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    Ein Leben für Frieden und Ökumene

    Rom (DT/KNA) Der Europarat ehrte sie 1998 mit dem Menschenrechtspreis; von der UNESCO erhielt sie 1996 den Preis für Friedenserziehung, und in London wurde sie 1997 mit dem Templeton-Preis für den Fortschritt der Religionen, dem „Nobelpreis der Theologie“, ausgezeichnet. Die Liste der Ehrungen für Chiara Lubich ist lang. Wie kaum eine andere Frau wirkte die energisch auftretende und stets elegant gekleidete Gründerin und Präsidentin der Fokolar-Bewegung in den vergangenen Jahrzehnten in der katholischen Kirche und darüber hinaus.

    Rom (DT/KNA) Der Europarat ehrte sie 1998 mit dem Menschenrechtspreis; von der UNESCO erhielt sie 1996 den Preis für Friedenserziehung, und in London wurde sie 1997 mit dem Templeton-Preis für den Fortschritt der Religionen, dem „Nobelpreis der Theologie“, ausgezeichnet. Die Liste der Ehrungen für Chiara Lubich ist lang. Wie kaum eine andere Frau wirkte die energisch auftretende und stets elegant gekleidete Gründerin und Präsidentin der Fokolar-Bewegung in den vergangenen Jahrzehnten in der katholischen Kirche und darüber hinaus.

    Ziel der Gemeinschaft: Leben ganz in den Dienst Gottes stellen

    Nun ist sie in der Nacht zum Freitag mit 88 Jahren gestorben. Als Lubichs Heimatstadt Trient im Zweiten Weltkrieg von Bomben erschüttert wird, entschließen sich Tausende zur Flucht. Auch ihre Familie verlässt die Stadt, aber Chiara, die fünf Jahre zuvor ihre Ausbildung zur Hauptschullehrerin abgeschlossen hatte, bleibt. Mit einigen Freundinnen bezieht die 23-Jährige eine kleine Wohnung am Kapuzinerplatz – das erste Fokolar entsteht. Ziel der Gemeinschaft: das Leben ganz in den Dienst Gottes zu stellen, um frei zu sein für die Mitmenschen, für ein christliches Engagement in Gesellschaft und Kirche. Denken und Handeln sollen ganz vom Evangelium bestimmt sein. Diesen Ideen fühlen sich die „focolare“ – benannt nach den Feuerstellen in den alten Bauernhäusern der Gegend – bis heute verpflichtet.

    Was in Norditalien seinen Anfang nimmt, ist am Tage ihres Todes eine weltumspannende Bewegung von Christen aller Konfessionen. Rund fünf Millionen Menschen in 182 Ländern, so schätzt die Fokolare-Bewegung, stehen mit ihr in Verbindung, davon rund 140 000 als feste Mitglieder. Der Weg zur Einheit führt nur über den Dialog, lautet das Motto der Bewegung um Chiara Lubich, die Anfang der sechziger Jahre erste ökumenische Aktivitäten startet. 1964 erteilt die katholische Kirche den Statuten der Fokolare eine päpstliche Approbation; 1990 werden sie vom Päpstlichen Laienrat als „private gesamtkirchliche Vereinigung päpstlichen Rechts“ bestätigt.

    Engagement für Frieden und Gerechtigkeit

    Im Mittelpunkt der Arbeit steht das Engagement für Frieden und Gerechtigkeit. Die Bewegung betreut soziale Projekte in Afrika, Asien und Lateinamerika. Rund zwanzig Siedlungen in aller Welt stehen für die Spiritualität der Gruppe. Dabei handelt es sich um kleine Modellstädte mit Häusern, Lebensschulen und Betrieben, deren oberste Maxime die Liebe im Geist des Evangeliums ist. „Wenn es um die Sicherung des Friedens in der Welt geht“, sagte Lubich einmal, „dürfen wir den Politikern nicht das Feld allein überlassen.“ Für die Mitglieder der Bewegung dürfte dies auch künftig die Richtschnur sein.

    Von Karl Peters