischof Stephan Ackermann warnte vor Populisten, die Angst, Aggression oder Hass schürten und so versuchten, die eigene Wahrheit durchzusetzen. In der aktuellen gesellschaftlichen Diskussion komme es oft nicht mehr so sehr auf Fakten an; entscheidend sei offenbar die gefühlte Wahrheit, sagte Ackermann im Trierer Dom. Hingegen sei die Wahrheit Gottes eine „Wahrheit, die uns umwirbt, die uns anzieht“. Sie komme den Menschen entgegen im Kind von Bethlehem, das die Arme „nach uns“ ausstrecke.

    Gegen Nationalismus, Abgrenzung und Fremdenhass wandte sich der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann. „Ich bin davon überzeugt, dass es noch nie so wichtig war, dass Europa sich seiner gemeinsamen Verantwortung in der Welt und für die Welt bewusst wird“, sagte der Bischof im Speyerer Dom. Ein Zerfall „in kleinkarierte, angstbesessene Nationalismen“ bringe keine Lösung, sondern wäre ein weiteres „folgenschweres Versagen“.

    Der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen rief die Christen auf, die Menschwerdung Gottes zu bezeugen und so die Welt zu verändern. 2016 sei auch das Jahr, „da der Werteverfall und die allgemeine Gleichgültigkeit fortgeschritten sind“, so der Bischof unter Verweis auf gendiagnostische Tests bei Schwangeren und die Ausweitung der aktiven Sterbehilfe auf Kinder in Belgien. Der Mensch gebärde sich zunehmend als sein eigener Schöpfer und gehe leichtfertig mit ungeborenem Leben um, er scheine „nurmehr die Summe seiner Gene zu sein“. Gott sehe die Menschen hingegen in dem Kind von Bethlehem an, „von daher bekommen wir Ansehen und unzerstörbare Menschenwürde, die uns nichts und niemand nehmen kann, weder eine politische noch eine juristische Entscheidung.“

    Der Freiburger Erzbischof Stephan Burger zeigte sich ebenfalls besorgt über die sprachliche Verrohung im Internet. Er frage sich manchmal, „wohin das führen soll“, sagte Burger im Freiburger Münster. Doch an Weihnachten könne der „Sieg der Liebe Gottes“ gefeiert werden.

    Die Menschwerdung Gottes als Quelle der christlichen Freude hat Kardinal Christoph Schönborn in seiner Predigt am Christtag im Wiener Stephansdom unterstrichen. Der Prolog des Johannesevangeliums sei „der Schlüssel zu allem, was wir von Jesus glauben und bekennen“. Das Kind in der Krippe sei nach christlichem Verständnis „der König des Alls“, so der Wiener Erzbischof. „Billiger können wir unseren christlichen Glauben nicht haben, als in dieser gewaltigen Spannung: der Gott, der Sohn Gottes, der Mensch geworden ist.“ Schönborn weiter: „Zu glauben, dass wir unseren Glauben anpassen können an den Zeitgeist oder an das, was andere Religionen glauben, damit wir keine Konflikte haben, etwas herunterzugraduieren, das geht nicht.“

    Christen sollen Zeugen der Wahrheit entgegen einem Trend des Verdrehens sein. Dazu rief Salzburgs Erzbischof Franz Lackner bei der Christmette in Salzburg auf. „Der Gefahr von Verdrehung ist das Wort ständig ausgesetzt. Darum braucht es Zeugen, die mit ihrem Leben für die Wahrheit und Wichtigkeit des Wortes eintreten“, sagte Lackner in seiner Predigt. Er verwies auf das Internet, wo man etwa im Zusammenhang mit dem Thema Flüchtlinge erleben könne, „wie aggressiv und menschenverachtend Worte missbraucht werden“. Der Erzbischof erinnerte auch an die Weihnachtsansprache des Papstes vor der Kurie, bei der Franziskus vor zwei Jahren über das „Alzheimer des Geschwätzes“ gesprochen hatte. „Ich sage – und so hatte der Papst es gemeint – das ist ein Problem jeglicher Institution. Die Rederei, das Vermuten und die Missdeutung… Da wird das Wort sträflich missbraucht.“

    Im Zeichen der Flüchtlingskrise stand der Festgottesdienst am Christtag mit Bischof Ägidius Zsifkovics im Eisenstädter Dom. Die Flüchtlingsboote im Mittelmeer seien „der knallharte Check unseres Barmherzigkeitspegels“, sagte der Bischof bei der Messe. Die Antwort auf Terrorismus dürfe „niemals Unbarmherzigkeit gegenüber Notleidenden, Opfern und Verfolgten sein“. Wörtlich sagte Zsifkovics: „Die Heilige Familie flüchtete auf einem Esel nach Ägypten, um dem Kindermord zu entgehen. Jesus 2016 ist auf einem Flüchtlingsboot unterwegs. Die Weihnachtsgeschichte ist vor 2000 Jahren dort entstanden, von woher heute so viele Menschen zu uns kommen. Wie Jesus, der ebenfalls aus dem Nahen Osten stammte, sind es Menschen, die vor menschlichem Unrecht fliehen; vor Verfolgung, vor Krieg und Terror, vor mörderischen politischen Interessen; heute aber auch zunehmend vor einem aggressiven internationalen Wirtschaftssystem, das Papst Franziskus als ,Dritten Weltkrieg auf Raten‘ bezeichnet.“

    Die „existenzielle Botschaft“ des Weihnachtsfestes für die Menschheit hat der Kärntner Bischof Alois Schwarz im Klagenfurter Dom betont: „Weihnachten ist mehr als ein Wohlfühl-Fest in einer kalten und dunklen Jahreszeit. Es geht um die Menschwerdung Gottes und somit in weiterer Folge um das Mensch-Sein und Menschlichkeit an sich.“ Die Botschaft von Weihnachten habe gerade mit Blick auf die Nachrichten, „die uns Medien ins Haus oder auf das Smartphone liefern“, besondere Aktualität. „Wir wissen, dass manche ihre Menschlichkeit aufgeben, aber wer die Menschlichkeit aufgibt, gibt alles auf“, sagte Schwarz. Es gebe viele, „die definieren wollen, was Weihnachten ist, ohne dabei die christliche Kernbotschaft auch nur zu erwähnen“. Die Aufgabe der Christen müsse es sein, „den ursprünglichen, religiösen Charakter des Weihnachtsfestes herauszulösen und öffentlich darüber zu sprechen“.

    Der Linzer Bischof Manfred Scheuer betonte, dass Gott jedem Menschen seine uneingeschränkte Liebe zuspreche. Das solle den Umgang der Menschen mit ihren Nächsten im Alltag beeinflussen: „Der Friede im Kleinen und im Großen hat nur eine Chance, wenn es einen Neuanfang gibt, eine Initiative, die ausschert aus dem Karussell von Gewalt und Gegengewalt, von Verachtung, Hass und Krieg.“ In der Menschwerdung Gottes gebe Gott jedem Menschen Würde und Wert, so der Linzer Bischof.

    „Weihnachten heißt, dass nicht die Nacht der Hartherzigkeit und des Eigennutzens triumphiert, sondern die Menschlichkeit“, sagte der Vorarlberger Bischof Benno Elbs am Christtag im Feldkircher Nikolausdom. Das Kind in der Krippe sei ein „Zeichen dafür, dass das Leben neu beginnt, dass die Zukunft eine Chance hat, dass die Liebe stärker ist als alles, was zerstört“.

    „Bitter nötig“ habe die Welt die weihnachtliche Friedensbotschaft, sagte der steirische Bischof Wilhelm Krautwaschl. Beim Pontifikalamt im Grazer Dom verwies er auf internationale Konfliktherde wie auf die Sorge um Arbeitsplätze, demographische Entwicklungen und Fragen rund um Gesundheit und Pflege, Bildung und Armut. Die Antwort Gottes auf die Sehnsucht nach umfassendem Frieden sei keine Sicherheitsdoktrin, politische Reform oder ein Wirtschaftsplan, sondern das Kind in der Krippe zu Bethlehem, erinnerte Krautwaschl.„Ein Neugeborenes. Ein zartes Wesen voller Leben, das alle Zukunft und Hoffnung der Welt in sich trägt. Die Antwort auf die Sehnsucht nach Frieden finden wir in Gott selbst.“

    Vor dem Verlust des Gottesbezugs des Menschen warnte Bischof Klaus Küng am Weihnachtstag im Dom von St. Pölten. Wenn Gott verschwinde, drohe Gefahr: Der Mensch werde nicht mehr als einzigartiges Abbild Gottes gesehen, sondern er werde ein Machbarkeits-, Kosten- und Nutzenfaktor. Weihnachten sei darauf die Antwort und führe uns „in der tiefst möglichen Weise die Schönheit und die Bedeutung des menschlichen Lebens vor Augen“. Die „Tragödie“ vieler Menschen bestehe gerade darin, dass sie so lebten als gäbe es keinen Gott. Aber auch gläubige Menschen müssen ihr Herz immer wieder „zentrieren“. Der Mensch gewordene Gott sei „der Schlüssel für unsere Selbsterkenntnis und für das Verständnis dessen, was der Mensch ist“, erklärte Küng. So werde auch die eigene Berufung offenbar und damit verbunden „die Würde jedes Menschen mit seiner Einmaligkeit und Geistigkeit“.

    kna