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    Eine Antwort auf die Gewalt des IS

    Seit dem vergangenen Jahr gibt es in der nordirakischen Stadt Erbil eine Katholische Universität. Die Hochschule steht unter der Schirmherrschaft von Erbils Erzbischof Bashar Warda. Er hatte die Initiative nach der Weltbischofssynode über den Nahen Osten 2010 im Vatikan aufgenommen. Zwei Jahre später konnte auf dem von der Chaldäischen Kirche von Erbil zur Verfügung gestellten Bauplatz der Grundstein gelegt werden. Im Interview mit der „Tagespost“ äußert sich Erzbischof Warda zur aktuellen Situation der Hochschule und ihrer Perspektive.

    General Synod - London
    Bashar Warda, Erzbischof der chaldäisch-katholischen Erzeparchie Erbil. Foto: dpa

    Seit dem vergangenen Jahr gibt es in der nordirakischen Stadt Erbil eine Katholische Universität. Die Hochschule steht unter der Schirmherrschaft von Erbils Erzbischof Bashar Warda. Er hatte die Initiative nach der Weltbischofssynode über den Nahen Osten 2010 im Vatikan aufgenommen. Zwei Jahre später konnte auf dem von der Chaldäischen Kirche von Erbil zur Verfügung gestellten Bauplatz der Grundstein gelegt werden. Im Interview mit der „Tagespost“ äußert sich Erzbischof Warda zur aktuellen Situation der Hochschule und ihrer Perspektive.

    Exzellenz, wie sehen Sie die aktuelle Entwicklung der Katholischen Hochschule in Erbil?

    Als Antwort auf die Gewalt, die uns durch den IS erreicht hat und die Vertreibungen, die die Menschen getroffen haben, haben wir im Wissen um die Bedeutung einer guten Ausbildung für die jungen Leute in unserem Land entschieden, eine Katholische Hochschule in Erbil zu gründen. Damit wollen wir vor allem ein Zeichen der Hoffnung für sie setzen und ihnen die Möglichkeit qualifizierter Abschlüsse bieten. Durch die Hilfe der Italienischen Bischofskonferenz war es uns möglich, die Universität zu errichten. Im Oktober 2016 konnten wir den Studienbetrieb mit 62 Studenten aufnehmen. Im kommenden Semester erwarten wir weitere Studenten. Es geht also mit Gottes Hilfe vorwärts. Wir wissen aber, dass es eine Weile dauern wird, den Ausbau der Lehre voranzutreiben.

    Haben Sie nur katholische Studenten oder auch solche aus anderen Religionen?

    Wir haben überwiegend katholische und orthodoxe Studenten, aber auch zwei Muslime in unserem ersten Semester. Wir werden aber weiter darum werben, mehr muslimische Studenten für unsere Hochschule zu gewinnen.

    In welchen Fächern werden Ihre Studenten unterrichtet?

    An unserer Universität gibt es sieben Hauptfächer, in denen wir zurzeit ausbilden, darunter sind Internationales Recht, Computerwissenschaften, Englisch, Volkswirtschaft und Orientwissenschaften. Priesteramtsstudenten werden bei uns nicht ausgebildet. Sie studieren an der Hochschule für Philosophie und Theologie. Aber wir bieten im Rahmen der Orientwissenschaften im kommenden Jahr auch spezielle theologische Vorlesungen an.

    Sehen Sie durch die Hochschule die Möglichkeit, einen Beitrag zum Wiederaufbau des Landes zu leisten?

    Wenn wir künftig mehr Studenten aufnehmen können, wird uns das die Möglichkeit geben, vielen Menschen bessere Bildungschancen zu eröffnen. Meine Zielvorstellung ist es tatsächlich, durch die Katholische Hochschule eine bedeutende Rolle bei der Gestaltung der Zukunft des Irak spielen zu können, auch dadurch, dass wir Menschen ausbilden, die später Leitungspositionen einnehmen werden. Das wird natürlich einige Zeit dauern, bis man so etwas erreichen kann. Unser Vorteil ist dabei, dass die muslimische Gesellschaft ein großes Vertrauen in unser katholisches Bildungssystem hat. Das zeigt sich darin, dass vierzig Prozent unserer Schulen von Muslimen besucht werden. So erwarte ich zuversichtlich, dass wir schon im kommenden Jahr mehr Studenten für uns gewinnen können.

    Wie viele Studenten können Sie an der Hochschule ausbilden?

    Unsere Universität ist von ihrer baulichen Situation so ausgelegt, dass wir etwa 750 Studenten aufnehmen können. Aber, wie bereits gesagt, es wird eine ganze Zeit brauchen, bis wir diese Zahlen realisieren können. Das Wichtigste für uns war erst einmal der Start. Jetzt haben wir uns auf den Weg gemacht und können uns weiterentwickeln und wachsen.

    Welche Bedeutung kann eine werthaltige katholische Bildung im Irak künftig gewinnen?

    Katholische Bildungseinrichtungen sind in unserem Land keine unbekannte Größe. Bis 1968 gab es im Irak große Bildungszentren der Jesuiten. Die Menschen erinnern sich an ihren guten Standard und wissen um die große Erfahrung unserer Kirche auf dem Bildungssektor. So kurz nach der Eröffnung ist vielen Menschen noch gar nicht bekannt, dass es jetzt eine Katholische Hochschule in Erbil gibt und wenn sie es wissen, dann glauben sie vielleicht, dass es eine Katholische Fakultät ist und es dort nur um den christlichen Glauben geht. Da müssen wir aktiv Werbung betreiben. Und ich bin sicher, dass die Menschen sehr positiv darauf reagieren werden.