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    Ein problematisches „Jubiläum“

    Dieser Tage brachte die Katholische Nachrichten-Agentur die Meldung, siebeneinhalb Jahre nach der Zulassung von Forschung an menschlichen embryonalen Stammzellen in Deutschland habe das Robert-Koch-Institut den 50. Import solcher Stammzellen erlaubt. Die Genehmigung gehe an das Zentrum für Biologische Signalstudien der Universität Freiburg. Die verwendete Stammzelllinie komme aus einem Institut im US-Bundesstaat Wisconsin. Das im Jahr 2002 in Kraft gesetzte und 2008 novellierte Stammzellgesetz erlaubt Forschern in Deutschland, embryonale menschliche Stammzellen zu Forschungszwecken zu importieren.

    Dieser Tage brachte die Katholische Nachrichten-Agentur die Meldung, siebeneinhalb Jahre nach der Zulassung von Forschung an menschlichen embryonalen Stammzellen in Deutschland habe das Robert-Koch-Institut den 50. Import solcher Stammzellen erlaubt. Die Genehmigung gehe an das Zentrum für Biologische Signalstudien der Universität Freiburg. Die verwendete Stammzelllinie komme aus einem Institut im US-Bundesstaat Wisconsin. Das im Jahr 2002 in Kraft gesetzte und 2008 novellierte Stammzellgesetz erlaubt Forschern in Deutschland, embryonale menschliche Stammzellen zu Forschungszwecken zu importieren.

    Mit anderen Worten und im Klartext: In diesem Bereich wie auch sonst häufiger leisten wir uns fatale rechtliche Konstruktionen, die zur Heuchelei einladen. Da ist zum Beispiel die Abtreibung ungeborener Kinder zwar illegal, aber dennoch straffrei. Ein Widerspruch in sich selbst! Und bei der Forschung mit menschlichen embryonalen Stammzellen dürfen deutsche Forscher zwar mit Stammzellen arbeiten, aber nur mit importierten, sodass es anderen Ländern überlassen bleibt, den Streit um den Umgang mit menschlichen Embryonen zu führen, die zu Forschungszwecken benutzt, das heißt getötet werden. Also wird das geltende Embryonenschutzgesetz, das sich die CDU zugute hält, relativiert. Mit solch verbrauchender Embryonenforschung ist die fundamentale Frage nach dem moralischen Status und der Schutzwürdigkeit menschlicher Embryonen verbunden. Aber genau diese wesentliche Frage wird verdrängt – von Wissenschaftlern und Politikern gleichermaßen. Die gottbegründete Menschenwürde lässt uns die personale Identität von menschlichen Embryonen und geborenen Menschen als unbedingt und unaufgebbar bekennen. Sie darf durch politische Rhetorik nicht in Frage gestellt oder gar zerstört werden. Wir müssen jenen Zynismus demaskieren, der darin besteht, einen Menschen am Beginn seiner Existenz zu opfern, um einen anderen unter Umständen zu heilen. Ich möchte in diesem Kontext an die am 12. Dezember 2008 von der Kongregation für die Glaubenslehre veröffentlichte Instruktion „Dignitas personae“ erinnern, die in Nr. 37 den Mut fordert, „sich allen Praktiken zu widersetzen, die eine schwerwiegende, ungerechte Diskriminierung gegenüber den noch nicht geborenen Menschen darstellen, welche die Personwürde haben und als Bild Gottes erschaffen worden sind“. Solcher Mut muss zunächst dazu führen, sich nicht einfach mit gesetzten Fakten gleichgültig abzufinden. Gleichgültigkeit und Indifferenz sind die direkten Feinde der Wahrheit.

    Der Verfasser ist Bischof von Fulda

    Von Bischof Heinz-Josef Algermissen