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    „Die neue Ordnung im Leben bewähren“

    Neuötting (DT) Nach einem Umzug ins tiefste Oberbayern schauen die Bewohner gerne beim neuen Nachbarn vorbei: Von 300 auf 800 Gäste schwoll die Menge an, die sich am Sonntag in der Früh zum Pontifikalamt im weiß-blauen Festzelt auf der großen Wiese vor dem neuen Noviziat der Legionäre Christi versammelte. Mit einem Gottesdienst und einem bunten Programm von Freitag an beging der Orden die Einweihung: Novizen, darunter Bruder Darius aus Kalifornien und Bruder Andy aus Rostock, berichteten von ihrem Berufungsweg, Pater Klaus Einsle hielt einen heiteren Vortrag über den Himmel und Pater Bennet Tierney stimmte mit Gitarre und Gesang die Schar fröhlich.

    Der Passauer Bischof Stefan Oster SDB war unter jungen Menschen ganz in seinem Element. Foto: Michaela Koller

    Neuötting (DT) Nach einem Umzug ins tiefste Oberbayern schauen die Bewohner gerne beim neuen Nachbarn vorbei: Von 300 auf 800 Gäste schwoll die Menge an, die sich am Sonntag in der Früh zum Pontifikalamt im weiß-blauen Festzelt auf der großen Wiese vor dem neuen Noviziat der Legionäre Christi versammelte. Mit einem Gottesdienst und einem bunten Programm von Freitag an beging der Orden die Einweihung: Novizen, darunter Bruder Darius aus Kalifornien und Bruder Andy aus Rostock, berichteten von ihrem Berufungsweg, Pater Klaus Einsle hielt einen heiteren Vortrag über den Himmel und Pater Bennet Tierney stimmte mit Gitarre und Gesang die Schar fröhlich.

    In diesem Mai sind die Novizen vom Standort Bad Münstereifel umgezogen, wo nun die Apostolische Schule „Collegium Maria Immaculata“ allein den Platz benötigt. Mit Einverständnis des früheren Bischofs von Passau, Wilhelm Schraml, erwarb der Orden im September eine ehemalige Hotelfachschule in Alzgern am östlichen Rand von Neuötting, von satt-grünen Wiesen umgeben direkt am Waldrand. Er ließ es sich jetzt nicht nehmen, auch zur Einweihung des umfangreich sanierten Baus zu kommen; die eigentliche Haussegnung oblag seinem Nachfolger Bischof Stefan Oster.

    Als „nicht unumstritten“ und „extrem konservativ“ hatte die Lokalpresse die Legionäre nebulös beschrieben. Bei den ersten persönlichen Begegnungen zwischen Ordensmitgliedern und Einheimischen standen Vorurteile offenbar nicht im Weg. Als zwei Legionäre in schwarzer Soutane die Dorfgaststätte betraten, staunten die Stammgäste offenbar: „Sie setzten uns Weißbier vor und ließen uns ein Spiel von Bayern München mit anschauen“, erinnert sich ein Ordensmitglied bei einem Bühnengespräch am Wochenende. Er habe das als Einführungsritual empfunden.

    Die Nachbarn werden in den zurückliegenden zwei Jahren auch einen anderen Eindruck von den Zu'greisten bekommen haben – jenseits junger Geistlicher im schwarzen Gewand: Um das Gebäude bewohnbar zu machen, das immerhin zehn Jahre leer stand, legten die Novizen Arbeitskleidung an. Das bedeutete stundenlange körperliche Arbeit neben einem intensiven Gebetsleben und Vorbereitung auf die weiterführende Ausbildung. Durchschnittlich dauert die Ausbildungszeit bis zur Priesterweihe zehn bis vierzehn Jahre: Nach einem zweijährigen Noviziat schließen sich ein bis zwei Jahre humanistische Studien in Mexiko oder in den USA an, gefolgt von drei Jahren Philosophiestudium, und ebenso langen apostolischen Praktika sowie selbstverständlich dem Studium der Theologie.

    „Wir haben so ungefähr 100 000 Euro gespart“, betont Bruder Patricio Bringas stolz bei einem Rundgang durch das größtenteils cremeweiß gestrichene helle Haus. Zunächst war der Bau, in dem heute 14 Novizen mit ihrem Novizenmeister Pater Konstantin Ballestrem und anderen Patres der Provinz wohnen, ein Schnäppchen von knapp unter 960 000 Euro. Mehr als vier Millionen Euro, nach Ordensangaben durch Spenden finanziert, kostete der komplette Umbau.

    An den Wänden hängen an diesen Eröffnungstagen Computerausdrucke von Fotoaufnahmen aus der Umbauzeit: Ein Bild zeigt einen Raum mit einer Backsteinwand, bei der die Leitungen freigelegt sind. „Wir haben das für die Installateure freigeklopft“, berichtet Bruder Patricio weiter in fließendem Deutsch. Beim Rundgang durch das Untergeschoss, das für Jugendcamps ausgebaut werden wird, sind auf dem Boden und an den Wänden noch deutlich große Feuchtigkeitsflecken zu sehen, die gerade noch beseitigt werden. Das ehemalige Hotelschulrestaurant musste gar von Schimmel befreit werden: Ein Foto zeigt den grünen Wildwuchs auf der Terrasse darüber, die die Novizen auch selbst mit neuen Platten belegt haben. Ein Umbau wie eine Metapher für die jüngste Geschichte des Ordens, die Pater Sylvester Heeremann vom Generalrat (Leitung) der Legionäre Christi in dieser Zeitung in einem Interview (Ausgabe 20. Juni) schon offen dargelegt hat.

    Bischof Stefan Oster sprach am Sonntag in seiner Predigt ebenfalls deutlich über die Gründung des Ordens: „Der Gründer hat das Charisma nicht bewahrt, er ist darin wohl auch nicht gereift. Es scheint eher so zu sein, dass er es in dramatischer Weise missbraucht hat. Nicht nur das: Er hat im Vergehen gegen dieses Charisma auch Menschen in dramatischer Weise missbraucht.“ Die Legionäre Christi hätten unter der Führung von Papst Franziskus und seinem Vorgänger die Bestätigung bekommen, dass das Charisma ihres Anfangs eine Gabe Gottes sei. Der Weg der „Erneuerung, der Transparenz, der Klärung, Reinigung und Vertiefung ihres Charismas“, den der Orden, begleitet durch einen Päpstlichen Delegaten, beschritten habe, gereiche vielen von ihnen zur Ehre. Ausgehend vom Evangelium des Sonntags über Petrus und die Übergabe der Schlüsselgewalt an ihn, beantwortete der Bischof die Frage, wie die objektive Berufung der einzelnen Mitglieder von der problematischen Person des Gründers zu trennen ist.

    Petrus habe eine große Berufung geschenkt bekommen. Gott teile mit den Gaben auch Aufgaben aus. „Er schenkt uns die Möglichkeit zur Mitwirkung an seinem großen Heilsplan.“ In formaler Hinsicht sei der Erneuerungsprozess der Legionäre Christi, in dem auch die Ordensregeln erneuert wurden, zu einem „gewissen Abschluss“ gekommen. „Aber nun geht es darum, diese neue Ordnung im konkreten Leben zu bewähren, vor allem auch in der Ausbildung der Novizen, die hier in unserem Bistum Passau einen neuen, zentralen Ort findet.“ In den neuen Statuten hätten die Legionäre Christi herausgestellt, worum es zentral ginge: „Um die Liebe Christi und darum, dass wir alle von ihr mehr und mehr berührt, erfasst und verwandelt werden.“ Petrus habe sich von der Frage Jesu, ob er ihn liebe, im Herzen berühren lassen, was wohl das Entscheidende sei.