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    Ein europäisches Missionszentrum

    Heiligenkreuz (DT) Weihrauch, Wein und Wildschweinbratwürstel, Beten und Bier, liturgische Feierlichkeit und katholische Fröhlichkeit, altehrwürdige Architektur und Scharen junger Mönche – das alles gehört zusammen, wenn in Stift Heiligenkreuz gefeiert wird. An diesem Dienstag gab es gleich drei Gründe zu feiern: Drei „Säulen“ des Zisterzienserklosters im Wienerwald feierten ihr Silbernes Priesterjubiläum, der Spatenstich für den Ausbau der dank großen Zustroms aus allen Nähten platzenden Philosophisch-Theologischen Hochschule konnte vollzogen werden, und in der Aula neben der Abteikirche wurde eine große Fotoausstellung über die Reisen von Papst Benedikt XVI. eröffnet.

    Der Rektor der Hochschule, Pater Karl Wallner, Nuntius Peter Stephan Zurbriggen und Abt Maximilian Heim (v. li.) freuen ... Foto: Hurnaus

    Heiligenkreuz (DT) Weihrauch, Wein und Wildschweinbratwürstel, Beten und Bier, liturgische Feierlichkeit und katholische Fröhlichkeit, altehrwürdige Architektur und Scharen junger Mönche – das alles gehört zusammen, wenn in Stift Heiligenkreuz gefeiert wird. An diesem Dienstag gab es gleich drei Gründe zu feiern: Drei „Säulen“ des Zisterzienserklosters im Wienerwald feierten ihr Silbernes Priesterjubiläum, der Spatenstich für den Ausbau der dank großen Zustroms aus allen Nähten platzenden Philosophisch-Theologischen Hochschule konnte vollzogen werden, und in der Aula neben der Abteikirche wurde eine große Fotoausstellung über die Reisen von Papst Benedikt XVI. eröffnet.

    Eine geschlagene Stunde vor Beginn der Festmesse standen die Gläubigen bereits vor dem Eingang zur Abteikirche Schlange, um den Jubilaren zum Silbernen Priesterjubiläum zu gratulieren. Abt Maximilian Heim, ein gebürtiger Kronacher und seit 2011 Abt des boomenden Zisterzienserstiftes, und Pater Karl Wallner, heute Rektor und Dogmatiker der Hochschule, die seit 2007 Päpstlichen Rechtes ist und den Namen Benedikts XVI. tragen darf, wurden am 30. April vor genau 25 Jahren in der Heiligenkreuzer Abteikirche zu Priestern geweiht. Pater Marian Gruber, der seit 2011 das Studentenheim und seit 2007 das Philosophische Institut der Hochschule leitet, empfing die Priesterweihe am Fest Kreuzerhöhung 1988 im Wiener Stephansdom. Gemeinsam ist den drei Jubilaren außer dem zebrafarbenen Ordensgewand jene ansteckende Fröhlichkeit, die die Atmosphäre dieser 1133 gegründeten Zisterzienserabtei nahe Wien prägt. „Wir feiern heute zwei Wunder“, strahlt Pater Karl: „Dass der liebe Gott mich jetzt schon 25 Jahre erträgt, und dass wir die ersten zwei Millionen für unseren Hochschulausbau zusammenhaben.“

    Doch vor Spatenstich und Grillwürstel steht in Heiligenkreuz die Liturgie. „Jubilate Deo omnis terra“, jauchzt die Schola des Stiftes in der übervollen und trotz sommerlicher Außentemperaturen Kühlschrankklima wahrenden Kirche. Der Apostolische Nuntius ist ebenso gekommen wie befreundete Äbte, die beiden Heiligenkreuzer Alt-äbte Gerhard und Gregor, Stephan Horn als Repräsentant des Ratzinger-Schülerkreises, dem der junge Abt angehört, die Grabesritter und auch die Mutter von Pater Karl Wallner.

    Alter Adel und alte Bauern aus der Umgebung, und viel Jugend aus nah und fern sammelte sich hier – 1 200 insgesamt. Heiligenkreuz-Fans sind in Österreich verschieden in Alter, Stand, Bildungsgrad und Herkunft, aber vereint in der Liebe zur Liturgie, zum Papst und zu solider Theologie. Das machte sich offenbar auch in den Spenden für den überfällig gewordenen Hochschul-Ausbau bemerkbar: „Ich hätte keine solche Großzügigkeit erwartet – vom Scherflein der Witwe bis zum Großspender“, dankte der Abt am Beginn der Messe.

    In seiner schwungvollen und geistreichen Festpredigt machte Pater Karl Wallner die Gläubigen für ihre Priester verantwortlich. „Weltweit steigt die Zahl der Priester, aber in Mitteleuropa haben wir ein Problem. In Heiligenkreuz haben wir viele Berufungen, aber wir fühlen uns wie ein kleines gallisches Dorf“, spielt der Prediger auf Asterix an. Um dann zur größeren Sorge zu kommen: „Wir leiden nicht nur unter Priestermangel, sondern unter einem eklatanten Gläubigenmangel.“ Der Glaube des Christen gründe aber nicht in einer Idee, sondern in der Wirklichkeit, in der Geschichte: „Gott hat unter uns gewohnt. Wir sind von Gott geschaffen, gewollt und gerufen.“ Darum könne es für einen Gläubigen keine größere Freude geben, als eine Berufung zu erfahren.

    Pater Karl erzählt von heutigen Mönchen, die bei ihrem ersten Besuch in Heiligenkreuz noch händchenhaltende Romantiker waren – oder sogar Protestanten. Und er beschwört die anwesenden Jugendlichen, „hinzuhören, wenn die Stimme ertönt“ und dann auch ein mutiges „hier bin ich“ zu wagen. Stattdessen werde heute in Kirche und Theologie gefragt, ob Priestertum überhaupt noch sinnvoll sei. Das Amt werde gegen das Volk ausgespielt. Dieses Spiel macht der Festprediger nicht mit: „Wir sind Priester für euch! Das können wir Geweihten aber nicht leben, wenn ihr Gläubigen nicht hinter uns steht!“ Es brauche wieder „die Freude darüber, dass es Priester gibt“, dann werde es auch wieder mehr Priester geben.

    Da sprach kein Theoretiker, denn die Hochschule in Heiligenkreuz, die Karl Wallner leitet, ist in den vergangenen Jahren zur größten Priesterausbildungsstätte in Österreich herangewachsen. 235 Studierende zählt die Hochschule derzeit, die meisten gehören entweder schon einem Orden an oder bereiten sich auf das Priestertum oder den Ordensstand vor.

    Das beständige Wachstum der Studierenden hat jedoch einen Ausbau der Hochschule nötig gemacht, für den insgesamt fünf Millionen Euro gesammelt werden müssen. „Der Ausbau der Hochschule dient dem Aufbau der Kirche“, sagte Pater Karl – und bei der anschließenden Kollekte hörte man kein Klimpern von Münzen. Nach der Messe, vor der Hochschule und somit auf dem künftigen Campus, erzählte der Rektor launig: „Vor einem Jahr hatten wir schon eine Perspektive, aber kein Geld.“

    Den Anfang habe Papst Benedikt XVI. gemacht, denn der mit 50 000 Euro dotierte „Premio Ratzinger“, der Abt Maximilian Heim als erstem Theologen verliehen wurde, kommt diesem Projekt zugute. 2, 15 Millionen Euro betrug der Spendenstand am Dienstag beim Spatenstich. „Die gute Nachricht ist: Es fehlen nur mehr drei Millionen“, witzelte Karl Wallner. Der Bürgermeister von Heiligenkreuz erinnerte gerührt daran, dass in seiner Kindheit Schweine und Kühe ihre Stallungen hatten, wo heute die angehenden Theologen büffeln. „Rohe Diamanten“ seien sie, die „hier geschliffen werden“. Nicht nur für Österreich, wie der aus Franken stammende Abt von Heiligenkreuz anmerkte: Heiligenkreuz sei mit seiner Hochschule längst „ein Missionszentrum, das über Österreich hinausstrahlt“.

    Die Verbundenheit mit dem emeritierten Papst zeigt sich hier aber nicht bloß im bleibenden Namen der Hochschule und in ihrer Bibliothek. Am Dienstagvormittag eröffnete der Rektor der Hochschule eine Ausstellung mit 60 großformatigen Bildern über die „Reisen von Papst Benedikt XVI.“ Diese erstmals öffentlich präsentierte Schau zeigt Fotografien des oberösterreichischen Fotografen Christoph Hurnaus, der 19 von 24 Auslandsreisen Benedikts XVI. mit der Kamera begleitete. Eingerahmt sind diese Reise-Highlights von römischen Szenen: vom ersten Auftritt auf der Loggia des Petersdomes am 19. April 2005 bis zur letzten Generalaudienz Benedikts auf dem Petersplatz.

    Einen Dank an emeritierten Papst statteten am Dienstag beim Spatenstich zum Neubau der Hochschule auch Abt Maximilian und seine Mönche ab. Es war nämlich Papst Benedikt XVI., der den Studienort Heiligenkreuz zur Hochschule päpstlichen Rechtes erhob, ihr seinen Namen lieh und sie 2007 bei seinem Österreich-Besuch würdigte und segnete – und schließlich an seinem letzten Arbeitstag im Vatikan den Grundstein zum Ausbau in Anwesenheit des Abtes segnete. So ist es nur würdig und recht, dass auch sein theologisches Erbe hier besonders gepflegt wird.