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    Ein Alltagsheiliger

    Madrid (DT) Wenn der Himmel sich zur Erde neigt, bleibt das der geschäftigen Welt meist verborgen. Kein Wunder, es geschieht meist an nichtssagenden Orten, in einer Grotte in Südfrankreich, auf einem Feld in Fatima, auf einem Bauernhof in der Normandie, in Dörfern, Tälern, einfachen Straßen. Aber auch bei Selig-oder Heiligsprechungen. Der Unterschied: Erscheinungen sehen ein paar Kinder, eine ergebene Seele. Kanonische Akte wie die Seligsprechung eines großen Heiligen geschehen heute in Präsenz von Zehn- und Hunderttausenden, meist in Rom.

    Madrid (DT) Wenn der Himmel sich zur Erde neigt, bleibt das der geschäftigen Welt meist verborgen. Kein Wunder, es geschieht meist an nichtssagenden Orten, in einer Grotte in Südfrankreich, auf einem Feld in Fatima, auf einem Bauernhof in der Normandie, in Dörfern, Tälern, einfachen Straßen. Aber auch bei Selig-oder Heiligsprechungen. Der Unterschied: Erscheinungen sehen ein paar Kinder, eine ergebene Seele. Kanonische Akte wie die Seligsprechung eines großen Heiligen geschehen heute in Präsenz von Zehn- und Hunderttausenden, meist in Rom.

    Am vergangenen Wochenende neigte sich der Himmel über Madrid zur Seligsprechung eines Sohnes der Stadt, Alvaro del Portillo, erster Nachfolger des Gründers des Opus Dei, des heiligen Josefmaría Escrivá, an der Spitze der weltweit tätigen Prälatur. In Madrid fing es an, hier hat er gewirkt, viele Orte erinnern an ihn und an den Gründer. An diesen Orten waren in den Tagen der Seligsprechung viele Gruppen und Paare zu sehen aus aller Welt, erkennbar an den Stadtplänen und Pilgerbüchlein, die eigens für dieses Ereignis gedruckt worden waren. An der Messe zur Seligsprechung nahmen rund 150 000 Personen teil, vielleicht waren es auch 160 000 oder mehr. Die meisten Menschen nahmen sowieso über das Fernsehen teil.

    Auf dem Feld von Valdebebas herrschte streckenweise die heitere Stimmung eines Familientreffens; für viele Teilnehmer, insbesondere jenseits der 50, war Don Alvaro zwei Jahrzehnte lang der „Vater“ gewesen, mehr als der erste Nachfolger. Es war auch die Generation Alvaro, die sich hier traf, so wie es eine unerklärte Generation Johannes Paul II. gibt, weil dieser „heilige Vater“ sie durch Jahrzehnte in ihrem alltäglichen Leben ermutigt hat in entscheidenden Phasen ihres Lebens.

    Solche Lebensbeziehungen bleiben den Medien und ihrer geschäftigen Welt verborgen. In den Straßen Madrids suchten Kamerateams die besondere Story, sammelten Statements und kleine Interviews von Pilgern aus den Ecken der Welt.. Aber Don Alvaro war, wie der Gründer des Werkes auch, ein Mensch des Alltags, er ist ein Heiliger des Normalen. Sicher, es gibt ein anerkanntes Wunder, ohne das es ja nicht zu einer Seligsprechung kommen kann. Ein Säugling, dessen Herz eine halbe Stunde schon stillstand und der medizinisch für unheilbar erklärt worden war, lebte auf und das wird der Fürsprache von Don Alvaro zugeschrieben.

    Die Fernsehteams wollten Wundersames hören. Sie hörten Geschichten aus dem einfachen Leben von Familien und Gläubigen. Ein Amerikaner war gekommen, weil er Don Alvaro bei einer Zusammenkunft von Freunden des Opus Dei erlebt hatte und seither sein Leben bewusst christlich führte. Ein Franzose war da, weil er in Don Alvaro ein Vorbild an Treue und Güte sah, was ihm in seinem Leben und in der beruflichen Arbeit vielleicht fehle. Eine Afrikanerin wollte Don Alvaro durch ihre Präsenz in Madrid danken, dass er eine Schule initiiert hatte, auf der ihre Kinder mehr als Sprachen und Mathematik lernen.

    Danksagen, vergeben und um Hilfe bitten – dieser Dreiklang aus dem Leben des Heiligen könne, so Papst Franziskus in einem Schreiben zu diesem Ereignis an den jetzigen Prälaten des Opus Dei, Javier Echevarria, auch in uns Melodien eines wahrhaft christlichen Lebens anstimmen. Das sei die Botschaft des neuen Heiligen: Christus ist unser Bruder, der uns niemals im Stich lasse, denn Gott ist treu. Der Hauptzelebrant der Seligsprechungsmesse, der Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, Kardinal Angelo Amato, hob in diesem Sinn auch die Tugend hervor, die bei Don Alvaro besonders auffalle: Die Demut. Sie habe bei Don Alvaro zu einer tiefen Menschlichkeit und Güte, zu einer Bescheidenheit und Freundlichkeit geführt, die den Heiligen seinen Mitmenschen besonders nahe sein ließ. Kardinal Amato zitierte Cervantes („Ohne Demut gibt es keine Tugend“) und Augustinus („die Demut ist der Ort der Liebe“). In den Worten von Benedikt XVI. wies er auf eine Frucht der Demut Don Alvaros hin, „eine kompromisslose Treue vor allem Gott gegenüber durch die rasche und großzügige Erfüllung Seines Willens, Treue gegenüber Papst und Kirche und Treue zur christlichen Berufung in jedem Augenblick und in allen Lebensumständen“. Es ist die Demut, die solche Treue nicht nur ermöglicht, sondern auch kreativ macht – kreative Treue nannte Papst Johannes Paul II. das Markenzeichen der liebenden Söhne und Töchter verstorbener Gründer. Solche Kreativität ist in den heutigen Lebensumständen für Christen nötiger denn je. Der Prälat der Personalprälatur wies in seiner Predigt in der Dankmesse am Sonntag am selben Ort darauf hin, als er vor mehr als 100 000 Gläubigen die Ehepaare und Familien bat, sich gegenseitig zu helfen „in den schwierigen Verhältnissen der Gesellschaft von heute“. Auch er versicherte wie Kardinal Amato und Papst Franziskus, die Barmherzigkeit Gottes werde in diesem täglichen Kampf jenen nicht fehlen, die wie der neue Heilige treu blieben. Und dieses Beispiel sei notwendig für diese Welt. Es war nur logisch, dass sich in diesem Zusammenhang auch eine Fürbitte für die „Väter der kommenden Synode“ anschloss. Manchmal muss die Erde sich nach dem Himmel recken. Heilige des Alltags sind für Hilfe dafür sehr geeignet.