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    Die Unruhe für Christus wachhalten

    Vallendar/Schönstatt (DT) Dreimal pocht Kardinal Rylko mit dem Pilgerstab an die schwere Holztür. Sie öffnet sich und der Präsident des Päpstlichen Rates für die Laien betritt als „erster Pilger im Jubiläumsjahr“ das Gnadenkapellchen, schenkt dort der Gottesmutter von Schönstatt 100 Rosen als Zeichen der Dankbarkeit für ihr gnadenreiches Wirken hier am Ort und das Werden der Bewegung. Wenig später kommen der Kardinal und der Vorsitzende des Generalpräsidiums der internationalen Bewegung, Pater Heinrich Walter auf die eigens für die Feierlichkeiten errichtete Bühne. Es herrscht eine andächtige Stille. „Hiermit ist das Jubiläumsjahr eröffnet“, ruft Pater Heinrich. Ein begeisterter Applaus brandet bei den rund 2 000 Menschen auf, die sich am Freitag bei kühlen Temperaturen zur Open-Air-Feier in dem kleinen Wallfahrtsort am Rhein um die Gnadenkapelle versammelt haben. Über drei Jahre hat die Bewegung auf diesen Tag hingefiebert. Jetzt ist er da. Glückwünsche werden ausgesprochen. Die Freude ist vielen deutlich anzusehen.

    „Ein Bündnis der Liebe für die Menschen in diesem Land“: 3 500 Gläubige feierten neben der Gnadenkapelle von Schönstatt ... Foto: SAL/POS

    Vallendar/Schönstatt (DT) Dreimal pocht Kardinal Rylko mit dem Pilgerstab an die schwere Holztür. Sie öffnet sich und der Präsident des Päpstlichen Rates für die Laien betritt als „erster Pilger im Jubiläumsjahr“ das Gnadenkapellchen, schenkt dort der Gottesmutter von Schönstatt 100 Rosen als Zeichen der Dankbarkeit für ihr gnadenreiches Wirken hier am Ort und das Werden der Bewegung. Wenig später kommen der Kardinal und der Vorsitzende des Generalpräsidiums der internationalen Bewegung, Pater Heinrich Walter auf die eigens für die Feierlichkeiten errichtete Bühne. Es herrscht eine andächtige Stille. „Hiermit ist das Jubiläumsjahr eröffnet“, ruft Pater Heinrich. Ein begeisterter Applaus brandet bei den rund 2 000 Menschen auf, die sich am Freitag bei kühlen Temperaturen zur Open-Air-Feier in dem kleinen Wallfahrtsort am Rhein um die Gnadenkapelle versammelt haben. Über drei Jahre hat die Bewegung auf diesen Tag hingefiebert. Jetzt ist er da. Glückwünsche werden ausgesprochen. Die Freude ist vielen deutlich anzusehen.

    Die internationale Gemeinschaft, die weltweit nach eigenen Angaben rund 450 000 Mitglieder hat, feiert im Oktober 2014 den 100. Geburtstag. Jetzt am vergangenen Wochenende wurde das Jubiläumsjahr eröffnet. Vertreter der Bewegung aus 72 Ländern sind nach Vallendar bei Koblenz gekommen. Ein Hauch von Internationalität und der Weite des katholischen Glaubens ist spürbar, wenn auf der Bühne Kreuz und Gnadenbild mit einem indischen Ritual verehrt werden und der Gottesdienst in verschiedenen Sprachen gefeiert wird. Von einem historischen Moment für die ganze internationale Bewegung ist die Rede. Und das scheint nicht übertrieben. Nicht nur in Deutschland wird gefeiert, sondern auch in vielen anderen der etwa 110 Zentren, die Schönstatt in aller Welt aufgebaut hat. Per Internet sind viele live dabei. Der katholische Fernsehsender EWTN überträgt die Feierlichkeiten.

    Die Eröffnung des Jubiläumsjahres ist dabei nur eine Zwischenetappe. Mit dem Jubiläum ist bei Verantwortlichen die Hoffnung auf einen neuen Aufbruch der Bewegung verbunden. Kardinal Rylko fordert in seiner Ansprache die Schönstatt-Bewegung auf, neu die Entscheidung für Christus zu treffen. „Wir gehen durch die Tür und treten damit neu in Ihn ein, in seine Person, in sein Leben. Wir nehmen das Kind auf den Armen der Gottesmutter neu auf in unser Leben.“ Dieser Schritt sei eine zutiefst persönliche Entscheidung, „die wichtigste, die man im Leben treffen kann“. Die Entscheidung für Christus trage aber immer auch „ein Drängen des Herzens in sich. In uns muss die Flamme einer ,heiligen Unruhe‘ brennen“, sagte Kardinal Rylko. „Halten wir die Unruhe für Christus wach, ihn zu künden, ihn bekannt zu machen, ihn überall hin zu tragen. Das erwartet die Kirche von einer marianischen Bewegung!“

    Dieser missionarische Impuls wurde während des Festwochenendes weiter vertieft. „Wir wollen anderen Anteil geben und am Leben der Menschen Anteil nehmen“, sagte der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch bei einem Festgottesdienst am Samstag. „Schönstatt muss immer mehr zu einem Synonym werden für den Aufbruch zu den Menschen für Begegnung und Gemeinschaft“, so der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Angesichts einer zunehmenden Säkularisierung in der Gesellschaft brauche es „verlässliche Gemeinschaften, Gruppen und Kreise, in denen der Glaube gelebt und ausgetauscht wird“. „Menschen brauchen – vermittelt durch uns – ein Zuhause, eine Mutter und einen Vater mit liebenden Herzen; Menschen, die sich Zeit nehmen für Begegnung“, sagte der Erzbischof, der zur Gemeinschaft der Schönstatt-Priester gehört. Die Gottesmutter, mit der die Bewegung einen Bund, das sogenannte Liebesbündnis, geschlossen hat, solle für diesen Dienst am Mitmenschen „Vorbild und Wegbegleiterin“ sein. „Je mehr wir im Liebesbündnis leben, desto mehr bekommen wir Anteil an der Fähigkeit, anderen Heimat zu schenken, eine familiäre Atmosphäre zu schaffen, anderen Wohlwollen und Wertschätzung entgegen zu bringen. Diese Gnade brauchen unsere Seelsorgeeinheiten und Pfarreien, das brauchen die Menschen in unserem Land“, so Zollitsch. Während des Gottesdienstes, an dem weit über 3 000 Menschen aus ganz Deutschland teilnahmen, erneuerte die Bewegung das Liebesbündnis und verschrieb sich in besonderem Maße dem Dienst am Menschen in diesem Land.

    Dass der Schönstatt-Bewegung mit dem Liebesbündnis, bei dem die Bindung mit Gott und untereinander eine tragende Rolle spielen, ein besonderes Charisma geschenkt ist, unterstrich der neugeweihte Freiburger Weihbischof, Michael Gerber am Sonntag. „Es ist eine Gabe, die unsere Kirche braucht“, sagte Gerber in Hinblick auf einen dramatischen „Erosionsprozess“, den derzeit die Kirche in Deutschland erlebe. Der zweitjüngste Weihbischof Deutschlands brachte seine Dankbarkeit zum Ausdruck „für die Helden, die Schönstatt hervorgebracht hat“, sowie die kleinen und großen Lebenszeugnisse, die Schönstätter jeden Tag in der Treue zum Liebesbündnis mit Gott und der Gottesmutter erbringen. „Die Schönstatt-Heldengeschichte ist aber noch nicht fertig geschrieben.“ Der Ruf, ein heiligmäßiges Leben zu führen, ergehe an jeden einzelnen Christen.

    Es ist ein freudiges Fest des Glaubens, bei dem den vielen Tagespilgern, die per Bus aus den deutschen Diözesen angereist sind, viele Workshops, Podien, Vorträge und kreative Angebote für Kinder und Familien geboten werden. Die Dankbarkeit für das Wirken der Gottesmutter in den letzten Jahren wird besonders bei der Vorstellung der im Laufe des letzten Jahrhunderts entstandenen Teilgliederungen, etwa das Familienwerk und die Jugendgemeinschaften, sowie durch viele berührende Glaubenszeugnisse sichtbar. Der Sonntag rückte das ökumenische Miteinander im Netzwerk „Miteinander für Europa“ in den Vordergrund. Schönstatt engagiert sich seit 15 Jahren in diesem Prozess, den evangelische und katholische Gemeinschaften tragen.

    Standing Ovations und minutenlanger Applaus gab es am Abend für die 17 Laiendarsteller, die das Musical „Auf dem Hochseil“ des Liedermachers Wilfried Röhrig stimmgewaltig und mit bemerkenswerter Professionalität uraufgeführt haben. „Ein Musical ist kein Rosenkranzgebet“, hatte Pater Lothar Penners, Bewegungsleiter der deutschen Schönstattfamilie, die Zuschauer zu Beginn vorgewarnt. Mit rockigen und balladenhaften Stücken wird die Entstehungsgeschichte Schönstatt und die frühen Lebensjahres von Pater Josef Kentenich, der Gründers der Bewegung, lebendig und zeitgemäß in Szene gesetzt. Das Musical verharrt aber nicht in der Zeit Kentenichs, sondern thematisiert auch aktuelle gesellschaftliche Phänomene wie das Verschwinden der Väter aus den Familien oder die zunehmende Unfähigkeit, verbindliche Bindungen einzugehen. Das tiefgründige, etwa drei Stunden dauernde Stück wird in den nächsten Monaten auch in anderen deutschen Städten aufgeführt. Die Geschichte geht also weiter: Für das Musical wie auch für Schönstatt.