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    Dramatischer Hilfsaufruf für Christen in Nahost

    Fulda (DT/KNA) Einen dramatischen Hilferuf für die bedrohten Christen im Nahen und Mittleren Osten hat der chaldäisch-katholische Erzbischof Bashar Warda (47) aus Erbil an die deutsche Öffentlichkeit gerichtet. „Die nächsten Monate entscheiden, ob das seit 2 000 Jahren im Irak heimische Christentum dort eine Zukunft hat oder bis auf kleine museale Reste ausgelöscht wird“, sagte der Erzbischof aus der Autonomen Region Kurdistan am Dienstag in Fulda. Der dem Redemptoristenorden angehörende Geistliche befürwortete ausdrücklich militärische Gewalt gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS). Diese verstehe keine andere Sprache. Nach den Worten des Erzbischofs ist die Zahl der Christen im Irak dramatisch von rund 1,4 Millionen auf nicht einmal 300 000 gesunken. Am Rande der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz dankte Warda den deutschen Christen für ihre Hilfe. Sie hätten die Christen im Irak finanziell stärker unterstützt als alle anderen Länder zusammen. Der Leiter des Bereichs Weltkirche und Migration im Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Ulrich Pöner, sagte, die Bischofskonferenz und katholische Hilfswerke hätten für die Christen im Mittleren Osten 2015 rund 42 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Warda bat darum, die Christen im Irak nicht zu vergessen. Nur mit weiterer Hilfe könne bei ihnen die Motivation erhalten werden, in ihrer Heimat zu bleiben, statt nach Europa zu fliehen. Die deutsche Politik solle „mit der irakischen Regierung Klartext reden“ und in Wirtschaftsfragen konsequenter vorgehen, etwa keine Waffen oder Gelder an Länder oder Gruppen geben, „die den Fundamentalismus unterstützen oder die Menschenrechte missachten“, mahnte Warda im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Als Prioritäten bezeichnete der Erzbischof eine würdevolle Unterbringung der Binnenflüchtlinge, gesundheitliche Grundversorgung, den Aufbau von Bildungsmöglichkeiten sowie Arbeitsmöglichkeiten. Christen spielen laut Warda eine wichtige Rolle als Vermittler in Nahost. Auch trauten viele Menschen christlichen Schulen. „Und wir werden daran mitwirken, dass die Lehrpläne in den übrigen Schulen nicht mehr den islamischen Fundamentalismus fördern.“ Der IS hatte 2014 Mossul und die gesamte Ninive-Ebene überrannt. Die sichere Region um das nordirakische Erbil hat deshalb zehntausende Flüchtlinge von dort aufgenommen. Warda wies darauf hin, dass die chaldäisch-katholische Diözese Erbil mehr als 10 000 christliche Flüchtlingsfamilien beherberge. Bislang habe man elf Schulen eingerichtet; Ende vergangenen Jahres wurde auch eine katholische Universität in Erbil aufgebaut. Warda zeigte sich zwar zuversichtlich, dass es gelingen werde, die vom IS besetzten Gebiete zu befreien. Das reiche aber nicht aus; für eine Rückkehr der Christen in ihre Heimat wären massive Sicherheitsmaßnahmen nötig. Die meisten christlichen Flüchtlinge hätten das Vertrauen in ihre muslimischen Nachbarn verloren.

    Der chaldäisch-katholische Erzbischof von Erbil, Bashar Warda. Foto: KNA

    Fulda (DT/KNA) Einen dramatischen Hilferuf für die bedrohten Christen im Nahen und Mittleren Osten hat der chaldäisch-katholische Erzbischof Bashar Warda (47) aus Erbil an die deutsche Öffentlichkeit gerichtet. „Die nächsten Monate entscheiden, ob das seit 2 000 Jahren im Irak heimische Christentum dort eine Zukunft hat oder bis auf kleine museale Reste ausgelöscht wird“, sagte der Erzbischof aus der Autonomen Region Kurdistan am Dienstag in Fulda. Der dem Redemptoristenorden angehörende Geistliche befürwortete ausdrücklich militärische Gewalt gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS). Diese verstehe keine andere Sprache. Nach den Worten des Erzbischofs ist die Zahl der Christen im Irak dramatisch von rund 1,4 Millionen auf nicht einmal 300 000 gesunken. Am Rande der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz dankte Warda den deutschen Christen für ihre Hilfe. Sie hätten die Christen im Irak finanziell stärker unterstützt als alle anderen Länder zusammen. Der Leiter des Bereichs Weltkirche und Migration im Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Ulrich Pöner, sagte, die Bischofskonferenz und katholische Hilfswerke hätten für die Christen im Mittleren Osten 2015 rund 42 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Warda bat darum, die Christen im Irak nicht zu vergessen. Nur mit weiterer Hilfe könne bei ihnen die Motivation erhalten werden, in ihrer Heimat zu bleiben, statt nach Europa zu fliehen. Die deutsche Politik solle „mit der irakischen Regierung Klartext reden“ und in Wirtschaftsfragen konsequenter vorgehen, etwa keine Waffen oder Gelder an Länder oder Gruppen geben, „die den Fundamentalismus unterstützen oder die Menschenrechte missachten“, mahnte Warda im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Als Prioritäten bezeichnete der Erzbischof eine würdevolle Unterbringung der Binnenflüchtlinge, gesundheitliche Grundversorgung, den Aufbau von Bildungsmöglichkeiten sowie Arbeitsmöglichkeiten. Christen spielen laut Warda eine wichtige Rolle als Vermittler in Nahost. Auch trauten viele Menschen christlichen Schulen. „Und wir werden daran mitwirken, dass die Lehrpläne in den übrigen Schulen nicht mehr den islamischen Fundamentalismus fördern.“ Der IS hatte 2014 Mossul und die gesamte Ninive-Ebene überrannt. Die sichere Region um das nordirakische Erbil hat deshalb zehntausende Flüchtlinge von dort aufgenommen. Warda wies darauf hin, dass die chaldäisch-katholische Diözese Erbil mehr als 10 000 christliche Flüchtlingsfamilien beherberge. Bislang habe man elf Schulen eingerichtet; Ende vergangenen Jahres wurde auch eine katholische Universität in Erbil aufgebaut. Warda zeigte sich zwar zuversichtlich, dass es gelingen werde, die vom IS besetzten Gebiete zu befreien. Das reiche aber nicht aus; für eine Rückkehr der Christen in ihre Heimat wären massive Sicherheitsmaßnahmen nötig. Die meisten christlichen Flüchtlinge hätten das Vertrauen in ihre muslimischen Nachbarn verloren.

    kna