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    Die Theologie in Bayern am Scheideweg

    Eichstätt (DT) Durch die Debatte um eine „Fakultät der Theologien“ an der Berliner Humboldt-Universität sind in der jüngsten Vergangenheit Gestalt und Zukunft der theologischen Fakultäten wieder mit einem deutlichen Fragezeichen versehen worden. Der Vorschlag, jüdische, katholische, evangelische und islamische Theologie „unter einem organisatorischen Dach“ zu vereinen, rief massive Kritik hervor. Hinter den Überlegungen zeigt sich die religiöse Struktur in Berlin. In Bayern ist freilich die Glaubenslandschaft eine andere. Und doch: Was die Auslastung katholisch-theologischer Fakultäten an staatlichen Universitäten betrifft, ist noch Luft nach oben. Über die Zukunft der katholisch-theologischen Fakultäten an den staatlichen Universitäten im Freistaat diskutierten deshalb kürzlich Vertreter aus Staat und Theologie. Veranstalter des Symposiums im Priesterseminar Eichstätt waren der Alfons-Fleischmann-Verein zur Unterstützung der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und die Akademie des Cartellverbands.

    Eichstätt (DT) Durch die Debatte um eine „Fakultät der Theologien“ an der Berliner Humboldt-Universität sind in der jüngsten Vergangenheit Gestalt und Zukunft der theologischen Fakultäten wieder mit einem deutlichen Fragezeichen versehen worden. Der Vorschlag, jüdische, katholische, evangelische und islamische Theologie „unter einem organisatorischen Dach“ zu vereinen, rief massive Kritik hervor. Hinter den Überlegungen zeigt sich die religiöse Struktur in Berlin. In Bayern ist freilich die Glaubenslandschaft eine andere. Und doch: Was die Auslastung katholisch-theologischer Fakultäten an staatlichen Universitäten betrifft, ist noch Luft nach oben. Über die Zukunft der katholisch-theologischen Fakultäten an den staatlichen Universitäten im Freistaat diskutierten deshalb kürzlich Vertreter aus Staat und Theologie. Veranstalter des Symposiums im Priesterseminar Eichstätt waren der Alfons-Fleischmann-Verein zur Unterstützung der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und die Akademie des Cartellverbands.

    Hintergrund waren die für das Jahr 2019 angekündigten Gespräche zwischen der Freisinger Bischofskonferenz und der Bayerischen Staatsregierung, in denen bis 2022 die Theologie in Bamberg und Passau neu verhandelt werden soll. Die beiden Fakultäten wurden 2007 zu Instituten reduziert und befinden sich derzeit in einer Art „Ruhezustand“. Stephan Haering OSB, Inhaber des Lehrstuhls für Kirchenrecht an der Ludwig-Maximilians-Universität München, legte den aktuellen Stand der Theologie in Bayern und ihre rechtlichen Grundlagen dar. In Bayern gibt es derzeit fünf aktive katholisch-theologische Fakultäten, vier davon an staatlichen Universitäten (Augsburg, München, Regensburg und Würzburg) sowie eine an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.

    Dem juristischen Text gemäß werde ab 2019 lediglich über das Ruhen der Fakultäten von Bamberg und Passau verhandelt. Dass dies auch politische Implikationen mit sich ziehe und die Gesamtstruktur der theologischen Fakultäten in Bayern auf den Prüfstand stelle, „davon muss man ausgehen“, erklärte Michael Mihatsch, Leiter der Abteilung für Universitäten und Hochschulmedizin im Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst. Der Ministerialdirigent ist in die Vorbereitung künftiger administrativer Entscheidungen eingebunden. Er zeigte sich dankbar für das Problembewusstsein, das das Symposium erzeuge. Eine „Sicht des Ministeriums“ auf die theologischen Fakultäten könne er nicht geben. Damit es zu einer „Wiederbelebung“ der ruhenden Fakultäten komme, müsse aber „schon viel passieren“, gab Mihatsch zu bedenken.

    Die Entwicklung der Studierendenzahlen sei hingegen „erfreulich positiv“. Waren 2011 bayernweit knapp über 500 Frauen und Männer für ein theologisches Vollstudium eingeschrieben, hat sich die Zahl 2016 mit 945 Studierenden beinahe verdoppelt. Bei den Lehramtsstudenten hat sich die Zahl in diesem Zeitraum um rund 300 Studierende auf 837 leicht reduziert. Bundesweit könnten dieselben Tendenzen beobachtet werden. Zahlen sollten zudem nicht die alleinige Grundlage für eine politische Entscheidung bilden, es gehe um die Qualität der theologischen Forschung. Mihatsch gab des Weiteren zu bedenken, dass Bayern das einzige Bundesland ist, das bisher katholisch-theologische Fakultäten reduziert hat. Auch dürfe keinesfalls vergessen werden, dass die Theologie ein echtes Kulturgut ist. Und sie zähle durchaus nicht zu den „kleinen Fächern“. Auch die häufig gewünschte Nähe des Studienortes zur Heimatregion könne bei weiteren Reduzierungen zu erneut sinkenden Zahlen an Theologiestudenten führen. Auch sei eine negative Signalwirkung für die Öffentlichkeit zu erwägen, mit der Religion und Kirche in diesem Fall rechnen müsste. Schließlich sagte Mihatsch: „Was einmal geschlossen ist, ist nicht so leicht wieder aufzumachen.“

    Im Blick zu behalten sind bei den anstehenden Verhandlungen die Leitlinien des Wissenschaftsrates, der die Bundesregierung und die Regierungen der Länder in Fragen der Entwicklung der Hochschulen, der Wissenschaft und der Forschung berät. Bereits im Januar 2010 veröffentlichte der Wissenschaftsrat „Empfehlungen zur Weiterentwicklung von Theologien und religionsbezogenen Wissenschaften an deutschen Hochschulen“. Zusammenfassend heißt es darin: Die Fächer der theologischen Fakultäten sollten stärker als bisher auch in der Forschung ihren theologischen Zusammenhalt pflegen und sich zugleich noch mehr an fakultätsübergreifenden interdisziplinären Forschungen beteiligen. Diese Empfehlungen griff der Münchener Pastoraltheologe Ludwig Mödl auf. Grundsätzlich anerkenne der Wissenschaftsrat die Standards der christlichen Theologie als Wissenschaft, bringe zudem ins Gespräch, die islamische Theologie wie auch die Judaistik stärker zu würdigen. Mödl sieht einen großen Nutzen in der fakultätsübergreifenden Zusammenarbeit. Es sei zu fragen, wie „unsere Theologie effektiv in die Gesellschaft und in die Kirche hineinwirken kann“. Rein theologisch erscheinende Themen müssten in ihrem Lebensbezug neu entdeckt und Theologie müsse „wieder streitbar werden“, sagte Prälat Mödl in Anschluss an die Frankfurter Religionsphilosophin Eva Bucher. Sie hatte in ihren Ausführungen aufgezeigt, wie sich die Theologie an der Universität nicht nur behaupten, sondern ihre Stärken entfalten kann. Dauerhafter institutionalisierter Streit um die Theologie sei kein Makel. Mit Immanuel Kant sei vielmehr zu sagen, dass gerade dieser ein Mittel für Aufklärung, Fortschritt, Wahrheit und gegen Fundamentalismus sei.

    Hatte Ludwig Mödl auf seine Erfahrungen aus Luzern, Eichstätt und München hingewiesen, wonach „ohne Leidensdruck an einer Fakultät nichts geschieht“, sprach der St. Pöltener Pastoraltheologe Veit Neumann über die Weiterentwicklung der Theologie und der Philosophisch-Theologischen Hochschule in St. Pölten, wo derzeit viel Erfreuliches geschehe. Außerdem referierte Neumann die Sicht von Journalisten in deutschsprachigen Qualitätszeitungen auf die katholische Theologie. Auch die öffentliche Meinung wird Einfluss auf maßgebliche Entscheidungen zur Zukunft der theologischen Institutionen haben.