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    Ein armes Land, aber reich an Orden und Ordensleuten

    München (DT) Ein gutes Bild von der Umsetzung christlicher Überzeugungen, auch unter erschwerten Bedingungen, konnten sich Stifter und Förderer bei der Stiftung „ecclesia mundi“ und missio München im Rahmen eines Nachmittags der Begegnung mit einem koptisch-katholischen Bischof machen.

    Bischof Kyrillos. Foto: KNA

    München (DT) Ein gutes Bild von der Umsetzung christlicher Überzeugungen, auch unter erschwerten Bedingungen, konnten sich Stifter und Förderer bei der Stiftung „ecclesia mundi“ und missio München im Rahmen eines Nachmittags der Begegnung mit einem koptisch-katholischen Bischof machen.

    Bischof Kyrillos William aus Assiut in Oberägypten, langjähriger Projektpartner von missio München, erzählte lebendig von der aktuellen politischen Lage in Ägypten, aber auch von der Geschichte des Zusammenlebens von Christen und Muslimen und dem Wandel der gesellschaftlichen Stellung und Anerkennung von Christen von den 1950er Jahren bis heute. Groß war das Interesse an der aktuellen politischen Lage und der Situation der christlichen Minderheit während des Nachmittags im Haus der Weltkirche.

    Das Land, in dem das Durchschnittsalter der Bevölkerung bei knapp 24 Jahren liegt, belegt Platz 110 von 187 auf dem „Human Development“-Index – nicht nur wegen der hohen Zahl an Analphabeten und eines defizitären Gesundheitssystems, sondern auch aufgrund der schlechten landwirtschaftlichen Nutzbarkeit von nur vier bis fünf Prozent der Landesfläche und der ganz realen Armut im Land. Eine Armut, die dazu führt, dass Mädchen in ländlichen Regionen so früh wie möglich verheiratet werden und auch Zwangskonversionen christlicher Mädchen zum Islam mit anschließender Verheiratung keine Seltenheit sind.

    An Orden und Ordensgemeinschaften hingegen, koptisch-orthodoxen wie auch koptisch-katholischen, ist das Land reich. Und es blickt auf eine lange und vielfältige Kultur christlichen Lebens zurück: Neben den koptisch-katholischen Christen leben römisch-katholische, protestantische und anglikanische Christen in Ägypten. Ihre Oberhäupter treffen sich regelmäßig im Rat der Christlichen Kirchen Ägyptens und sind sehr an einer guten und friedlichen Zusammenarbeit interessiert. Das Päpstliche Hilfswerk missio München ist in Ägypten dank des Engagements seiner Stifter, Spender und Förderer vor allem in drei Bereichen tätig: Zur Stärkung der Ortskirche, im Bildungssektor und für die Gewährleistung von Gesundheit. Das sind laut Überzeugung des Werkes und seiner Projektbeauftragten die Grundvoraussetzungen, um Begegnung, Frieden und Austausch auch über Konfessions- und Religionsgrenzen hinweg zu ermöglichen. So werden etwa kirchliche Bauvorhaben gefördert, die unter dem aktuellen Präsidenten Al-Sisi neuen Aufschwung erleben, aber auch der Lebensunterhalt für Priester, Ausbildungsprogramme für junge Erwachsene, Kindergärten und Schulen, gesundheitliche Aufklärung, die Integration von Behinderten, die Kranken- und Gefängnisseelsorge. Auch ein ökumenischer Fernsehsender wird unterstützt, der mit Studios in Kairo, Beirut und Teheran im gesamten Nahen Osten auf Arabisch, Türkisch und Farsi Welt Fernsehprogramme speziell für Frauen konzipiert.

    Damit bewegt Bischof Kyrillos gemeinsam mit missio sehr viel. Denn die katholischen Christen sind zwar „nur eine kleine Minderheit innerhalb einer kleinen Minderheit innerhalb der muslimischen Mehrheitsgesellschaft“, wie der lebendige Bischof die Zahlenverhältnisse von deutlich unter ein Prozent zu knapp zehn Prozent zu neunzig Prozent auf den Punkt bringt. Doch ethnisch seien die Ägypter ein Volk, was auch nach den Brandanschlägen aus christliche Kirchen deutlich wurde, in deren Folge muslimische Nachbarn sich wie selbstverständlich bereit erklärten, die Kirchen nachts zu bewachen.

    Das sei vor allem auch der guten Arbeit der Kirche zu verdanken, die den Menschen unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit zu einer Verbesserung ihrer Lebensqualität helfe, was die Menschen der Kirche meist ein Leben lang danken. „Teilen wie die Jünger, in großer Liebe und Achtung voreinander; das heißt: Wenn man selbst genug hat, anderen den Vorrang geben“, das sei für ihn der springende Punkt seines Auftrags in Oberägypten und das versinnbildliche für ihn auch die Arbeit der kirchlichen Hilfswerke, so Bischof Kyrillos William, dessen Alltag von zahlreichen Hausbesuchen und Gesprächen, aber auch von Aktivitäten mit Kindern und Jugendlichen geprägt ist.